MELLRICHSTADT

Mellerschter Derbleck'n: Oscarius' Agenda 2020

Das Jahr 2020 wirft seinen Schatten voraus: Wer wird in Mellerscht Bürgermeister und damit Nachfolger von Eberhard Streit? Bruder Oscarius und seine Engel (im Bild Thomas Erhard) brachten beim Derbleck'n ein paar Namen ins Spiel.
Das Jahr 2020 wirft seinen Schatten voraus: Wer wird in Mellerscht Bürgermeister und damit Nachfolger von Eberhard Streit? Bruder Oscarius und seine Engel (im Bild Thomas Erhard) brachten beim Derbleck'n ein paar Namen ins Spiel. Foto: Simone Stock

So schlagfertig Bruder Oscarius auch ist – diesen Anblick musste er erst einmal verdauen. Die Reihe der Ehrengäste im Pfarrsaal: kreideleer. Kein einziger Politgrande hatte am Samstagabend den Weg zum Mellerschter Derbleck'n gefunden. Selbst schuld, möchte man da sagen, denn das Programm, das der Fastenprediger und sein Engelschor aus den Reihen der Freien Wähler auf die Beine gestellt hatten, war famos und führte von Mellrichstadt über Berlin bis nach Würselen und zurück.

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6. Mellerschter Derbleckn

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Auch wenn der Mönch intensiv Ausschau nach den Großkopferten hielt, die Mellerschter blieben an diesem Abend mehr oder weniger unter sich. „Dabei ham mer viele hergebeten“, ließ Oscarius wissen – Seehofer, Aiwanger, Bär und Söder. Keiner ließ sich im Streustädtchen blicken. „Sogar der Eck blieb weg“, schimpfte der Fastenprediger. Vor zwei Jahren hatte sich Oscarius mit CSU-Staatssekretär Gerhard Eck einen flotten Schlagabtausch geliefert. Eine Erklärung hatte er natürlich gleich parat: „Es hat sich wohl herumgesprochen: Hier wird keinem in den ... gekrochen!“

Wohnmobil als Fluchtfahrzeug

Selbst Stadtchef Eberhard Streit hatte vorm Derbleck'n Reißaus genommen und frönte lieber der Pistengaudi. Ob er mit seinem geliebten Wohnmobil in Skiurlaub gefahren ist? Oscarius blickte schon mal voraus, dass er selbiges auch als Fluchtfahrzeug brauchen könne. „Sollte die Alfons-Halbig-Affäre weiter eskalieren, kann er damit in den Süden emigrieren.“

Nun gut, wenn es keine neuen Opfer zu Derblecken gibt, greift man eben kurzerhand auf die alten zurück – „gell, Herr Reich“, wie Oscarius augenzwinkernd Firmen-Senior Karl-Hermann Reich ins Blickfeld rückte, der für seine Liebe zum Handy einige Spötteleien einstecken musste.

Getrennte Sitze

Zum sechsten Mal schlüpfte Ralf Hartmann in die Rolle des scharfzüngigen Fastenpredigers und nahm mit spitzen Pointen das Politgeschehen in Stadt und Land aufs Korn. Ganz oben auf seiner Liste: die Mellerschter Stadtpolitik, die – Stichwort Alfons-Halbig-Platz – derzeit die Bürger in zwei Lager spaltet. „Hoffentlich sitzen die heut auch getrennt“, ließ Oscarius seinen Blick prüfend über die Menge schweifen.

Überhaupt, wer hätt's gedacht, dass der Halbig-Platz einmal so von sich reden macht? Ein Ärztehaus soll drauf, hat der Stadtrat beschlossen, „die grüne Lunge der Stadt wird mit Teer übergossen“. Dass das viele Bürger aufbringt, kann der Mönch nicht verstehen. „Wenn aus Mellerscht verschwinden alle Praxen, was macht ihr dann, wenn euch wehtun die Haxen?“, fragte er in die Runde, begleitet von Buh- und Bravo-Rufen. Dass die Generation 65 plus am lautesten gegen die Pläne lamentiert, ist Oscarius ein Dorn im Auge. Deren Ansicht nahm er frech auf die Schippe: „Wir brauchen für Ärzte, die in Pension gehen, keinen Ersatz. Dann sterben wir halt früher, aber wenigstens auf dem Alfons-Halbig-Platz!“ Unter lautem Gejohle stimmte der Engelschor den Gassenhauer „Skandal um Rosi“ an, aus der logischerweise ein Alfons wurde.

Die Zukunft der Stadt

Aus der Frage um die Zukunft des Alfons-Halbig-Platzes leitete Oscarius die Frage nach der Zukunft von Bürgermeister Eberhard Streit und der Stadt ab. 2020 ist für Streit Schluss, weiß der Mönch, da kann man durchaus schon mal über Nachfolger spekulieren. Auf ganze sieben ist er gekommen – Markus Beck, Peter Hehn, Helmut Dietz, Kurt Leeb, Jörg Rothhaar und Frank Vetter wurden aus verschiedenen Gründen ausgemustert, bis einer übrig blieb – Markus Groenen. Der CSU-Mann rettete sich mit einem vollen Mund aus der Frage, ob er die hier anwesende Stadt zu seiner Angetrauten machen wolle.

Im Showteil „Mellerscht sucht den Bürgermeister“ ließen Vorschläge aus dem Saal nicht auf sich warten: Nachdem Ralf Hartmann ausscheiden muss, weil er kein Mellerschter ist, soll eine Frau die Sache richten. Nicole Seemann könnte in die Fußstapfen von Theresa May und Mutti Merkel treten. „Sie machen's vor: Ihnen leiht man auch international das Ohr.“

Ausschuss und Cannabis-Pläne

Natürlich durfte beim Derbleck'n auch ein Seitenhieb gegen die Kreisstadt und Landrat Thomas Habermann nicht fehlen. Habermann war kürzlich zum Vertreter aller 294 deutschen Landkreise beim „Ausschuss der Regionen“ der EU gewählt worden. Oscarius blieb davon unbeeindruckt: „Ausschuss ist was für'n Abfall“, frotzelte er und erntete schallendes Gelächter.

Seine scharfe Zunge wetzte der Fastenprediger auch am Thema Straßenausbaubeiträge, an der Landwirtschaft, am Leerstand in Mellrichstadt, am ÖPNV und an der Streutal-Allianz. Dass die Sued-Link-Trasse Chancen für Mellrichstadt bietet, hatte Oscarius schnell ausbaldowert: Wenn der Boden warm wird, wird Mellerscht zum Hauptanbaugebiet von Cannabis. Landwirt Robert Mack aus der Schar der Engel wurde dazu kurzerhand zum Anton (Hofreiter) gemacht.

Berliner Flair mit Dorothee Bär

Und dann kam doch noch hoher Besuch nach Mellrichstadt: Dorothee Bär alias Heike Hartmann brachte als neue Staatsministerin für Digitalisierung Berliner Flair an die Streu, wozu der Engelschor (Thomas Dietz als Aloisius, Barbara Böhm, Jana Rösner, Robert Pöche, Michael Mühlfeld, Thomas Erhard und Robert Mack) das Lied „Das Dekolleté von der Dorothee“ anstimmte. Als AfD-Alice (Weidel) flog sie – rechts hinaus – aus dem Saal. Zu guter Letzt gab sich auch noch Martin Schulz (Ralf Hartmann) die Ehre. Der SPD-Kanzlerkandidat bewarb sich um das Amt des Mellerschter Bürgermeisters, wurde aber wieder heim nach Würselen geschickt. Für Oscarius und seinen Chor ganz klar: „Zum Eberhard gibt's halt keine Alternative.“

Mit dem Appell „Mellerscht, wir schaun nach vorn – aus Zaudern und Meckern ist noch nie was worn“ zur Hymne „Sierra Madre“ verabschiedete sich der Mönch für die nächsten zwei Jahre von seinem Publikum. Die Los Krawallos sorgten mit Schunkelliedern dafür, dass die Gäste bei Starkbier, Obatztem, Weißwürscht und Schäufele noch gesellig beieinander saßen.

Hingucker: Dorothee Bär (Heike Hartmann) kam eigens zum Derbleck'n angereist und verbreitete Berliner Flair an der Streu.
Hingucker: Dorothee Bär (Heike Hartmann) kam eigens zum Derbleck'n angereist und verbreitete Berliner Flair an der Streu. Foto: Simone Stock
Robert Mack (rechts daneben Barbara Böhm) als grüner Anton (Hofreiter).
Robert Mack (rechts daneben Barbara Böhm) als grüner Anton (Hofreiter). Foto: Simone Stock
Die Ähnlichkeit ist verblüffend: Ralf Hartmann alias Martin Schulz möchte Bürgermeister von Mellrichstadt werden.
Die Ähnlichkeit ist verblüffend: Ralf Hartmann alias Martin Schulz möchte Bürgermeister von Mellrichstadt werden. Foto: Simone Stock
Himmlischer Chor: Mit Engelsgesang untermalten (von links) Thomas Dietz, Robert Pöche, Michael Mühlfeld und Thomas Erhard die Fastenpredigt von Bruder Oscarius.
Himmlischer Chor: Mit Engelsgesang untermalten (von links) Thomas Dietz, Robert Pöche, Michael Mühlfeld und Thomas Erhard die Fastenpredigt von Bruder Oscarius. Foto: Simone Stock

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