Unterelsbach

Kulissenbau: Wo der Mond noch echte Handarbeit ist

Da dreht und bewegt sich was: Jahr für Jahr sorgen die Bühnenbauer in Unterelsbach für ein gigantisches Bühnenbild zu den Unterelsbacher Büttenabenden. Das Bild zeigt (v. l.) Franz Katzenberger, Markus Handwerker, Gottfried Handwerker, Dieter Martin, Bernhard Englert und Christop... Foto: Marc Huter

Ein gewaltiges Riesenrad, eine dampfende Eisenbahn, eine sich drehende Windmühle, ein schaukelnder Mond, ein massives Scheunentor, ein großes Schiff mit Nebelhorn oder auch ein UFO, das sich im Landeanflug befindet: In Unterelsbach ist der Fasching neben seinen närrischen Darbietungen vor allem für sein imposantes Bühnenbild bekannt. Und das macht in jedem Jahr gewaltig Arbeit.

„Wenn sich etwas dreht oder bewegt, ist das immer schünner“, erklärt Dieter Martin, seit 34 Jahren der Kopf des Bühnenbauer- und Technik-Teams der Ünnerälsber Fosenöchter, der Faschingsabteilung des TSV Unterelsbach. Wochenlang sind die Bühnenbauer für die Büttenabebnde in der Rhönhalle im Einsatz. Bis ins kleinste Detail wird am Bühnenbild gearbeitet und ihm der letzte Schliff gegeben. „Es ist jedes Jahr eine Herausforderung. Aber eine, die viel Spaß macht“, schmunzelt Gottfried Handwerker, der dienstälteste Elektriker im Team.

Dorfbewohner aufs Korn genommen

Angefangen hat alles mit lustigen Stücken bei der Fußballer-Weihnachtsfeier vor 35 Jahren, bei denen auch Dorfbewohner aufs Korn genommen wurden. Relativ schnell wurden die Büttenabende aufgrund des riesigen Interesses in die Rhönhalle verlegt. „Angefangen haben wir mit einem Handmikrophon“, kann sich Gottfried Handwerker erinnern. Anfang der Neunziger wurden Funkmikrofone genutzt, die der damalige Conferencier Paul Stumpf stets in Würzburg besorgte. „Allerdings haben wir da immer einen halben Tag repariert, bis sie gegangen sind“, schmunzelt Gottfried Handwerker. 

So sind im diesjährigen Bühnenbild insgesamt 40 Lichter verbaut, allein 15 davon in der Bühnenkulisse. Sieben Mikrofone mit Headset sind im Einsatz. Dazu ein Motor mit Lichtschranke, der von jeder Position aus gesteuert werden kann, ein Frequenzumrichter für die Motorsteuerung sowie eine speicherprogrammierbare Steuerungsanlage. „In diesem Jahr haben wir bereits 500 Befehle eingespeichert“, erklärt Lichttechniker Markus Handwerker, der zusammen mit Christoph Hergenhan und Hendrik Schiefhauer zum Elektrik-Team gehört. Steffen Räder sitzt am Mischpult und kümmert sich darum, dass die eingespielte Musik auf den Punkt geschnitten wird. Und in gewisser Zeit zählt auch Stefan Hippeli dazu, der Jahr für Jahr einen tollen Film über die Büttenabende vor und hinter den Kulissen dreht.

Monatelang wird am Bühnenbild gewerkelt

Unabhängig davon werkeln schon Monate vorher Dieter Martin und Bernhard Englert am Bühnenbild. Aufregende Zeiten haben auch schon die Bühnenbauer hinter sich. „Früher haben wir noch massiv gebaut“, schmunzelt Bernhard Englert und denkt dabei zum Beispiel an das gewaltige Scheunentor, welches auf der Bühne auf- und zuging. Heute werde das meiste mit Karton gemacht. Rund 100 Quadratmeter Karton wurden beim diesjährigen Bühnenbild verbaut und sechs Kilogramm Heißklebestifte verbraucht. Dazu jede Menge Farbe.

Früher haben wir noch massiv gebaut
Bühnenbauer Bernhard Englert

In den letzten Jahren wagen sich die Bühnenbauer auch an die Darstellung von Figuren heran, zum Beispiel die Fosennöchter oder einen „Oberelsbacher“. „Wir bauen mittlerweile dreidimensional“, erklärt Dieter Martin, der sich von Anbeginn auch für die Herstellung der Faschingsorden verantwortlich zeigt.

Technik, die es in sich hat: 40 Lichter und ein Motor mit Lichtschranke sind auf der Unterelsbacher Bühne verbaut. Dazu ... Foto: Marc Huter

„Besonders fasziniert mich an der Geschichte, dass jeder selbständig und unabhängig voneinander arbeitet und dann alles zusammenpasst“, zeigt sich Bernhard Englert stolz. „Ich bin wirklich stolz, ein solches Team zu haben. Ohne die würde es nicht gehen“, freut sich der Leiter der Faschingsabteilung und Conferencier Dietmar Hesselbach.

Da darf auch der eine oder andere Spaß nicht fehlen. So versorgen sich die Elektriker auf der Bühne seit geraumer Zeit mit einer kleinen Küche selbst. Oder sie veranstalten „Themenabende“ am Mischpult und der Lichtmaschine: vom „italienischen Abend“ über den „Hausschnaps-Abend“ bis zum „Caipirinha-Abend“.

Nach dem zweiten Bier kommen uns die Ideen
Markus Handwerker

„Es macht riesigen Spaß bei uns“, erklärt Gottfried Handwerker, der auch nicht unerwähnt ließ, dass man für das Technik-Team entsprechenden Nachwuchs sucht.

Die Elektroinstallation für den Unterelsbacher Fasching ist aufwändig. Foto: Marc Huter

Los geht die Planung für Thema und Bühne meist Ende September. „Nach dem zweiten Bier kommen uns immer die Ideen“, berichtet Markus Handwerker. „Das entsteht so peu à peu“, erklärt Christoph Hergenhan. Baubeginn ist dann meist kurz nach Weihnachten. „Da kam es auch schon vor, dass wir ein Teil des Bühnenbilds wieder abgerissen haben, weil es uns nicht gefallen hat.“

Geheimnisvolles Bauobjekt

Das Ziel ist, dass zwei Wochen vor dem Büttenabend so gut wie alles steht und verbaut ist – auch die Elektrik. Und dann kommen die Sonderwünsche. Die Augen der dargestellten Wölfe sollen plötzlich rot leuchten. Oder die Akteure benötigen bestimmte Requisiten, für die sie die Bühnenbauer gerne anfragen.

Auch dieses Jahr wird es wieder ein beeindruckendes Bühnenbild geben, wo sich wieder kräftig etwas bewegt. „Miä senn of Droähd!“ heißt das Motto. Im Mittelpunkt des Bühnenbildes wird ein derzeit in Bad Neustadt und Würzburg heftig diskutiertes, sich bewegendes Bauwerk stehen. Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

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