MELLRICHSTADT

Kaminkehrer: Ganz traditionell und doch hochmodern

Benjamin Schultheis hat die digitale Entwicklung der letzten 15 Jahre hautnah miterlebt. Als der Kaminkehrermeister aus Mellrichstadt 2003 seine Lehre begann, sah seine Berufswelt in vielerlei Hinsicht noch ganz anders aus als heute.

Wenn man ihn während der Arbeit antrifft, ahnt man erst einmal nichts vom technischen Fortschritt, der auch vor dem Beruf des Kaminkehrers nicht halt gemacht hat. Von oben bis unten schwarz gekleidet, mit schwarzem Hut auf dem Kopf, hier und da ein paar Rußspuren – Benjamin Schultheis sieht genauso aus, wie man sich einen Kaminkehrer eben vorstellt. Stoßbesen, Kehrleine und Rußeimer gehören wie schon vor Jahrzehnten zur Ausrüstung dazu. Auf was der 30-Jährige heute aber ebenfalls nicht mehr verzichten kann, sind Tablet und digitales Messgerät. Die ersetzen eine Vielzahl von Geräten und vor allem jede Menge Schreib- und Rechenaufwand. Deshalb sieht er die Digitaltechnik in erster Linie auch als Bereicherung an.

Ergebnis innerhalb weniger Minuten

Ein Beispiel: Bei der Überprüfung einer Holzheizung wurde früher das Abgas durch eine Messhülse geleitet, die dann zum Zentralen Innungsverband nach St. Augustin in Nordrhein-Westfalen geschickt wurde, wo die Auswertung stattfand. Teilweise mehrere Wochen musste man auf das Ergebnis warten. Heute übernimmt diese Arbeit das digitale Messgerät, sodass Abgasmessung und Auswertung nur noch Minuten in Anspruch nehmen und das Ergebnis umgehend vorliegt.

„Das bringt natürlich Zeit für die Kundennähe“, sieht Benjamin Schultheis den positiven Aspekt. Die Kehrseite: „Aufgrund der großen Datenmengen und immer neuer Rechtsvorschriften wird auch der Verwaltungsaufwand immer größer.“ Von der eingesparten Zeit bleibt unterm Strich also nicht viel übrig. „Ohne Digitaltechnik würde es heute aber gar nicht mehr gehen“, ist der Kaminkehrermeister überzeugt.

Fokus auf Rauchwarnmelderund sowie der digitalen Heizungsregelung

Besonders deutlich wird diese Tatsache im Ausbildungsbereich. Der hat sich nämlich vor drei Jahren mit Einführung der neuen Ausbildungsordnung komplett gewandelt. Die Gesellenprüfung von Benjamin Schultheis drehte sich vor allem um das klassische Kaminkehren sowie die Überprüfung einer Heizungs- und einer Lüftungsanlage. Heute liegt der Fokus auf der Installation von Rauchwarnmeldern, der energetischen Bewertung eines Hauses sowie der digitalen Heizungsregelung.

Trotz aller Technik ist der Kaminkehrerberuf heute noch genauso traditionell wie vor 50 Jahren. „An allererster Stelle steht der Brandschutz“, sagt Benjamin Schultheis. Hinzu kommen mittlerweile in großem Maße die Themen Energieeinsparung und Umweltschutz. Bei Kundenbesuchen gehört es für den Mellrichstädter deshalb ganz einfach dazu, dass er als neutraler Berater angesehen und geschätzt wird. Eine Bedrohung durch die fortschreitende Digitalisierung fürchtet er nicht. Heizungen werden zwar moderner und Überprüfungsintervalle damit unter Umständen größer. „Der Kaminkehrer wird aber immer vor Ort arbeiten müssen“, ist sich der Fachmann, der im Jahr 2011 seine Meisterprüfung abgelegt hat, sicher.

Mit Vertrauen in die Zukunft machte er sich deshalb im Jahr 2015 selbstständig und ist nicht erst seit diesem bedeutenden Schritt in der Region rund um Mellrichstadt, Oberstreu und Mittelstreu bekannt „wie ein bunter Hund“. Allzu große Sorgen muss er sich wohl auch nicht machen, denn Schornsteinfeger sollen ja bekanntlich Glück bringen. Diesen Ruf besitzen die Männer und Frauen in Schwarz heute wie früher. Ganz traditionell eben, und doch voll im digitalen Zeitalter angekommen.

Rückblick

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  27. Kaminkehrer: Ganz traditionell und doch hochmodern

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