Wülfershausen

Leserforum: Saaleverlegung macht Saaler Umgehung günstiger

Nach der Umstufung der Umgehung Saal im BVWAP von Ausbaustufe 3 in Stufe 1 fand 2017 im Herbst ein erster Termin in Saal statt. Bei dieser Besprechung des Bauamtes Schweinfurt in Saal stellte es alle vorhandenen und gewünschten Umgehungsmöglichkeiten vor, auch die zwei Trassen, die das Bauamt unter Federführung eines Grabfeldbürgers 1968/69, nicht 1957, wie fälschlich berichtet, konzipieren ließ:

Es waren zwei Trassen nördlich und südlich des Findelberges in Saal, die als einzige heute noch baufrei sind und nach jetziger geländemäßiger Prüfung und trassierungstechnischer Wertung vom Bauamt am 18.07.2019 in Saal beide als Umgehung des Ortes vorgestellt wurden.

Beide Linien liegen im Überschwemmungsgebiet der Fränkischen Saale, so dass sie zusätzliche Baumaßnahmen wie Flutbrücken oder Flussbett-verlegungen erfordern, was kein Nachteil sein muss. Damals 1949 hat die Gemeinde Saal unter Bürgermeister Otto Ebner und mit Zustimmung aller Geschäftsleute diese beiden Führungen kategorisch abgelehnt. Das war ein Affront!

Danach erfolgte 40 Jahre lang im BVWAP kein Eintrag mehr für eine Umgehung Saal. Das war ein großer Fehler, was beim Bau der A71 zu Tage trat: Es wurde damals kein Autobahnzubringer „Ost“ und dazu also keine Umgehung Saal gebaut. Heute ist sie dringend notwendig! 

Bürger aus Wülfershausen waren es, die wegen der Verkehrszunahme auf der B279 und in Saal nach Eröffnung der A71 im Jahre 2007 einen ersten Leserbrief schrieben, um die Saaler anzuspornen, Schritte gegen den chaotischen Verkehr in der OD Saal zu unternehmen.

Denn Saal hatte lange geschlafen! Die Bios in Saal machte 2012 einige Veranstaltungen, erreichte aber mit der Abgeordneten Bär zusammen nur, dass eine Umgehung Saal im neuen BVWAP einzig mit Maroldsweisach zusammen in Ausbaustufe 3 eingegliedert wurden. Wiederum ein couragierter Bürger Wülfershausens erreichte dann in einem mutigen Brief an das Verkehrsministerium in Berlin, dass die Umgehung Saals nun doch in Ausbaustufe 1 mit Bau in 5 Jahren landete. Dies verdiente eigentlich, lieber Briefschreiber aus Saal, nicht Schimpfe, sondern Lob!

Nachdem 2017 das Bauamt berichtet hatte, dass nur die 1968/69 erstellten Umgehungslinien als Umgehung in Frage kommen, suchte sich Saal damals ohne genaue Kenntnis der beiden Trassen die nördlich des Findelbergs verlaufende Führung ohne Rücksicht auf die Nachbargemeinde Wülfers-hausen aus, obwohl diese bautechnisch noch nicht bewertet waren.

Das Bauamt gestattete dies ohne Widerspruch, was ein Verstoß gegen die Neutralitätspflicht war. Nach Anmahnung der Wülfershäuser stellte das Bauamt am 18.07.2019 in Saal dann die lage- und höhenmäßig bewerteten Trassen beide vor, wobei die nördlich des Findelberges verlaufende Trasse vom Bauamt als „vorrangig“ und die südliche als „weniger vorrangig“ deklariert wurde.

Die von Saal gewünschte Linie i. Z. der B279 nähert sich so der Alt- und Neubebauung Wülfershausens auf nur noch 700 m und berieselt den Ort dauerhaft von früh um 6.00 h bis abends um 22.00 h mit Dauerlärm von 9 – 10.000 Kfz/24 h, wo dieser Bundesstraßenlärm heute in 1500 m an Wülfershausen vorbeifährt.

Dies kann Wülfershausen so nicht hinnehmen! Das Bauamt nennt diesen Lärm als zumutbar, weil kein Spitzenlärm vorhanden ist. Dabei ist sporadischer Spitzenlärm weniger aufdringlich als notorischer Dauerlärm, der der Bebauung ihren Wohnwert nimmt und das Dorf zu einem sterbenden Ort verurteilt. Unser Protest gegen eine solche Diskriminierung nennen die Saaler Blockade und Bosheit. Dabei verkennen sie, dass Saal eine Umgehung braucht und nicht Wülfershausen. Saal will vom Lärm befreit werden und transferiert diesen Lärm aber zu nah an unseren Ort. Das ist unsinnig und nicht akzeptabel! Deshalb ist das Veto der Wülfershäuser Verantwortlichen verständlich und berechtigt!

Das Bauamt hat bis heute die Dorferweiterung in Wülfershausen seit 50 Jahren in keinster Weise registriert und bei der Saaler Umgehungsplanung bedacht. So kam wohl die nördlich „vorrangige“ Trasse ins Spiel, obwohl sie eine schizophrene, 450 m lange Flutbrücke notwendig macht. Die Baukosten erhöhen sich so von 12,4 Mio Euro auf ca. 60 Mio Euro. Also muss wohl umgedacht werden: Es gibt für eine Umgehung Saal 2 Linienführungen: Die eine geht nicht, so dass Saal die 2. Trasse als Umgehung hinnehmen muss: die Südliche.

Diese südliche Trasse kann nach dem Musterbeispiel Hollstädter Umgehung geplant und gebaut werden, wobei die notwendige Flutbrücke auch hier durch eine Saaleverlegung ersetzt werden kann (Kosteneinsparung ca. 30 Mio Euro!). Eine Flutbrücke würde nur das westliche Saaletal verunstalten, während ein bepflanzter Erddamm die Straße in die Landschaft einbinden wird.

Saal muss vom Bauamt nur aufgeklärt werden, dass der Ort dadurch gratis eine Hochwasserfreilegung des Ortes erhält. Hierdurch sind in Saal auch Lärmschutzmaßnahmen machbar, was mit der anderen Trasse „Nord“ für Wülfershausen wegen des Hochwasserstauraumes der Saale nicht geht. So ist diese Linienführung für Saal eine gute Lösung: Saal erhält eine schnelle OD-Entlastung, Wülfershausen verliert die Angst vor zusätzlichem Lärm, der Bund spart 25 – 30 Mio Euro aus der nicht gebauten Flutbrücke und das Bauamt behält den Ruf, kompetent und objektiv zu sein.

Und die Madonna des Findelberges, die seit Jahrhunderten von Saal und Wülfershausen verehrt wird und der egal ist, ob eine nördliche oder südliche Umgehung den Verkehr um ihr Domizil leitet; sie dürfte aufatmen und ein wenig lächeln, wenn sich die Menschen verständigen.

Manfred Blochmann

97618 Wülfershausen

Schlagworte

  • Wülfershausen
  • Bau
  • Baukosten
  • Bautechnik
  • Chaos
  • Enttäuschung
  • Kosteneinsparungen
  • Lärm
  • Saale
  • Verkehr
  • Verkehrsministerien
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!