MELLRICHSTADT

Karl-Hermanns Traumreise an den Nordpol

Ein unvergesslicher Moment: 90 Grad Nord – der Nordpol. Karl-Hermann Reich, Mellrichstädter Unternehmer, genießt den Augenblick, am nördlichsten Punkt der Erde zu stehen.
Ein unvergesslicher Moment: 90 Grad Nord – der Nordpol. Karl-Hermann Reich, Mellrichstädter Unternehmer, genießt den Augenblick, am nördlichsten Punkt der Erde zu stehen. Foto: Reich

Am Montag, 2. Juli, heißt es um 9 Uhr: „Ziel erreicht!“ Karl-Hermann Reich steht am geografischen Nordpol – 90 Grad Nord. Er umfasst das gelbe Schild, lässt den Augenblick mit der Kamera festhalten und sieht doch weiter nichts, außer Eis und Wasser. Und an diesem Punkt der Erde, so gibt er am Rande eines Gesprächs ganz in Gedanken zu, sei ihm ein Gefühl der Unendlichkeit überkommen. Unwillkürlich werde es durch die unendlich scheinende blau-weiße Eisfläche vermittelt, die sich zu allen Seiten über Hunderte Kilometer erstreckt. „Da merkt man erst, wie klein man ist.“

Wie für andere Naturfreaks, Abenteuer-Reisende und Zeitgenossen mit einem ausgeprägten Neugierigkeitsgrad war die 14-tägige Expeditions-Seereise mit dem größten Eisbrecher der Welt zum Nordpol ein Traumziel, das gibt der Mellrichstädter Unternehmer unumwunden zu. Darf er sich doch jetzt – wie seine 125 Mitreisenden auch – zum sogenannten „Nordpol-Club“, einer der exklusivsten Reise-Gemeinschaften der Welt, zählen. Denn nur wenige Menschen, man spricht von etwa 5000, können von sich behaupten, am „großen Nagel“ gestanden zu haben.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Der Aufenthalt am Punkt 90 Grad Nord hat vier bis fünf Stunden gedauert, wobei die Passagiere von der Besatzung des atomgetriebenen Eisbrechers „50 Years of Victory“ zur Feier des Tages mit einem Barbecue auf dem Eis verwöhnt wurden. Das 150 Meter lange und 30 Meter breite Schiff ist 2008 mit einem rostfreien Stahleisgürtel über fünf Meter Breite gebaut worden und kann bis zu drei Meter dickes Packeis brechen. Es hat ein automatisches digitales Kontrollsystem und wird mit zwei nuklearen Reaktoren angetrieben, die eine Stärke von 75 000 PS erzeugen. Zu zwei Drittel wird das Schiff als Eisbrecher für die Tankerroute der Nordost-Passage eingesetzt.

Das Geheimnis Nordpol erklärt sich nicht zuletzt daraus, dass durch diesen Punkt alle Längengrade der Welt laufen. Nur wer hier oben – oder am Südpol – steht, kann die Erde in ein paar Schritten und in weniger als eine Minute umrunden. Hier gibt es auch keine „echte“ Zeit, denn es gelten alle Zeitzonen. Und Nacht wird es in der Arktis ja auch nicht.

Die Expedition zum nördlichsten Punkt der Welt hält für ganz Wagemutige auch den einen oder anderen Nervenkitzel bereit: So steht an Bord des Eisbrechers ein Hubschrauber zur Eiserkundung bereit. Wann immer es die Situation erlaubt, können Passagiere auf Wunsch im Helikopter mitfliegen – mit der einmaligen Chance auf spektakuläre Fotos bei der Ausschau nach arktischen Tieren, wie zum Beispiel Eisbären. Auch ein Heißluftballon, der im ewigen Eis verankert wird, kann gestartet werden, um die Arktis aus der Vogelperspektive zu erleben. Ein Aufstieg mit dem Heißluftballon aber wäre „eh nicht mein Ding gewesen“, gibt Karl-Hermann Reich ehrlich zu.

Auf der Rückreise durfte natürlich ein Landgang auf Franz-Josef-Land, dem Archipel am Rande des Packeises, mit der aufgelassenen russischen Forschungsstation aus dem Zweiten Weltkrieg nicht fehlen. In der Region und den umliegenden Gewässern leben Eisbären, Walrosse, Belugas, Polarfüchse, Robben und große Vogelkolonien.

Von welchem Ziel aber träumt der Mann, der von der Expedition Nordpol nur sagt: „Ich habe keine Minute dieser Seereise bereut.“ Karl-Hermann Reich überlegt kurz und lacht: ein Weltraumflug mit dem Touristen-Raumgleiter Space Ship Two in 110 Kilometern Höhe für einige Minuten Schwerelosigkeit. „Das wär's.“

Der Nordpol

Der geografische Nordpol wurde offiziell erstmals von einer amerikanischen Forschergruppe um Robert Edwin Peary und Matthew Henson am 6. April 1909 erreicht. Wissenschaftlich ist jedoch nicht gesichert, dass diese Gruppe den Pol auch tatsächlich fand. Erstmals nachweislich zu Fuß am Pol war Sir Walter William Herbert 1969.

Eisbrecher im Schlepptau: Mit dem Schiff „50 Years of Victory“ wagte Karl-Hermann Reich die Expeditions-Seereise an den Nordpol.
Eisbrecher im Schlepptau: Mit dem Schiff „50 Years of Victory“ wagte Karl-Hermann Reich die Expeditions-Seereise an den Nordpol. Foto: Reich

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