Irmelshausen

Kirmespredigt: Wenn Spatzen die Post annehmen

Der Zug der Kirmespaare mit den Musikanten lief durch Irmelshausen bis zur Milzgrundhalle. Foto: Regina Vossenkaul

(regi)   Angeführt von den Kirmesmusikanten zogen am Montag 17 Burschen und 12 Mädchen durch Irmelshausen zur Milzgrundhalle. Mit dabei waren der obligatorische Hahn und die langen Stangen, die für den traditionellen Gögerschlag gebraucht werden. Seit Freitag feierte Irmelshausen seine Kirmes, organisiert vom Burschenverein in enger Zusammenarbeit mit dem TSV.

Ein besonderes Kirchweih-Jahr begeht der Ort, denn vor 500 Jahren wurde die Irmelshäuser Kirche geweiht. Mit einem Alte-Herren-Fußballspiel, Musik und Tanz sowie den Ständchen von Haus zu Haus wurde zünftig gefeiert, am Montag erfolgte der Höhepunkt mit Gögerschlag und Kirchweihpredigt. Ein ganz besonderer Hahn, der laut seinen Unmut ausdrückte und somit seinen jeweiligen Standort verriet, war in diesem Jahr der "Sündenbock". Trotzdem gelang es einem der Mädchen, mit verbundenen Augen erst nach zahlreichen Fehlversuchen den Tontopf zu treffen. Der Hahn durfte wieder zurück auf den Hühnerhof, während die Zuschauer in die Milzgrundhalle zogen, um dort die von Manuel Landgraf gehaltene Predigt zu hören.

"Irmelshausen ist ein schönes Dorf, da lässt es sich prima leben, doch auch dieses Jahr brachten einige Ereignisse die Welt zum Beben." Mit diesen Worten leitete der Kirmesprediger seinen Überblick über das Weltgeschehen ein. 100 Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs gibt es immer noch viele Kriege auf der Welt, der Tod zahlreicher Zivilisten wird in Kauf genommen. Trumps Strafzölle und strikte Einwanderungspolitik, die Trennung der Kinder von ihren Eltern, sein Treffen mit Kim-Jong-Un und vieles mehr griff der Prediger auf. Das frühe WM-Aus der deutschen Fußballer, die Dieselfahrverbote und der Hambacher Forst, der dem Braunkohleabbau weichen sollte, wurden erwähnt. "König Markus I." musste Kritik einstecken, weil er mit "Bavaria One" gleich 700 Millionen Euro pulverisiert hat, "eigentlich wäre das Geld besser in Bildung, Migration und Wohnungsbau investiert", kommentierte der Prediger.

Anekdoten und Ereignisse aus Irmelshausen griff der Kirmesprediger auf, dazu gehörte die Weihe der evangelischen Kirche vor 500 Jahren, in einer der ersten protestantischen Gemeinden Bayerns. Die Kirche werde jetzt renoviert, auch die Kirchturmkugel erstrahle wieder in altem Glanz, berichtete Landgraf. Bürgermeisterwahl samt Nominierungsversammlungen, Kirchenvorstandswahl, Vandalismus in der Hennebergstraße, Bauarbeiten am Badesee und der 60. Geburtstag des Schützenvereins beschäftigten die Irmelshäuser.

Wer wird diesmal mit einer lustigen Begebenheit in der Kirmespredigt erwähnt? Obwohl die Namen nicht genannt wurden, wussten die Zuhörer schnell, um wen es sich handelt, wenn von einem Schreiner mit zwei Vegetarier-Söhnen die Rede ist. Im Briefkasten der Familie brütete ein Spatzenpärchen, das angeblich anfangs die Post entgegennahm. Der Schreiner baute schnell einen Zweitkasten, platzierte den aber so unglücklich, dass die Telefonleitung durchtrennt war. Folge: Er wartete vergeblich auf Anrufe von Gratulanten an seinem Geburtstag.

Dass Rauchmelder auch dann laut werden, wenn es nicht brennt, sondern der Ofen nicht richtig zieht, musste eine Irmelshäuser Familie lernen. Ein beim Fußball engagierter Opa und allgemeine Stimmungskanone feierte ausgiebig und wollte danach schon am Samstag im besten "Sonntagsanzügle" den Erntedankgottesdienst feiern, kein Wunder, dass seine Verwechslung in der Predigt landete. Zum zehnten Mal kam ein anderer Irmelshäuser mit einem seiner Missgeschicke vor, diesmal ging es um die Verwechslung von zwei Schotter-Bestellungen. Statt nach Exdorf fuhr der Mann nach Haina und wunderte sich über den hohen Preis.

Mit Applaus bedankten sich die Zuhörer für die gelungenen Reime - beim zweiten Teil in Mundart - von Pfarrerin Hofmann-Landgraf gab es zum Abschluss noch ein besonderes Dankeschön in Form von Rosen und "Klopfern" für den Burschenverein. Die Pfarrerin hatte auch gedichtet und bedankte sich für die Unterstützung bei der 500-Jahrfeier, die Burschen hatten beim Aufbau der Stände geholfen und den Getränkestand betreut.

Der Hahn durfte nach dem Gögerschlag wieder zurück auf den Hühnerhof. Foto: Regina Vossenkaul
Zigarren gehören dazu bei der traditionellen Kirmes in Irmelshausen. Foto: Regina Vossenkaul
Wer trifft den Topf? Die Mädchen versuchten ihr Glück mit verbundenen Augen. Foto: Regina Vossenkaul
Der Kirmesprediger Manuel Landgraf blickte auf besondere Ereignisse in der Welt, in Deutschland und in Irmelshausen zurück. Foto: Regina Vossenkaul

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