Mehr Für als Wider

Ein Besuch im Bayerischen Wald (Bild) hat Bürgermeister Richard Knaier vom Nationalpark-Konzept überzeugt.
Ein Besuch im Bayerischen Wald (Bild) hat Bürgermeister Richard Knaier vom Nationalpark-Konzept überzeugt. Foto: Andreas Jungbauer

Mit der Entscheidung des Ministerrats vom Dienstag ist beim Nationalpark Rhön zumindest zeitlich der Druck raus. Trotzdem diskutierte der Kreistag drei Stunden über das Thema. Als Stimmungsbild kam am Ende heraus, dass bis auf die SPD-Fraktion, die sich da noch nicht festlegen wollte, alle Fraktionen einstimmig für die Fortsetzung des Dialogprozesses und die Konzeptphase sind, der Großteil der Mandatsträger sogar bereits jetzt für die Einführung des Nationalparks.

Besuch im Bayerischen Wald

Am überzeugendsten war Richard Knaier, der erklärte, nach einem Besuch im Nationalpark Bayerischer Wald zu einem Befürworter geworden zu sein. „Ich habe mich vor Ort mit allen möglichen betroffenen Leuten unterhalten und keine negativen Aussagen gehört“, sagte er. Natürlich seien nicht alle Risiken auszuschließen, aber es könne etwas Positives dabei herauskommen. „Es wäre schön, wenn ich in zehn oder zwanzig Jahren mit Stolz sagen könnte: Ich komme aus dem Nationalpark Rhön“, stellte Knaier fest.

vier gegen Konzeptphase

Von elf an einen möglichen Nationalpark angrenzenden Gemeinden in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld hätten sieben ihre Zustimmung zur Konzeptphase gegeben, so Landrat Thomas Habermann. Vier seien dagegen. In Rhön-Grabfeld hätten Sandberg und Hohenroth abgelehnt, Bischofsheim, Schönau und Niederlauer seien dafür. Die Bevölkerung habe er kritisch interessiert erlebt, so Habermann. Widerstand komme vor allem aus dem Bereich Landwirtschaft und Forst.

Menschen heranführen

Diskussionsgrundlage für den Kreistag waren die Vorträge von Ursula Schuster aus dem Münchener Umweltministerium und von Professor Hubert Job, der das sozioökonomische Gutachten zum Nationalpark Rhön erarbeitet hatte. Vom Premiumsegment der Schutzgebiete sprach Ursula Schuster, aus dem die Menschen nicht ausgeschlossen, sondern im Gegenteil herangeführt werden sollen.

Unter anderem durch die Investition in Lehrpfade und Bildungseinrichtungen. Sie nahm die Angst davor, dass offene Flächen zuwachsen, denn nur 75 Prozent der Flächen würden im Nationalpark der Natur überlassen, 25 für Pflegemaßnahmen bewirtschaftet.

Kern des Biosphärenreservats

Mit ausreichend Staatswald, mit verschiedenen Waldtypen und eingebettet in das Biosphärenreservat ei die Rhön sehr gut als Nationalpark geeignet, noch dazu, wenn jetzt eine Ausweitung nach Hessen verfolgt wird.

„Man kann Bäume fällen, Bretter daraus machen und verkaufen. Man kann sie aber auch stehend vermarkten“, sagt Professor Job. Stehend verkaufen bedeutet für ihn, Touristen importieren. Er sieht im Nationalpark eine große Chance, den Tourismus anzukurbeln. Mit dem Nationalpark sieht er gute Entwicklungschancen für die Rhön, ohne eher Stagnation. Es habe sich gezeigt, dass in Regionen mit Nationalpark der Tourismus schneller wächst, denn „den Begriff Nationalpark kennt jeder“. Das Thema Natur passe außerdem gut zur Gesundheitsregion. Die Rhön sei schon in der Top-Liga der Biosphärenreservate, außerdem funktioniere die Dachmarke sehr gut, da würde sich der Nationalpark als Kern des Bioshärenreservats gut anschließen, so Job.

Zu wenig Arbeitskräfte?

Wo sollen denn da die ganzen Arbeitskräfte in der Gastronomie herkommen, wollte Birgit Zirkelbach wissen. Eine resignativer Gedanke und ein gefährlicher, wie Landrat Habermann fand, wenn man nicht mehr an Wachstum glaubt.

Die meisten kritischen Fragen zum Nationalpark hatte die SPD-Fraktion. Warum der Kreistag sich erst so spät darüber unterhält, wollte Egon Friedel wissen, ob sich Natur und Tourismus nicht widersprechen. Ob sich die Förderung ändere wenn jetzt Hessen einbezogen werden soll und ob es nicht jetzt schon vieles gebe, was der Nationalpark bringen soll. Zu wenig sei auch von den Nachteilen zu hören.

Magnet für Fremdenverkehr

Die SPD befürchtet außerdem, dass es sich bei den neu entstehenden Arbeitsplätzen durch den Nationalpark vielleicht nur um Verschiebungen handelet. Ungeklärt sei außerdem, wie die Bürger in die Meinungsbildung einbezogen werden sollen. Erst wenn alle Fragen beantwortet seien, könne sich die SPD positionieren.

Bevor sich der Kreistag mit dem Thema beschäftigt, sollten erst die betroffenen Gemeinden ihre Meinung erklären, erwiderte der Landrat. Einen Widerspruch zwischen Natur und Tourismus sieht er nicht, vielmehr sei der Nationalpark ein Magnet für den Fremdenverkehr. Von Förderung könne beim Nationalpark überhaupt nicht die Rede sein, denn der Freistaat finanziere den Nationalpark zu 100 Prozent. Als konkreten Nachteil bezeichnete Habermann den fehlenden Holzeinschlag. Was das Thema Beteiligung der Bürger an der Meinungsbildung betrifft, stellte Habermann fest, dass es dafür kein festgelegtes Prozedere gibt. Weil es sich um eine staatliche Maßnahme handelt, käme dafür ja nur ein bayernweiter Bürgerentscheid in Frage. Das wolle hier natürlich niemand.

Zehn Millionen euro pro Jahr

Zur Finanzierung erklärte Ursula Schuster, dass die angepeilten zehn Millionen Euro pro Jahr die Verwaltungskosten für den Nationalpark seien. Dazu kämen dann noch die Investitionen, an denen sich Hessen bei einer Ausdehnung in das Nachbarbundesland dann anteilig beteiligen würde.

Sie machte außerdem deutlich, dass für einen Nationalpark nur Staatswaldflächen genutzt werden – oder Flächen, die freiwillig zur Verfügung gestellt werden. Es gebe weder Enteignungen noch indirekte Enteignungen über Flurbereinigungsverfahren. Außerdem seien alle Gebiete außerhalb des Nationalparks nicht eingeschränkt in ihrer Nutzung, auch nicht die direkt daneben.

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