WILLMARS

Kleine Dorfkapelle trumpft groß auf

Die Musikkapelle Willmars beim Frühjahrskonzert in der Festhalle.FOTO: Tanja Heier
Die Musikkapelle Willmars beim Frühjahrskonzert in der Festhalle.FOTO: Tanja Heier Foto: Tanja Heier

Mit schöner Regelmäßigkeit beschert das Jahreskonzert dem Musikverein ein volles Haus und den Gästen gute Laune. Daher war es nicht verwunderlich, dass Vorsitzender Erich Straub am Samstagabend strahlte, als er die Besucher in der bis auf den letzten Platz besetzten Festhalle willkommen hieß. Die Kapelle habe fleißig geprobt und freue sich darauf, jetzt das Ergebnis präsentieren zu dürfen, versprach er. Straub hatte nicht übertrieben: Was nun folgte, konnte sich sehen, oder besser gesagt: hören lassen.

Nach den „Egerländer Sternen“, einem glanzvollen Konzertmarsch aus der Feder von Alexander Pfluger, kündigte Straub die Geschwister Eva-Maria, Annemarie und Johannes Stumpf als Moderatorentrio an. Diese Herausforderung meisterten die drei jungen Musiker souverän.

Untypischer Sound

Die Polka „Neue Wege“ begeisterte ebenso wie der eingangs gehörte Marsch. Es folgte ein für Blasorchester eher untypischer Sound. In „Free World Fantasy“ erzählte Komponist Jacob de Haans seinen Traum von einer Welt ohne Krieg. Dieses anspruchsvolle Werk verlangte den Musikern einiges ab, Dirigentin Daniela Wagner hatte die Messlatte hochgelegt. Weder sie noch das Publikum wurde enttäuscht.

Bei der „Bayerischen Polka“ glänzte Johannes Stumpf mit einem Posaunensolo, die „Bohemian Lovers“ wurden von Alexandra Stumpf am Tenorhorn und Tonja Müller an der Trompete getragen. Gerade in den romantischen Passagen entlockten die Damen ihren Instrumenten wunderschöne und sanfte Töne. Kontrastreich wurde anschließend das „Böhmische Fest“ gefeiert. Hierbei übertrugen die Musiker mit jedem einzelnen Ton die pure böhmische Lebensfreude in den Saal.

Um den Nachwuchs muss sich der Musikverein Willmars keine Sorgen machen. Dies bewies der nun folgende Auftritt der Jüngsten. Fröhlich und frech gaben die Kleinen eine Kostprobe ihres Könnens. Spätestens beim Schlussapplaus war auch der letzte Rest an Lampenfieber verschwunden und die Künstler strahlten mit Daniela Wagner um die Wette.

In Vertretung von Heike Dankert hatte sich Waltraud Kihn bereiterklärt, den Auftritt des Kirchenchors Filke/Willmars zu leiten. Mit der Aufforderung „Nimm dir Zeit zu leben“ regten die Sängerinnen und Sänger zunächst zum Nachdenken an, da der Text von den allseits bekannten Phänomenen Alltagsstress und Termindruck erzählte. Gleich darauf war jedoch mit den ersten Tönen des Liedes „Ich lobe meinen Gott“ alle Melancholie wie weggeblasen. Die positive Stimmung, die mit dem Gesang aufkam, verbreitete sich schnell, um sich bei der italienischen Volksweise „Tiritomba“ sogar noch zu steigern. Der Zeile „Wie schön ist doch diese Welt“ mochte an diesem Frühlingsabend niemand widersprechen.

Breites Repertoire

Nach der Pause gelang es dem Orchester tatsächlich, noch eine Schippe draufzulegen. Die Stückauswahl im zweiten Programmteil versprach jede Menge Abwechslung, das Repertoire ließ keine Wünsche offen. Aus Melodien von Johann Strauss bestand der „Einzug zum Opernball“, dargeboten in einer Bearbeitung von Franz Watz. Zum Augenschließen lud Moderator Johannes Stumpf bei „The Glory of Love“ ein. Emotional dargeboten und sauber gespielt von einer kleinen Dorfkapelle, die sich nicht zu verstecken braucht, war dieses Stück ein Höhepunkt im Programmverlauf.

Um absolute Stille wurde gebeten, als man sich gleich darauf an die Filmmusik zu „Der Pate“ wagte. Verstärkt durch ein geheimnisvoll anmutendes Trompetensolo, lag knisternde Spannung in der Luft.

Wer bei dieser Darbietung kaum zu Atmen gewagt hatte, der konnte sich bei „Daheim in Böhmen“ kurz entspannen. Sofort machte sich ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit breit. Erleichtert klatschte das Publikum mit, bevor es mit Rudi Fischers „Für Dich“ erneut aufwühlend anmutete. Aber was in Moll anfing, entwickelte sich schnell zu einem echten „Gute-Laune-Stück“.

Straubs Nachfolger in spe

Die Fans der Egerländer Blasmusik kamen bei der „Antonin-Polka“ einmal mehr auf ihre Kosten, bevor Moderator Johannes Stumpf bereits das Ende des Konzerts ankündigte. Zuvor allerdings gratulierte ihm Erich Straub zu der bestandenen D3-Prüfung in Gold, die der junge Mann im vergangenen Jahr beim Nordbayerischen Musikbund abgelegt hatte. Der Vorsitzende sieht in dem Talent bereits seinen potenziellen Nachfolger. Straubs Stellvertreterin Tonja Müller überreichte dem erfolgreichen Posaunisten ein Päckchen im Namen des Vereins.

Sein größtes Geschenk dürfte allerdings der Applaus der Zuhörer gewesen sein. Mit drei legendären Hits von Eric Clapton verabschiedeten sich die Musiker bei ihrem begeisterten Publikum.

Zweite Vorsitzende Tonja Müller gratulierte Johannes Stumpf zur D3-Prüfung in Gold.FOTO: Tanja Heier
Zweite Vorsitzende Tonja Müller gratulierte Johannes Stumpf zur D3-Prüfung in Gold.FOTO: Tanja Heier Foto: Tanja Heier
Sanfte Töne bei romatischen Passagen: Alexandra Stumpf am Tenorhorn.FOTO: Tanja Heier
Sanfte Töne bei romatischen Passagen: Alexandra Stumpf am Tenorhorn.FOTO: Tanja Heier Foto: Tanja Heier

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