MÜHLFELD

„La vie en rose“ und ein Koffer in Berlin

„Café de la mer“ im Schloss Wolzogen: Die Gruppe besteht aus (von links) Gerd Semle, Sopranistin Nicole Schömig, Dirk Schade und Werner Küspert.
„Café de la mer“ im Schloss Wolzogen: Die Gruppe besteht aus (von links) Gerd Semle, Sopranistin Nicole Schömig, Dirk Schade und Werner Küspert. Foto: Fred Rautenberg

Wer unterhaltsam-schmeichelnde Musikstücke erwartet hatte, war beim jüngsten Konzert im Schloss Wolzogen fehl am Platz. Zu hören gab es bekannte Stücke, aber mit einem anderen Arrangement, „als man es schon tausendmal gehört hat“.

Nein, ein gefühlselig-sentimentales Eintauchen in wonnigliche Melodienwolken, das verweigerten die vier Künstler dem Publikum, obwohl sie sich den Sehnsucht weckenden Namen „Café de la mer“ gegeben hatten. Und doch applaudierten die Besucher am Ende begeistert. Denn die Musiker spielten Unterhaltungsmusik in einer frischen Konzeption und mit einem ganz eigenen Interpretationswillen. Modern klang alles, was man vom Titel der Stücke her eher als Oldies aus den 30er bis 70er Jahren einstufen musste. Modern, weil verschiedene Stilrichtungen sich mischten: Jazz, Swing, Rock udn Funk verbanden sich mit Valse Musette, Bossa Nova, argentinischem Tango, französischem Chanson, Revueliedern, Filmmusik, Pop und Schlager, ja sogar mit dem deutschem Volkslied.

Im Zentrum der Darbietungen stand Sopranistin Nicole Schömig, die schon mehrfach die Zuhörer im Schloss beeindruckt hat. Sie überzeugte auch diesmal im Genre des internationalen Chansons. Besonders der Musette-Walzer und das Chanson a la Édith Piaf lagen ihr. Doch auch die drei Instrumentalisten, der humorvoll gestimmte Moderator Gerd Semle mit dem Akkordeon, Werner Küspert mit der E-Gitarre und Dirk Schade am Kontrabass, erwiesen sich als Meister ihres Fachs und gaben den vorgetragenen Stücken die interpretatorisch gewollte Richtung.

Michaela Drescher vom Verein „Aktives Mellrichstadt“ hatte die Künstler vorgestellt und sich beim Publikum für die ausgefallene Heizung im Konzertsaal entschuldigt. Den Besuchern konnte es warm werden beim Zuhören und Applaudieren. Das erste Chanson „La sociere“ („Die Hexe“) spielten die Instrumentalisten noch allein. Beim zweiten Stück trat Nicole Schömig erstmals mit „C?est si bon“ an das Mikrofon, dem das moderne Chanson „Sympathique“ folgte. „Sous le ciel de Paris“ war ein Piaf-Stück, mit schnellem Tempo vorgetragen, gefolgt von „A French Touch“. Mit „Dindi“ von Antonio Carlos Jobim wechselte das Programm in einen Bossa Nova, mit „Les feuilles mortes“ ging es zurück zum Chanson. Der Jazz-Song „Blue Skies“ von Irving Berlin war nicht nur in seiner Entstehungszeit ein Erfolg, sondern auch in der Interpretation von Nicole Schömig. „La mer“ von Charles Trénet meisterte die Sängerin mit spielerischer Leichtigkeit auch in den hohen Lagen.

Der zweite Teil begann mit dem meditativen „Mésange bleue“ („Blaumeise“); dann wurde es kubanisch mit „Quizas“, für das die Sängerin besonders viel Beifall erhielt. Nur Akkordeon und Bass spielten dann mit absoluter Zurückhaltung das Motiv aus „Der Pate“, bei dem Gerd Semle das Kunststück fertig brachte, aus seinem Akkordeon schleifende Töne in Glissando-Art zu erzeugen. „Waltz for Nicky“ war ein weiteres Chanson von Charles Trénet, dem sich das berühmte „La vie en rose“ der Piaf anschloss. Überraschend dann das in den 60er Jahren beliebt gewordene Lied der Marlene Dietrich „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“, mit dem das Programm endete. Doch es gab zwei Zugaben: „Hymne a l?amour“ von der Piaf, und, noch einmal eine Überraschung, „Ade zur guten Nacht“.

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