Bad Neustadt

Jetzt lässt Gertrud Pfister sich fahren

Großer Bahnhof für die langjährige beliebte Nessi-Lenkerin zum Eintritt in den verdienten Ruhestand. Stets freundlich und hilfsbereit.
Einen großen Bahnhof bereiteten (von links) Dürrnhofs Ortssprecherin Christine Stallenberger und 2. Bürgermeisterin Rita Rösch Nessi-Fahrerin Gertrud Pfister vor ihrer letzten Fahrt. Für die treuen und liebevollen Dienste dankte ihr auch Christian Rutter, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke. Foto: Karin Nerche-Wolf

Pünktlich um 11.22 Uhr verlässt die Nessi 4 normalerweise die Haltestelle Marktplatz und steuert Dürrnhof an. Am Samstag, 30. März, trat aber eine Verspätung ein, für die es einen ganz besonderen Grund gab: Ein "großer Bahnhof" hatte sich aufgebaut, um Gertrud Pfister vor ihrer allerletzten Fahrt von Herzen Danke zu sagen.

2. Bürgermeisterin Rita Rösch würdigte die menschliche Zuwendung, die die Busfahrerin aus Leidenschaft ihren Fahrgästen entgegenbrachte und auch in diesem Augenblick spontan erkennen ließ: "Wenn ich Sie sehe", versicherte sie der Stadtvertreterin, "denke ich immer an Ihre Eltern". Man muss nicht lange fragen: Zu Lebzeiten ist das Ehepaar Rösch gerne in den Bus eingestiegen, wenn Gertrud Pfister am Steuer saß, und die Tochter wusste es.

Den liebevollen Umgang mit den Nessi-Passagieren und die ruhige und freundliche Art der künftigen Ruheständlerin lobte Christian Rutter, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke. Eine gute Zusammenarbeit pflegten die beiden, vorher ging es mit Andreas Schlagmüller genauso prima. Seit dem 1. Juni  1998 hatte Gertrud Pfister im Dienst der Nessi gestanden, deren Fahrplan auf der Linie 4 nach Dürrnhof mit der Pfister-Linie 8011 nach Eichenhausen verwoben war.

Kaum vorstellen konnte sich Ortssprecherin Christine Stallenberger, wie die Dürrnhöfer künftig ohne Frau Pfister auskommen sollen. Sofort plauderten die beiden Damen über die Bedürfnisse von diesem und jenem, über das Entgegenkommen, mal eben da vorne an der Ecke zu halten oder das kranke Kind bei der Nachbarin abzusetzen, weil die Mama nicht zu Hause ist.

Viele solcher Begebenheiten hat Gertrud Pfister erlebt und versucht, immer zum Guten zu gestalten. So tut es ihr heute noch in der Seele weh, wenn sie an die alten Menschen denkt, die nach ihrem Umzug ins Altenheim in den Bus stiegen und nach Hause in ihre frühere Wohnung fahren wollten. Da gehörte es zum ganz selbstverständlichen Service von Gertrud Pfister, dass sie die Kinder verständigte, die ihr für solche Fälle die Telefonnummer gegeben hatten. Einmaliger kann man sich eigentlich nicht verhalten.

Nicht nur das Wohl des Einzelnen lag der heute 66-Jährigen immer am Herzen, sondern sie verfolgte auch die gesellschaftlichen Entwicklungen. Ein Thema, das ihre Fahrgäste besonders heftig debattierten, war der Bratwurststand am Dreiländereck. Dass er trotz guter Arbeit nicht mehr weitermachen durfte, bedauert Gertrud Pfister heute noch ebenso wie das Verschwinden der Buden am Kreuzberg. "Alles soll immer größer werden, aber die kleinen Dinge machen das Leben aus", würde sie den Verantwortlichen gerne zu bedenken geben.

Natürlich ereiferten sich die Gemüter auch über die Bautätigkeiten in der Hohnstraße und über die Zukunftsvisionen für eine Seilbahn. Wie hitzig die Diskussionen auch verliefen, Gertrud Pfister behielt den Überblick und einen kühlen Kopf. "Ich habe alle meine Fahrgäste immer gesund heimgebracht", ist so froh, dass sie dafür im Karmel in Rödelmaier einen Dankgottesdienst halten lässt.

Als sich Gertrud Pfister 1979 zum ersten Mal ans große Lenkrad setzte, war es noch etwas Besonderes, dass eine Frau Busfahrerin wurde. Sie stieg ins Unternehmen ihres Schwiegervaters Alfred Pfister mit ein, in den letzten 20 Jahren war sie die Chefin. Jetzt wickelt sie den Betrieb ab, verkauft die drei Busse und freut sich darauf, dass sie bei ihren früheren Kollegen einsteigen und sich durch Deutschland chauffieren lassen kann.

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