Hendungen

Klimawandel: Wie der Wald von Morgen im Landkreis aussehen könnte

Das Bayerische Land- und Forstwirtschaftsministerium hat Empfehlungen für Baumarten entwickelt, die mit dem Klimawandel besser zurechtkommen. Auf einer Aufforstungsfläche bei Hendungen stellen der Abteilungsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Hubert Türich (von links), Hendungens Bürgermeister Florian Liening-Ewert und Amtsleiter Oliver Kröner Edelkastanien vor. Foto: Eckhard Heise

Die aktuellen Ereignisse haben die Blicke verschoben und den Klimawandel in den Hintergrund treten lassen. Doch er schreitet fort und der Kampf gegen die Symptome muss fortgesetzt werden. In den vergangenen zwei Jahren zeigten sie sich in gewaltigen Waldschäden. Eine Bilanz für die hiesige Region legte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vor, aber auch Empfehlungen, welche Baumarten mit den neuen Gegebenheiten am besten zurechtkommen.

Im Vorjahr fielen in seinem Zuständigkeitsbereich in den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen auf einer Schadensfläche von 250 Hektar rund 250 000 Festmeter Holz an. Für dieses Jahr geht Amtsleiter Oliver Kröner von einer Schadensfläche von 200 Hektar und knapp 200 000 Festmeter aus. Die Fichte, die sich in absehbarer Zeit wohl ganz aus der Region verabschieden werde, habe es am stärksten getroffen.

Auch den bisher als stabiler geltenden Arten setzen Trockenheit und Krankheiten zu

Die Folgen für die Holzwirtschaft seien hinlänglich bekannt: Ein Überangebot an minderwertigem Schadholz mit einem entsprechenden Preisverfall, so dass es sich im Grunde nicht lohne, kleinere Partien aus dem Wald zu holen. Das kann jedoch nicht zugelassen werden, weil die ohnehin schon gewaltige Borkenkäferausbreitung noch befeuert werden würde.

Zum Entsetzen der Forstleute seien aber inzwischen auch Baumarten betroffen, die die veränderten Umweltbedingungen noch relativ gut weggesteckt hatten. Besorgniserregend sei etwa die Entwicklung bei der Buche. Trockenheit und neue Krankheiten setzten jetzt auch den stabileren Arten zu, schildert Kröner. Die Folge sei eine große Verunsicherung bei Waldbesitzern, die nun ungeduldig fragen, wie es weitergehen soll. Eine Antwort gibt nun das Bayerische Land- und Forstwirtschaftsministerium mit seinen "Leitlinien für den Klimawandel".

Eine Broschüre zeigt alternative Baumarten auf, die auch hier gedeihen könnten

In der 16-seitigen Broschüre wird eine Auswahl geeigneter alternativer Baumarten vorgestellt, erklärt Kröner. "Einige haben wir im Zeichen des allgemeinen Waldumbaus schon länger auf dem Schirm, für andere liegen nur wenige Erfahrungen vor". Entsprechend ist der Katalog auch kategorisiert. Der Schwerpunkt der Empfehlungen liegt dabei auf heimische, aber bisher wenig verbreitete Arten. Bei der Auswahl werden außerdem verschiedene Faktoren des Anbaurisikos berücksichtigt, wie etwa Bodenart, Wasserhaushalt, spezifische Klimabedingungen. Darüber hinaus wurde ein Szenario entwickelt, wie die einzelnen Baumarten mit den Bedingungen im Jahr 2100 fertig werden. Im Allgemeinen scheint dabei das Risiko für Laubholz geringer zu sein.

Neben den heimischen Arten werden aber auch Alternativen aus anderen Ländern aufgeführt, die unter den hiesigen Bedingungen gedeihen könnten. Allerdings kann nicht auf entsprechende Erfahrungen zurückgegriffen werden und ungewiss sei, ob die ähnlichen Verhältnisse des Ursprungslandes tatsächlich übertragbar seien. Die Herkunft des Pflanzmaterials spiele auch eine Rolle. Um das Risiko zu verringern, sei eine Durchmischung der Arten empfehlenswert.

Die Gemeinde Hendungen zeigte sich im Gemeindewald experimentierfreudig

Vorbildlich habe sich die Gemeinde Hendungen in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren verhalten, fährt Kröners Mitarbeiter fort, Abteilungsleiter Hubert Türich. Der Schwerpunkt liege auf der Eiche, die auf dem Boden offensichtlich bestens gedeihe und bei den Wertholzversteigerungen immer wieder Höchstpreise erziele. Die Gemeinde sei aber auch experimentierfreudig, verdeutlicht Türich bei dem Ortstermin in einer Aufforstungsfläche im Hendunger Gemeindewald.

Zu sehen ist dort eine vielleicht ein Hektar große Fläche mit jungen Bäumen, die durch eine Kunststoffhülle geschützt sind. Auf dem Boden liegen vereinzelt kleine braune, stachelige Schalen: Maronen. Edelkastanien waren bisher in Regionen mit höheren Temperaturen beheimatet, gedeihen inzwischen aber auch im Norden Bayerns, erklärt Türich.

Maronen gediehen früher eher in südlicheren Regionen, jetzt haben sie auch in Rhön-Grabfeld eine Chance. Foto: Eckhard Heise

Ein Versuch mit Mammutbäumen war jedoch nicht so erfolgreich wie erhofft

Auch an eine exotische Baumart wagte sich die Gemeinde heran. Auf einer kleineren Fläche wurden Mammutbäume gesetzt. Doch in diesem Fall winkt Bürgermeister Florian Liening-Ewert ab. "Das Experiment war dann doch nicht so erfolgreich". Einige Bäume seien angegangen, doch der Ausfall sei erheblich gewesen. Auch wenn die Fröste geringer und weniger geworden sind, reichen sie aus, um der Baumart zu schaden.

Aber immerhin eignen sich solche Versuche als Anschauungsobjekte, fährt Kröner fort. Aus ähnlichen Gründen seien daher verteilt in ganz Bayern Praxisflächen mit unterschiedlichen Baumarten angelegt worden. Kröner empfiehlt den Waldbesitzern, sich vor allem bei forstlichen Beratern oder Revierförstern Rat zu holen. Diese kennen sich auch mit Förderprogrammen aus, denn im Augenblick gebe es recht großzügige finanzielle Unterstützung.

Letztlich legt der Amtsleiter den Waldbesitzern ans Herz, die Zeichen der Zeit zu akzeptieren. Der Regen der vergangenen Wochen habe zwar kurzfristig Entspannung gebracht, weil die obere Bodenschicht jetzt durchfeuchtet sei. Doch für einen nachhaltigen Aufbau des Grundwasserstocks hätten die bisherigen Mengen nicht ausgereicht.  

Solch eine Aufforstungsfläche lässt das Herz des Forstmanns schneller schlagen, bildet sie doch den Grundstock für den Wald von Morgen. Foto: Eckhard Heise

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