Bischofsheim

Klein, aber besonders: Rhönquellschnecke fühlt sich wohl in Bischofsheim

Auf den ersten Blick kaum als Schnecke auszumachen. Die Rhönquellschnecke ist zwei bis drei Millimeter groß. Foto: Marion Eckert

Sie ist klein und unscheinbar. Fällt dem Wanderer nicht auf. Doch sie ist eine ganz besondere Rarität: Die Rhönquellschnecke. Zwei bis drei Millimeter groß ist sie und tritt weltweit nur in der Rhön und im Vogelsberg auf. Sie steht auf der roten Liste, gilt als Eiszeitrelikt und ist ein Indikator für eine intakte Natur vor allem für eine hervorragende Wasserqualität. Wie der Name schon besagt, kommt die kleine Schnecke ausschließlich in Quellen vor. 20 Meter unterhalb einer Quelle ist sie schon nicht mehr zu finden.

Dass die Quellen in der Bischofsheimer Gemarkung ein wichtiger Standort für die Rhönquellschnecke ist, das konnte Eva Schubert vom Landesbund für Vogelschutz in ihrem Forschungsprojekt, das vom Landesamt für Umwelt finanziert wurde, zweifelsfrei nachweisen. Von 2017 bis 2019 untersuchte und beobachtete sie 109 Quellen im Stadtwald und Freiflächen, die im städtischen Eigentum sind.

Auch in Fladungen ist das kleine Tier unterwegs

In den Jahren 2015 und 2016 war sie bereits im Gebiet von Fladungen unterwegs, habe in Bischofsheim aber deutlich mehr Quellen aufgenommen. "Es sind aber bei weitem nicht alle Quellen, da ich mich nur auf städtischen Grund aufgehalten habe", sagte Schubert. In 67 Prozent der erfassten Quellen sei die Rhönquellschnecke vorgekommen. Bischofsheim weise damit eine ähnlich hohe Zahl wie Fladungen auf.

Auffällig sei, dass die Rhönquellschnecke in Wald- und Offenlandquellen vorkomme, solange diese möglichst naturnah erhalten bleiben. Sobald sie gefasst und als Tränken genutzt werden, verschlechtere sich der Zustand zusehends. Das bedeute nun nicht, dass die Tränken aufgegeben werden sollten. Aber es gebe Gestaltungsmöglichkeiten, sodass die ursprüngliche Quelle erhalten bleibe und damit der Lebensraum für diese besondere Schnecke.

Eva Schubert hat eine Rhönquellschnecke "gefangen" und zeigt das kleine Tierchen Bürgermeister Georg Seiffert (Zweiter von links) sowie den Herren von der Waldthausen'schen Forstverwaltung aus Gersfeld Revierförster Richard Schulze Frenking (links) und Daniel Walter (rechts). Foto: Marion Eckert

Seifert: Rhönquellschnecke muss geschützt werden

Im Wald seien weitaus mehr Quellen in natürlichem Zustand, die weder verbaut noch beeinträchtigt werden. Bürgermeister Georg Seiffert unterstützte die Forschung von Anfang an. "Ich wusste von der Rhönquellschnecke und dass sie eine schützenswerte Spezies ist, aber mir war zunächst nicht klar, wie häufig sie in unseren Quellen vorkommt", freute er sich über das Ergebnis.

Für ihn steht fest, dass die Rhönquellschnecke wo immer möglich geschützt werden müsse und so band er sogleich die zuständigen Revierförster Richard Schulze Frenking und Daniel Walter von der von Waldthausen'schen Forstverwaltung aus Gersfeld mit ein.

Maßnahmen zum Schutz der Quellen sollen ausgelotet werden

13 Quellen, die durch Holzabfuhr in Gefahr geraten könnten, zerstört oder zumindest beschädigt zu werden, haben die beiden Förster in einer Karte verzeichnet. Vor Ort werden sie in den nächsten Monaten schauen, welche Maßnahmen möglich sind, um ohne großen Aufwand die Quellen zu schützen.

Daniel Walter sprach vom Verlegen der Rückegassen wo es nötig und möglich sei, aber vom Zäunen und Markieren der Quellen, damit auch die Waldarbeiter informiert sind. "Größere forstliche Einschränkungen bringt die Rücksichtnahme auf den Lebensraum der Rhönquellschnecke nicht mit sich. Aber es sei es nötig zu wissen, wo sie sich befindet, um ein Durchfahren, Rücken und Schleifen des Holzes in diesem Bereichen zu vermeiden."

Rhönquellschnecke ernährt sich von Algen

82 Prozent der Quellen, die Eva Schubert untersuchte, stufte sie als natürliche Quellen ein. "Es ist extrem wichtig, diese naturnahen Quellen zu erhalten", freute sie sich über das Interesse und Engagement des Bürgermeister und der beiden Förster.

Beim Fototermin vor Ort hatte Eva Schubert auch sofort eine Rhönquellschnecke "gefangen". Wer nicht den Blick für die kleinen Tierchen geschult hat, würde sich sehr schwer tun. Aber auf einem Blatt zeigte sie eine kleine Schnecke und tatsächlich ist ein Mini-Schneckenhaus zu erkennen. Die Rhönquellschnecke ernährt sich von Algen, sie sich an Steinen absetzen. "In machen Quellen leben sie dicht an dich, in anderen muss man sie suchen."

Vorsicht ist geboten, um den Lebensraum der Schnecke nicht zu zerstören

Eva Schubert bittet um einen vorsichtigen und achtsamen Umgang mit den Quellen. Wohlmeinende "Verbesserungen" oder gar Reinigungen sollten besser unterbleiben, beziehungsweise bevor Privatpersonen, Vereine oder Gruppierungen tätig werden, sollten diese mit der Stadt Bischofsheim Kontakt aufnehmen.

Aus Unwissenheit und fehlender Sachkenntnis könne sonst ein Lebensraum der Rhönquellschnecke schnell zerstört werden. Auch wenn vieles zur Rhönquellschnecke noch nicht erforscht sei, bekannt sei, dass sie in Grundwasserklüfte wandert und daher eine unverbaute Quelle benötigt. Auf die Annahme, dass sie sich ins Grundwasser zurückziehen könnte, sei die Schlussfolgerung, dass es sich bei dieser Art um ein Eiszeitrelikt handelt, zurückzuführen.

"Es ist erfreulich, dass wir in der Rhön so sauberes, klares Wasser und eine so gute Wasserqualität haben", fasste Seiffert zusammen und sieht das Thema auch beim Biodiversitätszentrum künftig angesiedelt.

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