Bad Neustadt

Jahresrückblick

Jahresrückblick

2019 neigt sich seinem Ende entgegen. Ein guter Anlass für einen besinnlichen Rückblick. Er ist -wie immer - der Stadt und dem Landkreis gewidmet. "Urbi et orbi". Vorneweg: Gemessen an dem, was uns Klimaforscher für die Zukunft prognostizieren, erwies sich 2019 als "größtenteils harmlos". Das Thema des Jahres war - natürlich - der Klimawandel. Man kann das Wort bald nicht mehr hören!

Bekanntlich liegt der Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur in Unterfranken aktuell bei 1,5 Grad. Damit haben wir die im Abkommen von Paris gesetzte Obergrenze bereits heute erreicht. Die Heimat geht voran! Die Folgen bekamen wir im Jahresverlauf zu spüren. Viele Bäche und Tümpel trockneten im Juli vollständig aus, tausende Bäume verdorrten. Trinkwasserbrunnen "kippten" und das Grundwasser sank auf einen historischen Tiefstand. Aus sportlicher Sicht war es sehr bedauerlich, dass das heimatliche Kitzingen den Titel "heißeste Stadt Deutschlands" (40,3 Grad) ausgerechnet an das niedersächsische Lingen (42,0 Grad) abgeben musste. Allerdings sehen Experten für die Heimat gute Chancen, in der Rückrunde 2020 wieder zum Tabellenführer aufzusteigen.

Was unsere Granden aber wirklich ärgert, ist die Tatsache, dass die Erderwärmung das Süd-Nord-Gefälle verstärkt. "Wer hat, dem wird gegeben". Denn während es in Südbayern munter weiter regnet, zählt unsere Heimat zu den Klima-Verlierern. Kein Wunder dass der "studierte" Öko-Landwirt Georg Scheuring aus dem Spessart gegenüber der Presse äußerte, dass er, Scheuring, es als "ungerecht" empfände, dass Bauern im Süden mehr düngen dürften, nur weil es dort mehr regnet. Das sei "ungerecht". Was für eine Bauernschläue!

Wie alles im Leben hat aber auch der Klimawandel seine guten Seiten: So wurden beispielsweise die Jugend wieder "politisch". Wer hätte das gedacht! Während die "Alten" immer mehr zu SUV-Fans mutieren, mucken die ach so angepassten Jungen auf. Zumindest ein paar Gymnasiasten. "Fridays for Future" wurde in diesem Jahr auch bei uns zur "Bewegung". Man trat in den "Schulstreik" und zog an sonnigen Freitagen fröhlich lärmend durch die Stadt. Die reinsten Revoluzzer! Am Rathaus legte man dann eine Pause ein, um die Granden ein bisschen zu nerven. Denn was liegt denen schon am Klima?

Papst Franziskus erklärte anlässlich des UN-Klimagipfels, den Mächtigen dieser Welt fehle es an politischem Willen für "eine radikale Wende in der Klimapolitik". Mangelnde Radikalität kann man unserem Landrat aber weiß Gott nicht vorwerfen. Er hat jetzt, also im Jahr 2019, für das Landratsamt die Einführung von Recycling-Papier angeordnet, wie die Heimatzeitung titelte. Wow! Klimaschutz mit Maß und Ziel! Trotzdem: Von den "Schwarzen" erwarten junge Menschen nichts mehr. Außer der fixen Idee vom ewigen Wachstum und einem fast schon religiös anmutendem Fortschrittsglauben haben sie keine Visionen. Die Digitalisierung wird schon irgendwie alles richten. Na klar.

Die Quittung kam im Mai. Bei der Europawahl verlor die CSU im Landkreis krachend. Entgegen dem Landestrend! Sie rutschte zum ersten Mal unter die historische Marke von 50 Prozent. Bitter! Dafür legten AfD und Grüne mächtig zu. Ob dieser Trend sich bei der anstehenden Kommunalwahl fortsetzt? Zumindest für die Grünen erscheint das fraglich. Ihre Vertreter im Stadt- und Kreisrat sind im Laufe des Jahres zunehmend in die Kritik geraten. Viele Bürger sind der Meinung, dass sie keinen rechten Biss mehr zeigten. Es fehle an "grünem Profil". Stimmt das? Sind unsere Grünen wirklich "zahnlose Tiger" geworden? Sicher, die "Umweltbildungsstätte", die "Öko-Modell-Region", das "Biodiversitätszentrum" - alles prima. Aber eben nur Symbolpolitik.

Substantiell tragen solche "Leuchtturmprojekte" nichts zur Lösung der ökologischen Probleme bei, vor denen die Heimat steht. Unsere Grünen mussten sich deshalb geradezu unverschämte Fragen gefallen lassen: Warum engagierten sie sich nur kaum wahrnehmbar für den Nationalpark und überließ ein paar "Hobby-Holzhackern" das Feld? Eine Jahrhundert-Chance wurde vertan! Und warum protestierte man nicht lautstark, als bei Herschfeld der Bau riesiger Viehställe in der Nähe eines Wasserschutzgebiets genehmigt wurde? Der dazugehörige Trinkwasserbrunnen musste bekanntlich im Juni vom Netz genommen werden.

Warum empörten sich die "Ökos" nie über 40,5 Milligramm Nitrat pro Liter im Herschfelder Trinkwasser? Und wie stehen sie eigentlich zum Baustopp am Windpark bei Wülfershausen? Warum fließen im Landkreis seit Jahrzehnten Abermillionen in den Straßenbau und im Vergleich dazu so gut wie nichts in den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs? Deutschlandweit liegen wir in puncto öffentlicher Nahverkehr an drittletzter Stelle. Abgehängt!

Und man mag zu den geplanten Wohnsilos in Herschfeld stehen wie man will, aber würde man von grünen Stadträten nicht erwarten, dass sie sich gewissermaßen schon "aus Prinzip“ an die Seite einer Bürgerinitiative stellen, die sich für landschaftsgebundenes Bauen und den Erhalt von Heckenstreifen einsetzt? Auch ein grünes, anwohnerfreundliches Verkehrskonzept für diesen geschundenen Stadtteil gibt es nicht. Klar: In der bayerischen Provinz können Grüne gegenüber der "schwarzen" Mehrheit ihre Ideen nur schwer durchsetzen. Aber sie sollten zumindest welche haben! Und natürlich arbeitet man gerade in der Kommunalpolitik über Parteigrenzen hinweg zusammen. Aber muss man denn zugunsten eines "harmonischen Miteinanders" alles durchwinken? Ein gelegentliches "Nein" würde zumindest zeigen, dass es auch Gegenpositionen gibt. Und die vermisst man.

"Alles Knauker", glauben deshalb viele Ureinwohner. Herrliches Fränkisch! Vielleicht sind ein paar "ewig jung gebliebene" Grüne einfach schon zu lange im Amt. Dann schlägt die Altersmilde durch. Gut dass wir in einer Demokratie leben! Die Wahlen im nächsten März könnten für frischen Wind sorgen. Das gilt übrigens auch für das Landratsamt. Zumindest theoretisch.

Ganz sicher wird sich aber im Rathaus etwas ändern. Die "Ära Altrichter" geht zu Ende. Vom Wahlkampf spürt man bislang wenig. Gerüchten zufolge hatten die Parteien große Schwierigkeiten, überhaupt genügend Kandidaten zu finden, um ihre Listen zu füllen. Es ist ja auch so viel leichter, immer nur herumzunörgeln! So richtig "politisch" sind die Jungen wohl doch nicht. Aber es gibt Ausnahmen! Michael Werner zum Beispiel, der 31 Jahre junge Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler. Er tauchte im November gewissermaßen aus dem politischen "Off" auf und bezeichnet sich selbst als "Macher". Welche politischen Schwerpunkte der gebürtige Herschfelder "im Fall des Falles" setzt, wird er wohl erst in der heißen Phase des Wahlkampfs verraten.

Seine Gegenkandidatin von der CSU heißt Christiane Hanshans und stammt aus Saarbrücken. Die "Frömme" und der "Ureinwohner" - ein spannender Wahlkampf! Sie wäre die erste Bürgermeisterin in der Geschichte Bad Neustadts. Wow! Frauen an die Macht! Und obwohl die 52-Jährige am Rhön-Klinikum arbeitet, hätte sie sich angeblich - so wird erzählt - gegen den Bau jenes phantastisch anmutenden Verkehrsprojekts ausgesprochen, von dem im vergangenen Jahr so oft die Rede war.

Man muss sich das vorstellen: Eine Seilbahn vom Busbahnhof zum Campus. Was für ein Alleinstellungsmerkmal! Es war die Idee des Jahres. Bekanntlich stammt sie aus der Vorstandsetage des Großkonzerns. Dort stellt man sich das Ganze ungefähr so vor: Die Stadt finanziert den Bau, kommt für sämtliche Betriebskosten auf - und die Großaktionäre der Rhön-Klinikum-AG finden es gut. Win-win! Die Interessen einer Minderheit auf Kosten des Gemeinwohls durchsetzen. Solche "Geschäftsmodelle" sind typisch für unsere große Zeit. Denken Sie an nur das Grundwasser oder die Wildsauplage. Unsere Granden müssen eben Prioritäten setzen.

Was gab es sonst noch im vergehenden Jahr? Im September wurde das neue Wahrzeichen der Stadt offiziell eingeweiht: ein 40 mal 80 mal 40 Meter großes Pappkartonlager. Es passt gut zu unserem schönen Industriestädtchen und fügt sich harmonisch in die gesichtslose Allerwelts-Architektur, die immer stärker das Ortsbild prägt. Das wirtschaftliche Potential des "Pappophags", wie der Klotz von den Ureinwohnern treffend genannt wird, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Der Onlinehandel boomt, wie die Leerstände in der Innenstadt beweisen. Und worin werden all die schönen Konsumartikel verschickt? Richtig, in Pappkartons! Im Schnitt produzierte jeder Deutsche in diesem Jahr 226,6 kg Verpackungsmüll. Ein neuer Rekord. Wir sind "Europameister"! Und ganz nebenbei belebt der "Pappophag" ja auch den Straßenverkehr. Genauso stellen sich unsere Granden "nachhaltige Entwicklung" vor. Mit Maß und Ziel.

Unvollendet blieb 2019 dagegen die Sanierung der "Parkgarage Altstadt". Die verzögerte Wiedereröffnung des einstigen Prestigeprojekts stellt das vorläufig letzte Kapitel einer wahren "Erfolgsstory" dar. Für die Sanierung von 57 Parkplätzen müssen Steuerzahler über 1,8 Millionen Euro berappen. Das sind etwa 32 000 Euro pro Parkplatz! Gut angelegtes Geld, wenn man bedenkt, dass Mitarbeiter des Landratsamts und der Agentur für Arbeit dafür künftig auf ihrem Weg vom Auto zum Arbeitsplatz wieder vor der Witterung geschützt sind.

Unvollendet blieb auch die Sanierung des Bahnhofsareals. Die ungezählten Autos, die dort in schlammigen Pfützen herumstehen, wirken immer mehr wie Schädlinge, die zu einer Plage geworden sind. Obwohl unser scheidender Bürgermeister praktisch während seiner gesamten Amtszeit eine baldige Verbesserung der Situation in Aussicht gestellt hat, sehen sich ankommende Bahnreisende auch im Jahr 2019 unvermittelt in ein Umfeld versetzt, das man sonst nur in Entwicklungsländern findet. Na und? Dann sollen sie eben mit dem Auto anreisen! Ist das wirklich alles so schlimm?

Jammern wir nicht auf zu hohem Niveau? Wie gesagt: Gemessen an dem, was uns Klimaforscher für die Zukunft voraussagen, erwies sich 2019 als "größtenteils harmlos". Gott sei Dank! Kurz vor Jahresende wurde für 216 "Böschemer" noch ein Traum wahr. Sie hatten bei einer Bürgerbefragung im Mai für die Umbenennung ihrer 4825 Einwohner zählenden Gemeinde gestimmt. Per Bescheid darf sich das Städtchen ab dem 1. Januar 2020 "Bischofsheim in der Rhön" nennen. Zuvor hieß es "Bischofsheim an der Rhön". Ein großer Schritt für die Menschheit!

In diesem Sinn: Frohe Weihnachten für Sie und Ihre Familie!

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