Mellrichstadt

Mellrichstadt: Workshops für Schüler über jüdisches Leben und Holocaust

Schüler des Martin-Pollich-Gymnasiums Mellrichstadt und der Bad Königshöfer Schulen nahmen an Workshops zu Themen das jüdische Leben und den Holocaust betreffend teil. Zum Thema "Entmenschlicht" hatte eine Gruppe eine Maschendrahtwand und zwei Schüler je einen Waggon und einen aufgehängten Menschen geschaffen. Sara und Uri Atzmon schauten interessiert zu. Foto: Brigitte Gbureck

Nach dem bewegenden Vortrag von Sara Atzmon waren die Schüler der 9. und 10. Klassen des Martin-Pollich-Gymnasiums und der Bad Königshöfer Schulen aufgefordert, in Workshops Themen auszuarbeiten. Über ein halbes Jahr liefen die Vorbereitungen zu diesem Tag. Sara Atzmon und ihr Mann Uri gingen in einzelne Workshops und suchten den Kontakt zu den Schülern. Berührungsängste gab es auf beiden Seiten keine, bereitwillig beantwortete Sara Atzmon die Fragen der Schüler.

Der erste Workshop befasste sich mit jiddischer Musik. Zu "Hevenu shalom alechem" spielte und sang die Projektgruppe, während eine andere Gruppe einen großen Kreis bildete und dazu tanzte. Mit Lehrerin Carola Stelzer griff eine Gruppe die Verarbeitung des Holocaust in der Literatur auf. Sie suchten jüdische Autoren aus, die den Holocaust erlebt haben wie Nelly Sachs oder Anne Frank und sich emotional mit ihren Werken beschäftigt.

Zum Workshop "Jiddische Musik“ mit den Lehrern Urs John und Marcel Steinrichter spielte eine Gruppe "Hevenue shalom alechem", während sich andere Schüler dazu beim israelischen Kreistanz drehten. Foto: Brigitte Gbureck

Judenverfolgung in Kurzgeschichten und Schicksale jüdischer Mitbürger thematisiert

Mit Judenverfolgung und Holocaust in Kurzgeschichten setzte sich eine Gruppe vom Gymnasium Bad Königshofen auseinander. Es waren Geschichten unter anderem von Elisabeth Langgässer, Charlotte Delbo und Max Frisch. Jeder wisse heutzutage, dass es ein sehr großes Verbrechen an der Menschheit war. "Für dich wird sich der Himmel öffnen - Die Geschichte der Malka Rosental" war das Thema überschrieben, das Lehrerin Marion Winnefeld von der Realschule Bad Königshofen mit den Schülern erarbeitete. Malka wuchs ohne Eltern auf, sie hatte Glück und kam bei einer fremden Familie unter, wo sie in einem Fass lebte. Nachdem sich kein Schüler nach vorne wagte, musste Rainer Seelmann vom Gymnasium Bad Königshofen selbst das Ergebnis der Recherche nach den Schicksalen jüdischer Mitbürger vortragen. Sein Wunsch war es, dass es eine Website gibt, wo die Schicksale aller jüdischen Opfer verzeichnet sind.

Mit dem jüdischen Widerstand befasste sich die Gruppe um Lehrer David Henkes. Zwei Texte über den Widerstand im Warschauer Ghetto wurden angesprochen. Im Ghetto sind 50 000 Menschen gestorben. "Wie konnten und können Juden trotz Auschwitz und sogar in Auschwitz noch an ihren Gott glauben?", frage Pfarrer Florian Mucha mit seiner Gruppe. Die Antwort könne der Philosoph Hans Jonas geben. Gott habe die Macht, überall angreifen zu können, aufgegeben und sei somit nicht mehr allmächtig wie bei der Schöpfung. Zwei Workshops befassten sich mit dem Thema "Entmenschlichung". Dazu hatten sie eine Stacheldrahtwand geschaffen, an der viele Aufzeichnungen hingen. Ein Schüler hatte einen kleinen Waggon gebaut und die Geschichte von Sara Atzmon notiert. Ein anderer einen Menschen geschaffen, der aufgehängt und geschlachtet wurde.

Zeitzeugin Sara Atzmon äußerte die Hoffnung, dass etwas geblieben sei

Sara Atzmon hatte Bewunderung für die Workshops und dass jeder von einer anderen Warte aus die Geschichte gesehen habe. Sie hätten mitgefühlt, das gebe ihr Hoffnung, dass etwas geblieben sei. Sie sollten es in ihren Familien weiter erzählen. Die Schüler hatten dann noch Gelegenheit, Fragen an sie zu richten. Beispielsweise, ob sie noch gläubig sei. Ja, das sei sie, antwortete Atzmon. Ob sie jemals die Hoffnung aufgegeben habe? Nein, ohne Hoffnung könne man nicht leben, sagte sie. Und ob sie überlegt habe, sich zu rächen? Sie hasste nicht, Hass isoliere nur.

Warum die Schüler mit diesem Thema konfrontiert worden seien, wollte Uri Atzmon wissen. "Weil wir die Generation sind, die darüber entscheiden kann, dass so etwas nie wieder passiert", wurde ihm geantwortet. Und was macht jeder Einzelne persönlich, damit so etwas nicht passieren wird? Vor allem tolerant sein, mit verschiedenen Menschen agieren und die verschiedenen Religionen akzeptieren, sagte ihm eine Schülerin. Dazu das Statement von Uri Atzmon: "Wenn man Unrecht trifft, egal, wo es ist, soll man reagieren. Jeder persönlich. Unrecht fängt ganz klein an. Wenn man nicht reagiert, wächst es, wenn es groß ist, hilft nichts. Das ist wie mit dem Feuer".

Schulleiter Robert Jäger fand Dankesworte und sprach von einem intensiven und wertvollen Vormittag. Die abschließenden Worte von Uri Atzmon hätten ihn unglaublich beeindruckt. Dank sagte er auch den Hauptorganisatoren Gabriele Seelmann und Pfarrer Lutz Mertten und lobte seine Schüler.

Auch Dekan Mattias Büttner dankte den Schülern für das Interesse. Die Ärzte sängen "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist". Er würde ergänzen "dass sie war so wie sie war. Es ist nur deine Schuld, wenn sie so bleibt." Mit dem gemeinsam gesungenen "Hevenu shalom alechem – wir wollen Frieden für alle" klang dieser denkwürdige Vormittag aus.

In der Schranne in Bad Königshofen präsentiert Sara Atzmon derzeit ihre Werke. Fritz Schroth wird zwei Originalkoffer dazu stellen. Ebenso wird der Koffer dazu gestellt, den der Unslebener Paul Diestel für den Bahnhof in Würzburg geschaffen hat.  

Schlagworte

  • Mellrichstadt
  • Brigitte Gbureck
  • Anne Frank
  • Gymnasien
  • Gymnasium Bad Königshofen
  • Holocaust
  • Juden
  • Judentum
  • Judenverfolgung
  • Kurzgeschichten
  • Lutz Mertten
  • Max Frisch
  • Nelly Sachs
  • Pfarrer und Pastoren
  • Religionen
  • Schülerinnen und Schüler
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!