Mellrichstadt

Innenentwicklung mit Hindernissen

Kein Privatgrund für die Spielplatzsanierung in Mühlfeld und ein Neubau am Ortsrand von Roßrieth, weil Innerortsflächen fehlen. Da geraten Stadträte schnell ins Dilemma.
Von oben Regen, doch was steckt unter der Erde? Am alten Brauhaus von Mellrichstadt schaute der Bauausschuss mit Bürgermeister Eberhard Streit vorbei. Rund 450 000 Euro müsste die Stadt in die Verfüllung riesiger unterirdischer Keller investieren. Aber wohl nur die Stadt könnte dank Fördergeldern die Brache für eine neue Wohnnutzung durch einen dann privaten Investor vorbereiten. Foto: Gerhard Fischer

"Es ist gut, sich in Sachen Innenentwicklung auf den Weg zu machen. Die Stadt muss hier ihren Beitrag leisten", sagte Bürgermeister Eberhard Streit fast zum Ende der Bauausschusssitzung am Donnerstag in Mellrichstadt. Der Bürgermeister bleibt optimistisch, die Ortskerne als attraktive Gebiete zu erhalten statt mit immer neuen Wohngebieten Flächen zu versiegeln. Und doch mussten die Stadträte im ersten Teil der Sitzung, bei einer Ortsbegehung, dann auch feststellen, dass es einige Hürden gibt, die mitunter auch von den Bürgern selbst aufgestellt werden.     

Ein Stück Privatgrund fehlt für die Ideallösung

Das war zum Beispiel am Spielplatz in Mühlfeld zwischen Dorfmitte und Bahnstrecke so. 
In Vorgesprächen mit den Bürgern war man sich einig, den bestehenden Platz zu modernisieren und nicht an das Neubaugebiet zu wechseln, zumal Kinder bei Dorffesten den bestehenden Platz besser erreichen. Ortssprecher Jörg Rothhaar stellte vor Ort die Pläne vor, brach liegenden städtischen Grund mit Hanglage oberhalb des bestehenden Geländes einzubeziehen.

Ortssprecher Jörg Rothhaar (links) stellte dem Bauausschuss die Pläne für die Spielplatzsanierung in Mühlfeld vor. Zum Beispiel soll ein Wasserspielgerät angeschafft werden.  Foto: Gerhard Fischer

Eine direkt anschließende, kleine Privatfläche wäre zwar ideal zur Abrundung des Platzes, doch seien alle Verhandlungen mit den Besitzern gescheitert. "Wie sollen wir eine sinnvolle Ortsentwicklung voranbringen, wenn kaum genutzte Flächen nicht hergegeben werden", klagte Bürgermeister Eberhard Streit unter zustimmendem Kopfnicken der Bauausschuss-Mitglieder.      

Nach den Ideen von Jörg Rothhaar und der Bürger soll unten am Bach ein Wasserspiel angelegt werden und im hinzukommenden Hangbereich eine Hangrutsche. Auf ein großes ILEK-Projekt zur Neugestaltung sämtlicher Spielplätze im Stadtgebiet will man indes in Mühlfeld nicht warten.  Auf rund 1000 Quadratmetern könnte sich dann der neue Spielplatz ausdehnen, so Rothhaar.

Bauwilliger in Roßrieth

Nicht einfach ist die Situation auch in Roßrieth. Dort gibt es einen Bauwilligen. Als Grundstück hat er sich die so genannte Brunnenwiese am Ortsausgang Richtung Sondheim/Grabfeld ausgeguckt, wo der Bauausschuss ebenfalls vorbeischaute. Pi mal Daumen 90 000 Euro würde die Erschließung kosten, auf den Bauwerber kämen ziemlich hohe Erschließungsbeiträge zu. Wirklich glücklich zeigte man sich im Ausschuss nicht, dass ein eigentlich abgerundetes Orts-Ensemble so erweitert würde, aber auch in Roßrieth gibt es keine Aussicht darauf, dass freier, ungenutzter Grund verkauft wird. Die Verwaltung soll nun auf den Bauwilligen zukommen mit einer Kostenkalkulation. Streit hoffte, dass man beim Amt für ländliche Entwicklung, wo man die Innerorte mit vielen Förderprogrammen unterstützt, keine "Ohnmachtsanfälle" deswegen bekommt. 

Stadt liebäugelt mit altem Brauhaus-Gelände

Die Innenentwicklung war dann auch das Thema, als die Besichtigungstour zum alten Brauhaus von Mellrichstadt führte. Wie berichtet, steht das Areal zum Verkauf. Nachdem sich bisher bei Auktionen kein Interessent für das Ensemble gefunden hast, liebäugelt die Stadt mit einem Ankauf des Geländes, wobei ein entsprechender Mehrheitsbeschluss noch nicht gefasst wurde. Um aber einen Überblick zu haben, was auf die Stadt im Falle eines Erwerbs zukäme, wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben. Denn unter dem möglichen Wohngelände befinden sich sehr große, alte Keller. Diese müssten verfüllt oder abgetragen werden, damit ein zukünftiger privater Bauherr sein Projekt realisieren könnte.     

Bürgermeister Eberhard Streit und viele Kollegen sehen die Nutzung der Brache als wichtigen Beitrag zur Innerortsverdichtung. Die Nähe zur Innenstadt und zu Einkaufsmöglichkeiten prädestiniere das Gebiet als Wohnfläche. Gleichwohl gab es vor allem von Stadtrat Helmut Dietz kritische Stimmen. Die geschätzten Kosten für die statisch sichere Verfüllung der Keller von circa 450 000 Euro könnten schnell überschritten werden, das Vorhaben überhaupt sei zu riskant. Bei der erfolglosen Auktion im letzten Jahr verlangte der Besitzer 245 000 für das Areal als Mindestgebot.

Die Stadt als Gestalter

Streit betonte jedoch, dass ein Privatmann nur schwer für eine solche Maßnahme zu gewinnen sei, eine Kommune wie Mellrichstadt jedoch mit Förderprogrammen rechnen könne, um auf diese Weise Innenentwicklung zu ermöglichen. "Wenn wir nicht handeln, steht diese Brache auf ewig hier", mahnte Streit. 

Das kann passieren. Bei Abrissarbeiten an einem alten Haus in der Hellgasse wurde die Hauswand des Nachbargebäudes freigelegt. Damit die standsicher bleibt, muss die Stadt nun das Ganze stabilisieren. Foto: Gerhard Fischer

Ein letztes Beispiel für die Haken der Innenentwicklung zeigte Eberhard Streit in der Hellgasse von Mellrichstadt. Dort besaß die Stadt ein schmales Wohnhaus, das abgerissen werden musste. Dabei wurde jedoch das angelehnte Mauerwerk des Nachbarhauses freigelegt und muss nun wiederum aufwändig stabilisiert werden. Solche Überraschungen biete die lange Baugeschichte der Stadt, so Streit.

Mit drei Projekten, die in das Förderprogramm Innenentwicklung aufgenommen werden sollen, befasste sich das Gremium ebenfalls. Man war sich einig, die Förderrichtlinie zu überarbeiten, um Unklarheiten zwischen Arbeiten an einem Altbau und einem Neubau abzuschaffen. 'Und schließlich war man sich einig, im Neubaugebiet Heckenweg einen provisorischen, geschotterten  Wendehammer anzulegen, damit zum Beispiel Müllfahrzeuge rangieren können. 

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