Mellrichstadt

Mellrichstadt: Landwirte wollen mit Mahnfeuer ein Zeichen setzen

Mit Mahnfeuern in ganz Deutschland machten die Landwirte auf ihre derzeitig schwierige Situation aufmerksam. Was sind ihre Anliegen?
"Gebt der Landwirtschaft eine Chance". Dies war die Forderung beim Mahnfeuer der Landwirte am Stelenfeld an der A71 in Mellrichstadt. Foto: Björn Hein

Die Landwirte in Deutschland sind sauer. Und zwar richtig. Zu Unrecht sehen sie sich an den Pranger gestellt. Aus diesem Grund sind Bauern auch aus der Region zur Großdemo nach Berlin gefahren. Doch auch in der Heimat wollte man auf die Missstände aufmerksam machen, schließlich werden die landwirtschaftlichen Waren direkt vor Ort auf den Feldern produziert. Die Vereinigung "Land schafft Verbindung – Wir rufen zu Tisch" hat dabei zu lokalen Aktionen eingeladen.

So wurden am Mittwoch, 26. November, ab 17 Uhr Leuchtfeuer entzündet, um den Forderungen der Landwirte Nachdruck zu verleihen. Der kämpferische Titel "Mahnfeuer: Deutschland in Flammen" sollte auf die brennenden Probleme aufmerksam machen, mit denen sich die Landwirte in Deutschland konfrontiert sehen.

Mahnfeuer der Bauern am Stelenfeld an der A71 in Mellrichstadt. Foto: Björn Hein

Auch Landwirte aus Mellrichstadt machten bei dieser Aktion mit. "Die Stimmung ist derzeit unter den Bauern schlecht, deshalb wollten wir auf unsere Situation aufmerksam machen", sagt Jochen Stäblein, der die Feueraktion in Mellrichstadt organisiert hat. Als Veranstaltungsort hatte man sich das Stelenfeld am Reutberg in der Nähe der A71 ausgesucht. "Zum einen wollten wir den Verkehr möglichst wenig stören, zum anderen sollte das Feuer weithin sichtbar sein. Leider hat dies der Nebel etwas verhindert", so Stäblein.

Eine Zukunft für die Landwirtschaft

Stäblein ist Landwirt im Nebenerwerb und will, dass die Landwirtschaft in Deutschland eine Zukunft hat. So wie er denken offenbar alle rund 100 Teilnehmer, die mit 25 Traktoren vor Ort waren. Aus Mellrichstadt, Eußenhausen, Sondheim, Stockheim, Roth und Ostheim waren die Teilnehmer gekommen, ein Landwirt aus Urspringen hatte dabei wohl die längste Anfahrt. "Uns hat besonders gefreut, dass auch Nichtlandwirte vor Ort waren. Natürlich haben wir über die aktuellen Probleme gesprochen, auch über die Demonstration in Berlin", erläutert der Organisator. Zu späterer Stunde kam sogar noch ein Landwirt vorbei, der in Berlin mit dabei gewesen ist.

Die Mahnfeuer zeigten auch, dass die Landwirte sehr gut vernetzt sind. Kam der Aufruf zu diesen doch erst am Montagabend. "Über die sozialen Medien haben wir uns sofort besprochen und sind zu dem Schluss gekommen, dass auch wir bei der Aktion mitmachen", berichtet Stäblein.

Landwirte als Schützer der Natur

Die Vorwürfe, die derzeit gegen die Landwirte erhoben würden, seien von diesen nicht verschuldet, meint er. Als Stichworte nennt er hier das Bienensterben, aber auch die Belastung der Gewässer. "Wir sehen uns selbst als Schützer der Natur und als Pfleger der Kulturlandschaft", erläutert Stäblein. Auch aus ökologischen Aspekten könne auf die heimische Landwirtschaft nicht verzichtet werden. "Die gesetzlichen Vorgaben in Bezug auf den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sind hier sehr hoch, was dem Umweltschutz zugutekommt", sagt er.

Letzterer stehe bei den Landwirten eindeutig im Vordergrund. Es sei in eigenem Interesse, dass man möglichst wenig Pestizide und Pflanzenschutzmittel einsetze. "Außerdem werden die Pflanzensorten stetig verbessert. Dies führt dazu, dass auf dem Acker weniger Chemie zum Einsatz kommt", führt Stäblein aus.

"Wir sehen uns selbst als Schützer der Natur und als Pfleger der Kulturlandschaft"
Jochen Stäblein, Organisator der Mahnfeuers in Mellrichstadt

Ganz besonders schwierig werde die Situation durch das so genannte Mercosur-Abkommen. Dies ist ein Handelsabkommen zwischen der EU und verschiedenen südamerikanischen Staaten, welches die Zukunft vieler deutscher Familienbetriebe bedrohe. Hierzu hat sich auch der Deutsche Bauernverband (DBV) geäußert. Laut Medienberichten befürchtet dieser, dass in Südamerika in deutlich größerem Maßstab produziert werde, was den Markt überschwemme. In der Folge würden die Preise für Agrarprodukte in Deutschland vollends in den Keller fallen. Die Krux an der Sache sei jedoch besonders, dass laut DBV die Landwirte in Südamerika weit großzügiger mit Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik umgingen, was viele Verbraucher in Europa kritisch sehen.

Lebensmittel sollten vor Ort produziert werden

Dieser Ansicht ist auch Jochen Stäblein: "Es kann doch nicht angehen, dass Lebensmittel, die wir vor Ort produzieren könnten, um den halben Erdball gekarrt werden. Das ist vollkommen unökologisch". Nicht nur, dass die Lebensmittel von dort mit Pestiziden belastet seien. Beim Transport kämen auch fossile Brennstoffe zum Einsatz, was dem Wunsch der Verbraucher nach Nachhaltigkeit entgegen stehe.

Am Stelenfeld in Mellrichstadt war natürlich auch der Nachwuchs mit dabei. Foto: Stephanie Kohl

Und so gab es am Stelenfeld in Mellrichstadt zahlreichen Gesprächsstoff für Diskussionen unter den Landwirten. Sie hatten auch ihren Nachwuchs mitgebracht und setzten damit ein Zeichen. Schließlich soll auch die nächste Generation von Landwirten in Deutschland von diesem Beruf leben können.

Positives Fazit

Organisator Jochen Stäblein zieht ein positives Fazit: "Der Zuspruch, den das Mahnfeuer ausgelöst hat, war groß. Wir konnten auf unsere Sorgen und das, was uns wichtig ist, hinweisen". Alles lief in geordneten Bahnen ab und auch die Polizei, die vor Ort war, fand am Mahnfeuer nichts zu beanstanden. Gegen 20 Uhr war die Aktion zu Ende.

Auch in Großeibstadt wurde von den Landwirten ein Mahnfeuer entzündet. Foto: Hanns Friedrich

So wie in Mellrichstadt gab es im Landkreis und darüber hinaus zahlreiche Mahnfeuer. Diese wurden unter anderem in Großeibstadt, Münnerstadt und Poppenlauer durchgeführt. Landwirt Jochen Then aus Burglauer berichtet davon, dass es diese auch in Schildeck, am Kollertshof, in Stadtlauringen und Eltingshausen gegeben habe. An der Aktion teilgenommen haben laut Jochen Stäblein ebenso Landwirte in den Orten Maroldsweisach, Pfarrweisach, Rentweinsdorf, Stettfeld, Augsfeld und Gänheim.

Mahnfeuer der Bauern am Stelenfeld an der A71 in Mellrichstadt. Foto: Björn Hein

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