Mellrichstadt

Mellrichstadt: Kinder aus Shitkowitschi sagen auf Wiedersehen

Abschiedsbild mit allen Kindern aus Shitkowitschi, die hier Erholung gefunden haben. Mit im Bild (hintere Reihe, ab Zweite von links) Staatsministerin Dorothee Bär, Landrat Thomas Habermann, Stefan Zehfuß, Vorsitzender des Vereins „Kinder aus Shitkowitschi – Hilfe nach Tschernobyl“ und Mellrichstadts stellvertretender Bürgermeister Thomas Dietz. Im Vordergrund links Julius und Charlotte, die Kinder von Dorothee Bär. Foto: Brigitte Gbureck

Ein großes Abschiedsfest feierten die Gastkinder des Vereins „Kinder aus Shitkowitschi – Hilfe nach Tschernobyl Wollbach“ am Donnerstag im Kirschgarten in Mellrichstadt. Auch Staatsministerin Dorothee Bär und Landrat Thomas Habermann ließen es sich nicht nehmen, zur Verabschiedung zu kommen.

50 Kinder waren es in diesem Jahr, die zur Erholung gekommen waren, zehn mehr als im Vorjahr, erzählte der Vorsitzende des Vereins, Stefan Zehfuß. "Die Verstrahlung in dem Gebiet, in dem sie leben, dauert noch 300 Jahre an. Im Schnitt haben die Menschen dort eine um 20 Jahre verkürzte Lebenszeit im Vergleich zu Deutschland", sagte Zehfuß.

Die Spendenkasse des Vereins sei nicht so reichlich gefüllt, trotzdem werde immer wieder nach Kräften geholfen, machte der deutlich. In der Kleiderkammer in Wollbach konnten sich die Kinder aus Weißrussland einkleiden. Jedes Kind durfte sich zwei große Pakete packen, die kostenlos nach Shitkowitschi transportiert werden. Im September, so Zehfuß, wird wieder ein Lkw beladen.

Neue Regeln für den Warentransport

Für den Transport gelte die neue Regel, dass Spenderware zwei Monate in Shitkowitschi gelagert werden muss, ehe sie verteilt werden darf, informierte er. Eine weißrussische Firma transportiert die Pakete, ein Raum mit Zollverschluss wurde angemietet, wo die Waren abgeladen werden. 

Vertrauensleute vom Fonds Barmherzigkeit besorgen die Papiere, am 2. November fährt Stefan Zehfuß mit Helfern nach Shitkowitschi und verteilt Kleidung, Räder, Kinderwagen, 450 Lebensmittelpakete und anderes. Zweimal im Jahr fährt ein Konvoi, im letzten Jahr wurden fast 1000 Pakete transportiert, so der Vorsitzende. "Die Lebensmittel in Shitkowitschi sind fast so teuer wie hier, der Verdienst liegt aber nur bei 150 Euro im Monat", sagte Zehfuß. Umso mehr ist er allen Sponsoren dankbar.

Staatsministerin Dorothee Bär verteilte mitgebrachte Kleidung, die von einer Firma aus Nordrhein-Westfalen für die Kinder aus Weißrussland gesponsert wurde. Foto: Brigitte Gbureck

Stern der Menschlichkeit

Mellrichstadts stellvertretender Bürgermeister Thomas Dietz lobte die Erholungsfreizeit als eine große Leistung, die schon sehr lange aufrecht erhalten wird. Die drei Wochen, die die Kinder aus Weißrussland in Rhön-Grabfeld verbracht haben, sollen sie in guter Erinnerung behalten. Landrat Thomas Habermann nannte Stefan Zehfuß „einen Stern der Menschlichkeit am Horizont“. Der Landrat sei ein guter Fürsprecher, der den Verein unterstütze und bei den mannigfaltigsten Anliegen helfe, gab der Vorsitzende das Lob zurück.

Besonders dankte Zehfuß Staatsministerin Dorothee Bär, dass sie Wort gehalten und schon zum zweiten Mal Geschenke für die Kinder mitgebracht hat. Seit 2011 ist sie Mitglied im Verein. Die Ministerin hatte für die Kinder eine besondere Überraschung in petto: Von der Katag AG in Bielefeld hatte sie Winterpullover, Hosen und Jacken zur Verfügung gestellt bekommen. Für jedes Kind und auch für die Betreuerinnen hatte Bär je zwei Teile mitgebracht. Da war die Freude unter den Gästen natürlich groß.

Vorfreude aufs nächste Jahr

Ljudmila Anoschka vom Vorstand des Fonds Barmherzigkeit, der Partnerorganisation in Shitkowitschi, dankte im Namen aller Familien den Verantwortlichen der Aktion. Die Kinder hätten ihr Immunsystem gestärkt, die hiesige Kultur kennengelernt und viel Schönes erlebt. "Viele Kinder wollen noch gar nicht nach Hause", gab sie preis. Den Gasteltern dankte sie für ihre Geduld, Liebe und Sorge. Alle freuen sich schon auf das nächste Wiedersehen, übersetzte Dolmetscherin Elena Rekum.

Dann führten die Mädchen und Buben aus Weißrussland Tänze vor und sangen Lieder. „Der Weg des Guten“ lautete das erste Lied. Es folgte eine russische Polka mit akrobatischen Einlagen, die mit viel Applaus belohnt wurden. „Katjuscha“ hieß das nächste Lied mit der bekannten Melodie. Und dann die Überraschung: „Alle meine Entchen“ sangen alle Gastkinder auf Deutsch. Das Programm hatten die Betreuerinnen einstudiert. Der letzte Tanz war der Ententanz, zu dem alle Besucher eingeladen waren.

28. Erholung ein voller Erfolg

Die Kinder haben sich in den vergangenen drei Wochen gut erholt und kehren nun wieder in ihre Heimat zurück. Dank der Unterstützung vieler Helfer wurde ihnen ein umfangreiches Programm geboten. Dank sagte Stefan Zehfuß auch der Vorstandschaft, dem Kleiderkammerteam, den Mitgliedern und den deutschen Gasteltern, denn ohne sie könnte keine Kindererholung stattfinden. Viele Freundschaften seien mittlerweile entstanden. "Auch die 28. Erholung war wieder ein voller Erfolg."

An diesem Samstag um 10 Uhr rollt der Bus am Parkplatz vor der Wollbacher Halle wieder Richtung Shitkowitschi. Da wird wohl manche Abschiedsträne kullern.

Abschiedsfest der Kinder aus Shitkowitschi im Kirschgarten: Bei einem Tanz zeigten sich die Mädchen sehr gelenkig. Foto: Brigitte Gbureck

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