Bad Neustadt

Landrat Habermann strebt erneute Amtszeit an

Kandidiert noch einmal für das Amt des Landrats bei der Kommunalwahl 2020: Landrat Thomas Habermann. Foto: Stefan Kritzer

Er will es noch einmal wissen. Bei der Kommunalwahl 2020 tritt Thomas Habermann ein weiteres Mal für das Amt des Landrates des Landkreises Rhön-Grabfeld an. Im kommenden Jahr steht er im 63. Lebensjahr und es wäre seine vierte Amtszeit seit dem Amtsantritt im Jahre 2003. Im Interview erklärt Habermann, was ihn zu einer erneuten Kandidatur bewegt hat.

Frage: Herr Landrat, Sie müssen bei der nächsten Wahl nicht, Sie wollen aber noch einmal Landrat des Landkreises Rhön-Grabfeld werden. Werden Ihnen weitere sechs aufopferungsvolle Jahre nicht zu viel?

Thomas Habermann: Natürlich habe ich mir in den vergangenen Monaten viele Gedanken über eine weitere Amtszeit gemacht. Die Überlegung war, ob ich auch in den nächsten Jahren noch genügend Kraft und Dynamik habe, den Landkreis mit Stärke in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Habe ich weiterhin solche Freude am Amt, die viele andere in einem großen Netzwerk motiviert? Kann ich mich noch in die Denke der jungen Generation hineinversetzen, verstehe ich noch ihre Sprache? Hält der Elan an, den Landkreis jeden Tag von Neuem zu denken? Diese Fragen habe ich nach selbstkritischer Überlegung mit "Ja" beantwortet nach einigen ernsthaften Gesprächen mit meiner Familie und mit Freunden.

Begrüßt Ihre Familie eine erneute Kandidatur oder hätte sie gerne mehr vom Familienmenschen Thomas Habermann?

Habermann: Sich noch einmal zur Wahl zu stellen, ist natürlich auch eine Familienentscheidung. So etwas lässt sich nicht an einem Samstagvormittag mal schnell im Familienrat diskutieren. Es waren ernsthafte gemeinsame Überlegungen über einen längeren Zeitraum und meine Familie hat mir signalisiert: Wir unterstützen Dich gerne, wenn du selbst noch einmal kandidieren willst.

Haben Sie persönlich lange für diese Entscheidung gebraucht?

Habermann: Eigentlich nicht. Die Entscheidung stand für mich nicht Spitz auf Knopf. Es war einfach ein innerer Meinungsbildungsprozess. Ich habe das Für und Wider abgewogen, aber letztlich stand die Entscheidung bald fest. Das einzige, über das ich immer wieder nachgedacht habe, sind die Entbehrungen, die man in der Ausübung eines solchen Amtes auch hinnehmen muss. Zeit für die Familie kann ich eigentlich genug aufbringen, aber ich hätte gerne mehr Zeit für Freunde und Verwandte, für die private Kontaktpflege.

Was macht Ihnen nach wie vor am meisten Spaß in Ihrer Arbeit als Landrat?

Habermann: Es ist die Vielseitigkeit des Amtes, dieses unglaubliche Spektrum an Themen. Es sind die Begegnungen und die Zusammenarbeit mit Menschen, die praktische Lösung von Problemen der Mitmenschen, das gibt mir selbst die größte Befriedigung. Das schönste am Amt des Landrates ist, dass man die eigene Heimat in vielfältiger Art und Weise mitgestalten und dass man Menschen vor Ort praktisch weiterhelfen kann. Das Mitwirken bei der Entwicklung der eigenen Heimat, der Rhön und des Grabfelds, ganz Unterfrankens und Bayerns macht wirklich viel Freude. Es ist etwas Großartiges, hier dabei sein zu dürfen.

Steigen Ihnen die vielen Termine, Aufgaben und Anforderungen auch mal über den Kopf?

Habermann: Das habe ich bislang nicht erlebt. Ich habe viel Arbeit, das ist unbestritten. Aber ich habe keinen Stress damit. Stress ist ein Zeichen von Überforderung und das habe ich in den letzten Jahren nicht erlebt. Das liegt auch daran, dass man sich als Landrat als Teamplayer verstehen muss. Das Wichtigste sind sehr gute Mitarbeiter, aufgeschlossene und kreative Mitbürger und die hervorragende Vernetzung mit vielen anderen Akteuren in unserem Land. Der Trainer allein kann nicht aufsteigen, wenn die Spieler sich nicht verbessern. Und unsere ganze Mannschaft in unserer Heimat hat sich enorm positiv entwickelt.

Welche Ziele, Projekte wollen Sie unbedingt weiter verfolgen?

Habermann: Das Selbstbewusstsein der Bevölkerung in unserer Heimat darf weiter anwachsen. Damit meine ich nicht Arroganz! Aber es schadet auf keinen Fall, wenn die Menschen noch mehr wissen und noch mehr können und sich dessen auch bewusst sind. An unserem Image müssen wir ebenfalls weiter arbeiten, nach innen und nach außen, obwohl sich hier schon viel getan hat. Der Landkreis hat heute ein ganz anderes Image als noch vor zehn Jahren.

Wir müssen weiter an der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse im Landkreis arbeiten. Das ist bei der starken Stellung der Kreisstadt Bad Neustadt keine leichte Aufgabe. Ich bin froh, dass wir eine sehr starke Kreisstadt haben, alle anderen Städte und Gemeinden müssen aber mitwachsen, der Landrat und das Landratsamt können hier entscheidende Unterstützung leisten.

Am Herzen liegt mir für die kommenden Jahre vor allem ein neues Mobilitätskonzept im Landkreis. Der ÖPNV im ganzen Landkreis muss dem S- bzw. U-Bahnnetz eines Ballungsraums entsprechen. Wir brauchen eine Vertaktung und Zuverlässigkeit, die keinen Fahrplan mehr erfordert. Menschen über 65 Jahre sollten öffentliche Verkehrsmittel kostenfrei benutzen können. Hier liegen vielleicht die größten Herausforderungen in der Binnenstruktur des Landkreises.

Für Familien braucht es bessere Angebote, es fehlen zum Beispiel eine Vielzahl von Tagesmüttern. Es braucht flexible Unterstützung in unseren Gemeinden zur Verbesserung der Vereinbarung von Familie und Beruf. Die ärztliche Versorgung muss sichergestellt bleiben.

Das Bildungs- und Kulturangebot ist schon sehr gut, muss aber weiter wachsen. Wir brauchen nicht nur Vollbeschäftigung, sondern moderne, zukunftssichere Arbeitsplätze. Und wir brauchen viel mehr an Ökologie. Das Volksbegehren "Artenvielfalt" hat das gezeigt. Von einer gesunden Umwelt müssen alle profitieren, auch die Landwirtschaft muss hier zum Gewinner werden.

Was wünschen Sie sich persönlich für eine mögliche weitere Amtszeit als Landrat?

Habermann: Ich wünsche mir, dass unsere Mitbürger in unserem Landkreis, in unserer Heimat eine zufriedene und glückliche Gegenwart und Zukunft haben. Ich wünsche mir, dass wir dies durch gemeinsame Anstrengungen in einem großen Netzwerk mit allen Mitbürgern erreichen. Ich danke in diesem Zusammenhang allen für das unglaubliche ehrenamtliche und freiwillige Engagement in allen gesellschaftlichen Bereichen. Eine gesunde Gesellschaft braucht aufgeschlossene, engagierte und kritische Bürger in allen Generationen. Und ich wünsche mir auch einen bunt aufgestellten Kreistag, der in guter Streitkultur, kritisch aber zielorientiert, kompromissbereit und in guter Atmosphäre dennoch entschieden um die besten Lösungen für unsere Heimat ringt.

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