RHÖN

Knaier: „Das war keine Verkaufsveranstaltung“

Ein Blick vom Granitblockmeer des Lusen im Nationalpark Bayerischer Wald Richtung Rachel. Referenten aus Politik, Gastronomie, Tourismus und Verkehrswesen berichteten in Gerolzhofen, wie sich ein Nationalpark auf die Region auswirken kann.
Ein Blick vom Granitblockmeer des Lusen im Nationalpark Bayerischer Wald Richtung Rachel. Referenten aus Politik, Gastronomie, Tourismus und Verkehrswesen berichteten in Gerolzhofen, wie sich ein Nationalpark auf die Region auswirken kann. Foto: Fotos (3): Matthias Endriss

(che/top) Um sich ein eigenes Bild über einen Nationalpark zu machen, waren zahlreiche Bürgermeister und Ratsmitglieder aus den von einem möglichen Nationalpark Rhön betroffenen Kommunen in Rhön-Grabfeld mit Landrat Thomas Habermann zwei Tage im Bayerischen Wald unterwegs. Sie trafen sich dort mit Vertretern der Nationalparkleitung, Bürgermeistern, dem Landrat, einem Obmann des Bauernverbandes, Jagdvertretern und Vertretern der Waldbesitzergemeinschaft. Es sei eine sehr informative Fahrt gewesen, aus der man viele Erkenntnisse gezogen habe, lautete nach der Fahrt das allgemeine Resümee.

Das sieht auch Landrat Thomas Habermann so. Im Bayerischen Wald sei der Widerstand zunächst riesig gewesen, heute werde der Nationalpark weitgehend als eine „gute Sache“ gesehen. Als Beispiel führte er Gespräche mit privaten Waldbesitzern an.

Bessere Holzpreise

„Die erhalten jetzt bessere Preise für ihr Holz“, berichtet auch Oberelsbach Bürgermeisterin Birgit Erb von dem Gedankenaustausch. Sie hatte die Fahrt als Kreisvorsitzende des Bayerischen Gemeindetags mitorganisiert. Es sei ein sehr gemischtes Teilnehmerfeld gewesen, daher seien auch Fragen aus den verschiedensten Sparten erarbeitet worden. Und: Es habe durchaus kritische Stimmen zu hören gegeben. Für Erb war besonders interessant, wie positiv sich das Landschaftsbild im Bayerischen Wald nach dem Borkenkäfer-Befall, wie unkompliziert das Thema Jagd sich entwickelt haben und wie problemlos der Nationalpark inzwischen auch bei den Landwirten angenommen werde.

Keine Kaffeefahrt

Auch Bürgermeister Richard Knaier aus Niederlauer stellte in der gemeinsamen Gemeinderatsitzung mit Hohenroth fest, dass es eine sehr aufgeschlossene Information gewesen sei: „Es war keine Kaffeefahrt und keine Verkaufsveranstaltung“.

Hohenroths Bürgermeister Georg Straub berichtete in der Sitzung von einer strikten Nationalpark-Kritikerin, die sich jetzt in eine große Befürworterin gewandelt habe. Diese Bürgermeisterin habe sich mit den Leiter der Verwaltung nicht verstanden. Alles sei sehr zäh verlaufen. Seit jedoch ein neuer Mann an der Spitze des Nationalparks stehe, sei alles ganz anders. Verhandlung und Gespräche verliefen positiv. „Nutzt die Chance, wenn ihr die Möglichkeit habt“, habe sie Straub und Knaier aufgefordert. Begeistert erzählte Straub zudem von den Schülern, die er im Natur-Camp getroffen habe: „Es war eine sechste Klasse des dortigen Gymnasiums. Sie waren alle Feuer und Flamme für das Camp im Nationalpark.“

Straub: Querfeldeinlaufen ist durchaus möglich

Knaier berichtete darüber, dass man zurzeit nicht alle Wege betreten dürfe. „Bis 15. Juli noch brütet das Auerhuhn. Bis dahin sind kleine Wegstrecken teilweise gesperrt.“ Die Rhöner Besuchergruppe sei aber durchaus abseits der Wege gelaufen, um sich den Wald genauer anzusehen, sagte Straub weiter. „Es war sehr schön dort und man darf dort auch querfeldein laufen.“

Mehrfach sei ihnen gegenüber geäußert worden, dass die Marke Nationalpark sehr hoch bewertet wird, unter Urlaubern und Einheimischen. Entscheidend sei, darauf habe ein Bürgermeister seinen Amtskollegen Straub hingewiesen, dass jede Gemeinde eigene Ideen und Zielsetzungen entwickelt. „Wir können dann Forderungen stellen“, betonte der Hohenröther Bürgermeister.

Unglaubliche Befürchtungen

Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert berichtete seinem Stadtrat von zwei besonderen Eindrücken. So habe der Bauernobmann aus dem Bayerischen Wald die Rhöner aufgefordert, ihre Landwirte endlich richtig über einen Nationalpark zu informieren. Bei ihm würden ständig Nachfragen von Rhöner Landwirten eingehen, die die unglaublichsten Befürchtungen wegen eines Nationalparks äußerten. Die Rhöner, so bat er seine Gäste, sollten darüber aufgeklärt werden, dass es keine Enteignungen oder Probleme beim Holzeinschlag gebe. Auch das Thema Wildschadensausgleich funktioniere im Nationalpark besser als andernorts.

Wie seinen Hohenrother Kollegen hat Seiffert das Gespräch mit der ehemaligen Gegnerin und heutigen Bürgermeisterin im Nationalpark beeindruckt. Auf die Frage, ob die Rhön in die Konzeptphase gehen soll, habe sie geantwortet habe, das sei keine Frage, sondern eine Verpflichtung für die Verantwortlichen, die eine Region voranbringen wollten. Man müsse in der Rhön kritisch sein, sich das Angebot genau anschauen und das Beste herausholen.

Diskussionen waren ehrlich und aufrichtig

Ein wichtiger Aspekt war auch für Manfred Markert aus dem Bischofsheimer Stadtrat der Eindruck, dass man den Rhönern im Bayerischen Wald keinen Nationalpark „aufschwatzen“ wollte. Man sehe dort einen dritten Nationalpark sogar eher als mögliche Konkurrenz. Das bestätigten auch seine Stadtratskollegen Jörg Rösser, und Joachim Schmidt, die die Diskussionen als „sehr ehrlich und aufrichtig“ bezeichneten.

Schmidt, der sich vor allem in landwirtschaftlicher Hinsicht informierte, zeigte sich überrascht von der geringen Arbeitslosigkeit, die in der Grenzregion Bayerischer Wald gerade einmal 2,2 Prozent betrage. Dort gehe etwas voran. Bäcker, Metzger und Gastronomie gebe es dort noch in den Dörfern und die lebten unter anderem durch den Nationalpark-Tourismus.

Sandbergs Bürgermeisterin Sonja Reubelt wollte sich noch nicht über ihre Eindrücke der Fahrt äußern. Sie möchte darüber zunächst ihren Gemeinderat informieren. Schönaus Bürgermeister Rudi Zehe, war am Mittwoch nicht zu erreichen.

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