Mellrichstadt

Mellrichstadt: Reise in die Zeit des Lorenz von Bibra

Dr. Helmut Schlereth, der die Geschichte Mellrichstadts kennt wie kein Zweiter, machte am Samstagnachmittag eine interessante Außenführung um das Alte Schloss Foto: Brigitte Gbureck

Eine Schar kulturell Interessierter hatte sich eingefunden, um eine Außenführung mit Dr. Helmut Schlereth, einem Ur-Mellrichstädter und ausgewiesenen Kenner der hiesigen Geschichte, um das Alte Schloss zu machen. Was hat Lorenz von Bibra mit dem Alten Schloss zu tun? fragte Helmut Schlereth. Bibra war der 56. Bischof von Würzburg, geweiht im November 1495 und geboren in Mellrichstadt. Sein Vater war zu der Zeit hier Amtmann und war 1458 seine dritte Ehe eingegangen. Aus dem Ehevertrag von November 1458 schließt man, dass 1459 sein Geburtsjahr gewesen sein muss. Sein Todestag ist der 5. Februar 1519, begraben ist er im Dom in Würzburg.

Nach seinem Amtsantritt 1496 brannte Mellrichstadt zum großen Teil ab. Man darf annehmen, dass auch die alte Burg beschädigt wurde. Lorenz von Bibra ließ die Burg seiner Kindheit als Schloss in der heute überlieferten Form neu aufbauen. Das Schriftband "Anno Domini 1512" zeigt die Fertigstellung an. 1712 ist ein aufwendiges Brunnenhaus gebaut worden. Die Altstadt Mellrichstadt war räumlich getrennt von der Burg.

Lebensbild des Bischofs und Landesherren wurde treffend gezeichnet

Nach diesen und vielen weiteren interessanten Ausführungen ging es in den Pfarrsaal, wo Prof. Dr. Wolfgang Weiß, Lehrstuhlinhaber für fränkische Kirchengeschichte an der Universität Würzburg, ein Lebensbild des Bischofs und Landesherren Lorenz von Bibra zeichnete. Dr. Weiß zeigte ein Epitaph (Gedenktafel) im Dom zu Würzburg mit dem Abbild Lorenz von Bibras von Tilman Riemenschneider. Höchste Aufgaben im Reich fielen den Familienmitgliedern der Bibras zu. Die „Beibras“ seien laut Dr. Weiß bis in die Vereinigten Staaten gekommen. Lorenz von Bibra wird als rechtschaffener Fürst, frommer Bischof, Vater des Vaterlandes beschrieben mit den Merkmalen "Ruhm, Treue, Frieden, Gottesfurcht und höchster Gerechtigkeitssinn". Er habe ein gutes und friedliches Regiment geführt wird über ihn gesagt.

Er war nicht mit den späteren konfessionellen Problemen behaftet, nicht mit dem Bauernkrieg und seinen Folgen, besaß auch nicht den Makel des Hexenverfolgers. Vielmehr erscheint seine Ära trotz etwas dunklerer Wolken insgesamt als eine hoffnungsvolle Zeit des Aufbruchs. 1518 empfing Lorenz von Bibra Martin Luther auf dem Marienberg, der auf dem Weg nach Heidelberg im Würzburger Kloster der Eremiten Station machte. Vieles spricht laut Dr. Weiß dafür, dass er Verständnis für Luthers Kritik am Ablasshandel an den Tag legte. Er wollte als Friedensstifter wirken und soll Luthers hitziges Verfahren getadelt haben.

Eine der wichtigsten Familien Frankens

Lorenz von Bibra besaß zwei ältere Halbbrüder, Wilhelm und Anton von Bibra, die für seine Karriere wichtig waren. Im 15. Jahrhundert gehörte die Familie mit ihren verschiedenen Linien zu den wichtigsten ritteradligen Familien Frankens. Ab 1400 sind Angehörige der Familie vermehrt in Dom- und anderen Stiftungen zu finden. Die Familie hatte immer äußerst begabte Persönlichkeiten in ihren Reihen. Bei seiner Wahl hatte Lorenz von Bibra eine bemerkenswerte politische und geistige Karriere hinter sich. Bei seinem Studium in Erfurt, Bologna, in Mainz, Köln, Orleans und Paris erwarb er sich die Bildung von europäischem Format auf der Höhe der Zeit und besaß die besten Voraussetzungen für eine Karriere in fürstlichen bzw. kaiserlichen Diensten. Beeindruckend dabei die Mobilität der damaligen Eliten.

Am 12. Mai 1495 wurde der einstimmig gewählte Bischof Lorenz von Bibra in den Dom geführt, um  vom Bistum und Stift Besitz zu ergreifen. Festivitäten und eine prunkvolle Hofhaltung bezeichnen die weitere Regierungszeit Lorenz von Bibras. Er war ein Freund und Förderer des modernen Humanismus. Aus heutiger Sicht ist es schwer, einen solchen Bischof, der vor allem auch Fürst war, zu verstehen. Eine neue Dynamik zog in die Kirche ein. Dabei vergaß er aber nicht seine Verpflichtungen im kirchlichen Bereich. Lorenz von Bibra verstarb im Jahr 1519. Die Besucher waren von den profunden Ausführungen der beiden Historiker sehr angetan. So hatte sich die interessante und informative Nachmittag für alle gelohnt.

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