Merkershausen

Merkershausen: Die neue Dorfchronik ist Leo Hamm gewidmet

Im Sportheim von Merkershausen wurde das neue Buch "Merkershausen - 1225 Jahre bewegte Geschichte" vorgestellt. Das Bild zeigt (von links): Theo Albert, Walter Hamm, Autor Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert, Stadträtin Margit Ziegler, stellvertretenden Landrat Josef Demar, Bürgermeister Thomas Helbling, Stadtrat Anton Schneider, Hiltrud Dürr und Pfarrer Karl Feser. Foto: Hanns Friedrich

"Danke, dass das Werk unseres Vaters Leo Hamm nun vollendet ist," sagte dessen Sohn Walter bei der Buchvorstellung in Merkershausen. Kreisheimatpfleger Reinhold Albert, Autor des Buches, erklärte: "Diese Chronik widme ich in dankbarer Erinnerung Leo Walter Hamm." Innerhalb eines halben Jahres hatte er das 400 Seiten umfassende Buch "Merkershausen - 1225 Jahre bewegte Geschichte" geschrieben. Das sei nur durch die Mithilfe und Unterstützung vieler möglich gewesen. Vor allem konnte er sich auf die Unterlagen von Leo Walter Hamm, dem bekannten Heimatforscher aus Merkershausen, stützen, der ihm vor einigen Jahren seine gesammelten Werke überließ. Diese 20 Ordner mit der Merkershäuser Geschichte befinden sich nun im Archiv der Stadt Bad Königshofen. Albert hat über viele Jahre eng und freundschaftlich mit dem Ortschronisten zusammengearbeitet.

Hamm fand nach der Vertreibung seiner Familie aus dem Sudetenland im Grabfeld eine neue zweite Heimat und kam nach verschiedenen beruflichen Stationen im unterfränkischen Raum nach Merkershausen, dem Heimatort seiner Ehefrau Helene. Hier befasste er sich bis zu seinem Tod 2014 intensiv mit der Geschichte Merkershausens. Albert berichtete, dass die Stadträte Margit Ziegler und Anton Schneider ihn vor einigen Jahren gebeten hatten, Hamms Unterlagen mit den eigenen Erkenntnissen als Buch herauszubringen. Nachdem Merkershausen 2020 die erste urkundliche Erwähnung vor 1225 Jahren feiert, stand fest, dass dazu das Buch zur Ortsgeschichte herauskommen sollte. Dank sagte Albert allen, die Fotos zur Verfügung stellten, Hinweise gaben und ihn bei seinen Nachforschungen unterstützten. Herausgeber ist die Stadt Bad Königshofen, wofür sich der Autor bei Bürgermeister Thomas Helbling bedankte.

Über Marcheres, Schwedenkönig Gustav Adolf und Balthasar Neumann

In einer PowerPoint-Präsentation gab Albert Einblick in sein neuestes Werk und erklärte, dass die erste urkundliche Nennung im Jahre 795 notiert ist, das Dorf aber viel älter sei. Damals hieß der Ort "Marchereshuson", benannt nach dem Anführer der Rodungsbauern, Marcheres. Ganz in der Nähe lag einst Westhausen. Einer Sage zufolge 776 erwähnt, bereits 1317 allerdings eine Wüstung. Dass Merkershausen seit Jahrhunderten mit dem Kloster Langheim in Oberfranken verbunden ist, geht auf eine Schenkungsurkunde der Anna von Henneberg zurück. All das und vieles mehr erfährt man im neuen Buch von Albert.

Als der Schwedenkönig Gustav Adolf mit seinen Truppen ins Grabfeld kam, war eine Vorhut unterwegs, die von Merkershäusern beschossen wurde. Die Schweden zerstörten daraufhin den Ort vollkommen und töteten die Einwohner. Lediglich der Kirchturm blieb stehen. Der Schaden wurde damals auf 21 000 Gulden beziffert. Enorm hoch im Vergleich zu anderen Dörfern, die 4000 Gulden angesetzt hatten. Von einem mühsamen Aufbau berichtet die Chronik, von der Schutzmantelkapelle und davon, dass der berühmte Würzburger Baumeister Balthasar Neumann mehrmals in Merkerhausen war und die Kirche plante. Da dies zu kostenaufwändig war, wurde das Gotteshaus von einem Königshofener Baumeister umgeändert und gebaut. Das neue Buch schlägt einen interessanten und geschichtlich fundierten Bogen bis in die heutige Zeit.

Chronik als eine Reise durch 1225 Jahre Geschichte Merkershausens

Stellvertretender Landrat Josef Demar sprach denn auch von einer gelungenen Buchvorstellung und sagte, dass Helbling stolz auf diesen Stadtteil sein könne. Es habe sich auch gezeigt, dass die Dorfgemeinschaft noch intakt sei. Dank galt Albert und seiner Frau Marianne, die ihm als Korrekturleserin zur Seite steht. Im Namen von Landrat Thomas Habermann dankte Demar dem Kreisheimat- und Archivpfleger, dessen Arbeiten durch Bücher und Chroniken den Landkreis prägen. Helbling stellte fest, dass es immer spannend sei, sich in die Geschichte des jeweiligen Ortes zu vertiefen. 15 000 Euro habe die Stadt für die Chronik in den Haushalt eingestellt. Dank galt den Vereinen, die eine Abnahme garantierten. Die neue Chronik nannte das Stadtoberhaupt eine Reise durch die Geschichte.

Stadträtin Margit Ziegler begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter auch Pfarrer Karl Feser, Kreiskulturreferent Hanns Friedrich und Theo Albert, zuständig für den Satz des Buches. Stadtrat Toni Schneider sagte, dass die anstehende 1225 Jahrfeier sich anbot, solch eine Chronik herauszubringen und dankte Albert sowie der Stadt für die finanzielle Unterstützung. Friedrich, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld, betonte, dass dieses Buch auch ein kleines Jubiläum sei, denn seit 1989 ist es das 50. Werk, das in der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte herausgegeben wird. Sein Dank galt dem unermüdlichen Kreisheimatpfleger und seiner Frau. Wenn man die Seiten hochrechne, die in den vergangenen 30 Jahren geschrieben wurden, könnten es wohl locker zwischen 30 000 und 40 000 sein.

Ziegler dankte auch den Musikern der Blaskapelle Merkershausen für die Mitgestaltung und stellte fest, dass die Chronik sowohl für die jetzige Generation als auch für die Nachwelt von besonderer Bedeutung sei. Die 1225 Jahrfeier findet am 18. und 19. Juli 2020 statt.

Das neue Buch "Merkershausen - 1225 Jahre bewegte Geschichte" gibt es ab sofort in Merkershausen im Kindergarten, geöffnet Montag bis Freitag 7.30 bis 9 Uhr und 15 bis 16 Uhr.

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