OSTHEIM

Klänge wie von einem anderem Stern

Unter der Leitung von Wanja Hlibka (vorne) setzte der Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff einen glanzvollen Schlusspunkt hinter die Jubiläumsfeiern des Männergesangvereins „Liedertafel 1843 Ostheim vor der Rhön” Foto: Tanja Heier

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, heißt es. Je älter jemand wird, umso dankbarer darf er zurückblicken. Dies gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Vereine. Wenn ein solcher sogar von sich behaupten kann, 175 Jahre überdauert zu haben, ist dies Grund genug, sich ganz besondere Gäste einzuladen.

Lange hatten die Verantwortlichen des Männergesangvereins „Liedertafel 1843 Ostheim vor der Rhön“ überlegt, mit welchen Glanzpunkten sie ihr Jubiläum begehen wollten. Nach dem Ehrenabend im März und einem Chorkonzert am Tanzberg bildete nun am Sonntagabend der Auftritt des Don-Kosaken-Chores Serge Jaroff den krönenden Abschluss. Die evangelische Kirche Sankt Michael war mit rund 300 Besuchern gut gefüllt, als die Gastgeber singend einzogen. Beim Kanon „Jubilate Deo“ kam bereits Feierlaune auf. Nach Verklingen des letzten Tones begrüßte Erhard Baumbach alle Anwesenden sowie zahlreiche Ehrengäste. Der Vorsitzende versprach einen außergewöhnlichen Genuss für Ohren und Sinne – womit er nicht übertrieben hatte.

Zunächst jedoch stimmte der Jubelchor Leonard Cohens „Hallelujah“ an. Nach der Darbietung von Bernd Stallmanns „Ehre sei Gott“ betraten die Don Kosaken den Altarraum. Sofort ließen die 13 Herren unter dem Dirigat Wanja Hlibkas das Gotteshaus mit „Credo“ erzittern. „Vater unser“ und „Herr erbarme dich“ folgten nicht minder ergreifend. Das Ensemble schien vollkommen in seinem Gesang aufzugehen. Hochkonzentriert, fast regungslos, brachten die Sänger Töne unterschiedlicher Höhen und Tiefen hervor, die sonst kaum jemand zu hören bekommt.

Beeindruckende Solopartien ließen jedes Stück zu einem Höhepunkt werden. Nach der Pause folgte dem christlichen der weltliche Teil. Die „Abendglocken“ erzeugten Gänsehautgefühle; „Kalinka“ hielt kaum noch jemanden auf den Sitzen. Im Kontrast zu den schnellen Kompositionen wussten die Don Kosaken besonders mit den ruhigen und getragenen Werken ihres Repertoires zu überzeugen. „Eintönig klingt hell das Glöckchen“ vermittelte Trost und Zuversicht. Mittlerweile musste das Ensemble bereits nach jedem Choral eine Zugabe anstimmen. Dies schien ohnehin die einzige Möglichkeit zu sein, den Applaus zu beenden. Bei „Ich bete an die Macht der Liebe“ konnten viele Damen nicht mehr an sich halten – Tränen der Rührung und Ergriffenheit brachen sich Bahn. Eifrig wurde nach Taschentüchern gesucht.

Erhard Baumbach hatte Recht, als er meinte, die Töne aus den Kehlen der Russen und Ukrainer seien Klänge wie von einem anderen Stern gewesen. Voller Freude bedankte sich der Vorsitzende bei den hochkarätigen Gästen sowie der eigenen Chorleiterin Monika Tengler. Diese schien äußerst zufrieden mit der Leistung ihres Laienchores. Die unzähligen Proben hatten sich gelohnt. Sicher ist es ein Traum vieler Sänger, einmal gemeinsam mit Profis aufzutreten. Dieser Wunsch sollte sich für den Männergesangverein Liedertafel nun erfüllen. Oft wird es nicht vorkommen, dass derart viele gestandene Herren auf das Kommando einer Frau hören. Aber an diesem Abend war ja alles etwas anders. Johannes Brahms' Wiegenlied „Guten Abend gute Nacht“ ließ die beiden Chöre unter dem Dirigat Monika Tenglers miteinander verschmelzen. Kompliment, Chapeau, besser kann man es nicht machen.

Mit den Worten „Auf Wiedersehen und Doswidanja“ verabschiedete sich ein strahlender Erhard Baumbach von seinem Publikum. Die meisten Besucher gingen schweigend und beseelt durch die Pforte des Gotteshauses.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Ostheim
  • Chorkonzerte
  • Chorleiterinnen
  • Choräle
  • Deodorant
  • Don Kosaken Chor Serge Jaroff
  • Evangelische Kirche
  • Johannes Brahms
  • Kirchliche Bauwerke
  • Komplimente
  • Trost
  • Wiegenlieder
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!