SCHWEINFURT

Mehr als nur gute Ratschläge

Ohne Worte: Diese Zeichnung war bei einer Ausstellung zum Thema sexuelle Gewalt an Kindern in der Sparkasse Schweinfurt zu sehen.
Ohne Worte: Diese Zeichnung war bei einer Ausstellung zum Thema sexuelle Gewalt an Kindern in der Sparkasse Schweinfurt zu sehen. Foto: Ruppert

Oft melden sich die Betroffenen selbst, manchmal aber auch die Eltern. Insgesamt kümmerte sich die Schweinfurter „Anlaufstelle sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen“ 2013 um 64 Mädchen, vier Jungen und 14 Frauen über 18, die sexuell missbraucht wurden, und um zehn Mädchen und Frauen, die vergewaltigt wurden.

Zwölf Betroffene aus dem Vorjahr wurden weiter betreut, auch viele Fachkräfte informierten sich. So fanden im vergangenen Jahr insgesamt 399 Beratungsgespräche in der Anlaufstelle statt, die seit ihrer Gründung 1992 die einzige Fachberatungsstelle in der gesamten Region Main-Rhön ist.

Träger ist bekanntlich der Verein „Frauen helfen Frauen“, der auch für das Frauenhaus verantwortlich ist. In ihren Jahresberichten fasst Monika Römer, die Leiterin der Anlaufstelle, nicht nur die Zahlen des Vorjahres zusammen, sie analysiert sie auch und beschreibt die Entwicklung. Die jungen Mädchen, die meist nicht alleine zur Beratung kommen, müssen vor allem vor weiteren sexuellen Übergriffen geschützt werden.

Therapeutische Unterstützung

Wenn sie sich sicher fühlen, möchten die meisten wieder zum Alltag übergehen und das Geschehene verdrängen, weiß Monika Römer aus Erfahrung. Damit es ihnen langfristig wirklich gut geht, brauchen manche aber therapeutische Unterstützung. Die Anlaufstelle hilft bei der Vermittlung.

Bei Mädchen ab 14 Jahren spielt neben der Therapie die Bewältigung des Alltags die Hauptrolle. Die schwierige Frage, wie die jungen Frauen mit dem Täter umgehen sollen, muss geklärt werden. Was ist mit Sexualität und Partnerschaft, Selbstbehauptung, Schule und dem beruflichen Werdegang?

Einige Mädchen haben, so der Bericht, bereits psychiatrische Vorerfahrungen. Da werden die Fragestellungen immer komplexer. Für Mädchen, die selbstmordgefährdet sind, sich selbst verletzen, Essstörungen haben, süchtig oder depressiv sind, gebe es kaum geeignete Jugendhilfeangebote.

Geschieht der Missbrauch in der Familie, ist es für die Mädchen noch schwerer, sich an offizielle Stellen zu wenden. Für einen wirksamen Schutz sei die Zusammenarbeit mit Jugendamt und Polizei aber in der Regel sinnvoll, sagt Monika Römer. Erschwerend kommt hinzu: Wegen der knapper werdenden finanziellen Mittel wird es für die Jugendämter immer schwieriger, Hilfsmaßnahmen für Jugendliche zu organisieren. Für junge Erwachsene sei das beinahe unmöglich.

In vielen Gesprächen ist die Frage der Strafanzeige ein Thema. 2013 nahmen 31 Frauen und Mädchen das Angebot in Anspruch, sich auf dem Weg zum Prozess begleiten zu lassen – für die Anlaufstelle ist das sehr zeitintensiv. Manche Frauen, die anrufen, sind erst als Erwachsene in der Lage, über Gewalterfahrungen in der Kindheit zu sprechen. Oft stecken sie mitten in einem schmerzhaften Prozess des Erinnerns und Aufarbeitens. In seltenen Fällen sind Frauen die Täter. Die Anlaufstelle steht auch Jungen und Männern offen, die sexuell missbraucht wurden.

13,9 Prozent aus Rhön-Grabfeld

Die meisten Ratsuchenden 2013 kamen aus dem Landkreis Schweinfurt (28,7 Prozent), gefolgt von der Stadt Schweinfurt (23,8), dem Landkreis Bad Kissingen (19,8), Haßberge und Rhön-Grabfeld (je 13,9). Telefonische Beratung findet statt jeden Montag von 10 bis 12 Uhr und jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr. Außerhalb der Telefonzeiten läuft ein Anrufbeantworter.

Das Angebot der Anlaufstelle richtet sich an Mädchen, Frauen, Jungen und Männer, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, an deren Eltern, Vertrauenspersonen und Fachkräfte. Jungen und Männer werden an geeignete Beratungsstellen oder Therapeuten weitergeleitet.

Kontakt: Tel. (0 97 21) 18 52 33 oder anlaufstelle@gmx.de

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