Bad Neustadt

Laster der Insolvenzmasse entzogen

Weil ein 54-jähriger Fuhrunternehmer aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld einen Lkw mit Anhänger nicht an den Insolvenzverwalter herausgegeben hatte, musste er sich vor der Strafrichterin am Amtsgericht wegen Verstrickungsbruch verantworten.

Das Insolvenzverfahren gegen den selbstständigen Angeklagten war im Juni 2017 eröffnet worden. Auch der fragliche Lkw gehörte in die Insolvenzmasse, aber mit verschiedenen Argumenten verhinderte der mehrfach Aufgeforderte den Zugriff darauf. Im Verlauf der Gerichtsverhandlung gab er sogar an, dass er schon bei anderen Insolvenzverfahren erlebt habe, dass alles weggenommen würde, das habe er mit seinem Lkw umgehen wollen.

Nachdem sein Betrieb im September 2017 ohne Widerspruch stillgelegt worden war, arbeitete er zunächst eine kurze Zeit im Angestelltenverhältnis, dann verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Transportfahrten, die er mit besagtem Lkw durchführte. Dem Insolvenzverwalter teilte er aber weder die Höhe seiner Einnahmen noch die Verdienstquelle mit.

So wurde der Beschuldigte im September dieses Jahres nach Schweinfurt ans Gericht geladen, zeitgleich erfolgte die Beschlagnahmung des Lkws auf seinem Anwesen - nur der Schlüssel fehlte. Danach befragt, antwortete der Angeklagte wiederum mit Ausreden. Als er allerdings seinen Schlüsselbund auf den Tisch legte, fand sich daran das zum Lkw passende Exemplar.

Auch wenn der 54-Jährige es als ungerecht empfand, dass er ohne Laster nun keine Verdienstmöglichkeit mehr habe, machte ihm der als Zeuge geladene Insolvenzverwalter unmissverständlich klar, dass er das Fahrzeug nicht herausgeben, sondern in der Insolvenzmasse verwenden werde.

Da die Staatsanwältin den Verstrickungsbruch als erwiesen ansah, forderte sie eine fünfmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Dabei wurde berücksichtigt, dass der Beschuldigte bereits fünf, teilweise einschlägige Vorstrafen hatte, er zur Tatzeit unter offener Bewährung stand und sich vor Gericht dreist und uneinsichtig gezeigt hatte. Der nicht anwaltlich vertretene Angeklagte wollte einen Freispruch, da er lediglich ums Überleben kämpfe.

Nur mit "Bauchschmerzen" setzte die Vorsitzende Richterin die fünfmonatige Freiheitsstrafe dann für drei Jahre zur Bewährung aus. Dazu bewogen hatten sie der positive Verlauf der vorangegangenen Bewährung und die Tatsache, dass der Mann in einem Familienverbund lebt. Zu leisten hat er außerdem 120 Arbeitsstunden.

Direkt nach dem Urteilsspruch kündigte der Verurteilte an, dass er in Berufung gehen werde.

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