Irmelshausen

Irmelshausen: Glücksbrot-Brauch wurde wiederbelebt

Alle Schulkinder des Dorfes versammelten sich im Schlosshof: Am Neujahrstag verteilten Karl und Anna von Stauffenberg Glücksbrote an die Kinder als Dankeschön für die vorgetragenen guten Wünsche für das neue Jahr. Foto: Regina Vossenkaul

Warum gibt es in Irmelshausen kein Glücksbrot mehr? Diese Frage stellte sich Franziska Schnaus, die ihre Kindheit in Irmelshausen verbrachte und nach einigen Jahren in der Ferne wieder in ihre Heimat zurückkam. Sie hatte gute Erinnerungen an den Neujahrstag, an dem die Kinder nach dem Gottesdienst zum Schloss liefen, um dort zu singen, ein Gedicht aufzusagen und ein gutes, neues Jahr zu wünschen. Zur Belohnung gab es das Glücksbrot. Einige traditionsbewusste Dorfbewohner bedauerten ebenfalls, dass der Brauch eingeschlafen ist und so wurde Franziska Schnaus damit beauftragt, sich darum zu kümmern.  

"Ich habe bei der Familie Stauffenberg angerufen und Karl und Anna von Stauffenberg sagten sofort zu, den Brauch wieder aufleben zu lassen", berichtet die Irmelshäuserin. Sie startete einen Aufruf und war positiv überrascht, weil sich alle Schulkinder des Ortes bereit erklärten, mitzumachen. Lieder und ein Gedicht wurden eingeübt und alle waren eifrig dabei. "Die Kinder waren sehr motiviert", lobte Schnaus.

Schlossherren verteilten die Brote

Ursprünglich soll laut Nachforschungen von Kreisheimatpfleger Reinhold Albert das Brotgeschenk nicht von den Pächtern, wie viele Jahre lang üblich, sondern von den Schlossherren verteilt worden sein. Auf ein Gelöbnis einer unverheirateten und schwerkranken Baronin von Bibra soll das Verteilen des Glückbrots zurückgehen. Wenn sie wieder genesen würde, wollte sie jedes Jahr am Neujahrstag Brote an die schulpflichtigen Kinder verteilen. Sie wurde wieder gesund und gab die Verpflichtung an die nachfolgenden Generationen weiter. Weil das Schloss jedoch im Winter oft unbewohnt war, übergaben diese die Verpflichtung an ihre Pächter vom Gutshof, das war sogar bis in die 1960er Jahre Teil des Pachtvertrags. Zuletzt erfüllten Doris und Werner Schmutz sowie Tina und Sebastian Schmutz freiwillig diese Aufgabe, seit einigen Jahren ist der Brauch eingeschlafen.

Eine Hungersnot hielt man für den ursprünglichen Auslöser des Brauchs. Wie groß die Kinderschar in alten Zeiten war, kann man aus den angegebenen Mengen schließen. 55 Pfund Weizen und 55 Pfund Roggen sollten von den Pächtern an den Bäcker geliefert und verarbeitet werden, am Neujahrstag 2020 reichte eine wesentlich geringere Menge aus für 18 Kinder. Gebacken wurden die Einpfünder mit dem Glücksschwein oben drauf von einer Bäckerei in Römhild.

Kinder sangen ein umgedichtetes Neujahrslied

Am Eingang zur Schlosshälfte der Stauffenbergs standen die Brotkörbe bereit, während die Kinder ein umgedichtetes Neujahrslied sangen, dazu das Lied von Dietrich Bonhoeffer "Von guten Mächten wunderbar geborgen". Ein Gedicht wurde außerdem aufgesagt und mit "Freude schöner Götterfunken" das neue Jahr instrumental begrüßt.

Für die guten Wünsche bedankte sich Karl Graf von Stauffenberg und bedauerte, dass der Brauch einige Jahre nicht mehr vollzogen wurde. Allen Initiatoren und besonders den Kindern dankte er für ihr Engagement und hoffte, dass es im nächsten Jahr wieder genauso gut klappt.               

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