MELLRICHSTADT

Mellerschter Malz, Biergeschmack erhalt's

Thomas Lang an einer der drei Darren, in denen das Malz getrocknet wird. Foto: Gerhard Fischer

Es ist staubig, fast überall in der Rhönmalz, der Mellrichstädter Malzfabrik. Aber überall liegt ein besonderer Duft in den Hallen und Gängen: von Getreide, von gedarrtem Malz, von viel Natur, die durch Menschenhand geht.

Thomas Lang saugt den Duft ein, der aus der Darre strömt. Gerade verteilt ein Förderband das Grünmalz auf dem Boden, durch den für einige Stunden heiße Luft strömen wird, damit aus dem Grünmalz Darrmalz wird, wichtige, geschmacksprägende Zutat für eine frisches, kühles Bier.

Thomas Lang nimmt ein Korn vom Grünmalz, das zuerst im Weichhaus, dann im Keimkasten vom schlichten Getreidekorn die erste Entwicklung zum Malz hin genommen hat. Mit seinen Fingern kann er das Grünmalz zerreiben, so können sich auch später, wenn Bier gebraut wird, die Malzstoffe gut im Biersud auflösen. „Das ist unsere einzigartige Qualität“, sagt Thomas Lang. Er will damit keine simple Eigenwerbung machen. Sondern davon sprechen, was ein handwerkliches Produkt in einem mittelständischen Betrieb von einer Industrieware unterscheidet, die unter ganz anderen Bedingungen entsteht.

Malzfabrik als Blickfang

Seit es die Malzfabrik in Mellrichstadt gibt, seit 1883 also, ist sie ein Blickfang in der Stadt mit ihren großen Türmen und der ausladenden Fläche, die für die Fertigung benötigt werden. Und seitdem ist Mellrichstadt der Ort, an dem die regionale Biervielfalt ihren besonderen Geschmack erhält.

„Eigentlich geht es nicht nur um Bier, sondern auch um Whiskey“, sagt Lang so nebenbei. Denn das Malz, das an der Streu geröstet wird, findet sich auch in einigen deutschen Destillaten wieder.

Thomas Lang und sein Cousin Werner führen die Rhönmalz GmbH seit 1981, zuvor war die Mellrichstädter Malzfabrik in Konkurs geraten. Während früher in der Hauptsache das Malz im Umkreis von 150 Kilometern verkauft wurde, hat sich das Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren sehr geändert. Heute wird das Rhöner Malz, das praktisch zu 100 Prozent aus Rhön-Grabfeld stammt, in 15 Länder auf drei Kontinenten exportiert, auch nach Lettland, Dänemark und in die Mongolei. Seit 1993 hat die Rhönmalz Bio-Malz im Angebot, das einen wichtigen Teil des Angebots ausmacht. Die Rhöner Braugerste-Anbauer und die internationalen Kunden werden von zehn Mitarbeitern betreut.

„Rhönmalz hat einen besonderen Ruf in der Branche“, erklärt Thomas Lang. Brauer, die in Deutschland mit Rhöner Malz gearbeitet haben und internationale Karriere machen, „nehmen das Malz gerne dorthin mit“, sagt der Firmenchef. Also gibt es Rhönmalz in Indien oder in der Mongolei, weil dort ein deutscher Brauer das „Chinggis – Mongolian Lager“ braut.

„Handwerksmalz“ nennt Thomas Lang das Produkt in Abgrenzung zum Industriemalz, mit dem die Konzernbrauereien ihre Einheitsbiere weltweit für ein Millionenpublikum brauen. In der industriellen Fertigung lande kein Gramm Rhönmalz. Es sind die Mittelständler bis zur Kleinstbrauerei, die Lang und sein Team beliefern. Der Trend zum regionalen Getränk, der aktuelle Boom der Kleinstbrauereien und so genannten Craft-Beer-Einzelkämpfer kommt auch der Rhönmalz zugute. Diese jungen Wilden in der weitläufigen Braulandschaft bescheren auf der einen Seite ein Qualitätsbewusstsein, ein Bewusstsein vor allem für die Geschmacksvielfalt und den Nuancenreichtum. Auf der anderen Seite nehmen sie sich die Freiheit und wollen ihre Biere Bier nennen, obwohl doch mehr an Zutaten zum Einsatz kommen als Hopfen, Wasser und Malz nebst Hefe, die im Reinheitsgebot noch gar nicht erwähnt wurde.

Die Revolutionäre des Biersuds kippen noch Orangenschalen dazu, Koriander oder andere Gewürze, um mit den Aromen zu spielen. Und genau deshalb liegen sie mit den Großbrauereien und Brauverbänden derzeit im Clinch.

Sonderstellung erhalten

Nicht nur Thomas Lang hat dazu seine Meinung sondern auch Markus Jentsch vom Institut Romeis, der die Rhönmalz fachlich berät. „Es ist den deutschen Brauern in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, innerhalb der Europäischen Union ihre Sonderstellung zu erhalten dank des Reinheitsgebots. Sollte die Gesetzgebung gelockert werden, weil Craftbrauer auf die Bezeichnung Bier pochen, dann könnte dies einen Dammbruch bedeuten, und die Bierkonzerne könnten auf die Verwendung von künstlichen Zusätzen bestehen. Dann ginge der Schuss nach hinten los.

„Vielleicht wäre die Bezeichnung 'bierhaltiges Getränk' dann ein Kompromiss, der unser Reinheitsgebot sichert“, findet Jentsch. Und Thomas Lang nickt dazu. Dass die Craft-Brauer und Kleinbrauereien wieder den Geschmack für Biervielfalt geweckt haben, ist ein unbestrittenes Verdienst der Kleinen, aber genauso der Mittelständler. „Es beginnt sich langsam etwas zu bewegen. Aber nach wie vor kaufen viele Menschen ihr Einheits-Bier nach dem besten Angebot im Laden, weil der Geschmack kaum individuell ist“, klagt Jentsch.

Dabei lässt sich mit den wenigen Zutaten, die zum Bierbrauen nötig sind, eine unendliche Vielfalt von Geschmack produzieren. „Es kommt auf das Wasser an, auf die Hopfensorte, die Hefekultur hat gewaltigen Einfluss und eben das Malz“, erklärt Thomas Lang. Sechs Sorten stellt die Rhönmalz zusammen mit einer weiteren familiengeführten Mälzerei her. Helles und dunkles Gerstenmalz, Karamellmalz, Röstmalz und Sauermalz sind die Sorten, die im Streustädtchen aus praktisch ausschließlich Rhöner Gerste gewonnen werden.

Vielfalt der Rhöner Braukunst

Dieses handwerkliche Produkt geht dann nicht containerweise zum Kunden. Wer es braucht, bekommt auch ein paar Säcke, nur für sein spezielles Bier. „Bei uns spielt jeder die größte Rolle“, versichert Lang und macht keinen Unterschied zwischen größeren und kleineren Kunden.

Stück für Stück bemerken es auch die Rhöner selbst, welche Vielfalt ihnen in der Heimat geboten wird. „Die Gäste schwärmen über das tolle Bier, das wir hier haben, das könnten auch noch mehr Einheimische entdecken“, findet Lang.

ONLINE-TIPP

Mehr Informationen unter mainpost.de/reinheitsgebot

Malzfabrik und Rhönmalz GmbH

Die Malzfabrik Mellrichstadt Aktiengesellschaft wurde gegründet, als Fürst Bismarck als Kanzler des Kaisers Wilhelm I amtierte. 1883 erbaute der Bierbrauer Heinrich Heller aus Meiningen die Malzfabrik in Mellrichstadt. In der Gegend wurde viel Braugerste angebaut, die Verkehrslage war günstig.

Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges am 28. Juni 1914 wurde die Braugerste kontingentiert und die Produktion von Malz sank rasch. 1918/19 stoppte der Trocknungsbetrieb völlig. Ein ähnliches Bild bot sich im Zweiten Weltkrieg. Wieder wurden die Rohstoffe zugeteilt und die Beschäftigung der Malzfabrik ging rasch zurück. Mehrfach drohte im Laufe der Kriegsjahre die Stilllegung der Mälzerei. Gemeinsam mit amerikanischen Stellen beschlagnahmte im Herbst 1945 das Bayerische Staatsministerium für das Flüchtlingswesen die Mälzerei und erklärte sie zum Auffanglager, bis zu 2000 Personen aus den einstigen Ostgebieten fanden Aufnahme. Mit der Inbetriebnahme einer 60-Tonnen-Saladinkastenmälzerei endete 1974 nach 91 Jahren das Mälzen auf der Tenne und damit eine Ära.

Die Rhönmalz GmbH wurde 1981 von Kurt, Werner und Thomas Lang gegründet. Heute wird das Rhöner Malz, das zu 100 Prozent aus Rhön-Grabfeld stammt, in 15 Länder auf drei Kontinenten exportiert. Seit 1993 hat die Rhönmalz Bio-Malz im Angebot, das einen wichtigen Teil des Angebots ausmacht. Die Rhöner Braugerste-Anbauer und die internationalen Kunden werden von zehn Mitarbeitern betreut.

www.rhoenmalz.de

www.wir-sind-rhoener-bier.de

Arbeiten für den Genuss: Seit über 130 Jahren wird in Mellrichstadt auf handwerkliche Weise Malz für das Bierbrauen hergestellt. Der Chef der Rhönmalz GmbH, Thomas Lang (rechts), und sein Berater Markus Jentsch vom Institut Romeis schwärmen von der Individualität eines handwerklichen Bieres gegenüber der Gleichmacherei von Industrieware. Foto: Fischer
Alle Hände voll zu tun: Thomas Lang demonstriert, wie das Innere des so genannten Grünmalzes nach der Keimung zerrieben werden kann. So ist das Malz löslich für die Prozesse beim Bierbrauen. Foto: Gerhard Fischer
In erster Linie denkt die Rhönmalz regional. Aber wenn der Braumeister in der Mongolei Rhöner Qualität schätzt6, dann wird das Malz auch mal nach Ulan Bator exportiert. Foto: Gerhard Fischer

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