Merkershausen

Merkershausen: Von Verwüstungen, Bränden und Hexenverfolgung

So sah Merkershausen um 1900 aus, in der Weth badeten Enten und Gänse. Foto: Reinhold Albert

Im kommenden Jahr begeht Merkershausen seine 1225-Jahrfeier, der Ort wurde um 795 in einer Urkunde des Klosters Fulda zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Noch vor dem Fest wird eine Chronik veröffentlicht, an der Kreisheimatpfleger und Kreisarchivar Reinhold Albert gerade fleißig schreibt. Er kann dabei unter anderem auf den Nachlass des verstorbenen Schulamtsdirektor i.R. Leo W. Hamm zurückgreifen, der in Merkershausen wohnte und sich sehr für die Heimatgeschichte interessierte.

Besiedlung geht bis in die Frühgeschichte zurück

Wer das schmucke Dorf Merkershausen heute sieht, kann sich kaum vorstellen, dass es einen Großbrand erlebte und im Dreißigjährigen Krieg noch einmal fast völlig niedergebrannt und verwüstet wurde. Reinhold Albert greift in der Chronik viele Aspekte aus der wechselhaften Geschichte des Ortes auf, dessen Besiedlung bis in die Vor- und Frühgeschichte zurückgeht. Die Menschen fanden im Grabfeld Wasser und ebenes Land, das sich gut für Ackerbau und Viehzucht eignete.

Kirchenerhebung und Hexenverfolgung

Eine eigene Pfarrei namens "St. Martin" erhielt das Dorf bereits Ende 1310, denn der Ort hatte gemeinsam mit Königshofen strategische Bedeutung an einer wichtigen Verbindungsstraße, die auch nach Sulzfeld/Wildberg führte, wo die Henneberger residierten. Eine Erklärung des Bischofs Andreas von Gundelfingen gilt als Stiftungsbrief für die Pfarrei. Darin ist festgehalten, dass Anna Markgräfin von Brandenburg und Herrin von Henneberg dem Zisterzienserkloster Langheim das Patronatsrecht über die Kapelle in Merkershausen (Merkerhusen) schenkt. Das Kloster Langheim beantragte die Erhebung der Kapelle zur Pfarrkirche, was der Bischof 1310 dem reichen Kloster nicht abschlagen konnte. Die Kirche, wie sie heute noch zu sehen ist, wurde ursprünglich von Balthasar Neumann entworfen, die Pläne wurden vom Königshöfer Maurermeister Johann Michael Schmitt leicht abgeändert, die Einweihung erfolgte 1773.

Dunkle Kapitel in der Geschichte des Ortes werden in der Chronik ebenso beleuchtet, darunter auch die Hexenverfolgung, die nach einem Missernte-Jahr von 1627 bis 1629 ihren Höhepunkt erreichte. Es wird berichtet, dass 50 Personen im Gebiet des Cent-Gerichts Königshofen aus der eigenen Stadt und dem Grabfeld, hauptsächlich aus Ipthausen, Opfer des finstersten Aberglaubens und eines wilden Fanatismus wurden.

Nur die Kirche und sechs Häuser blieben übrig

Ein weiteres, sehr einschneidendes Ereignis war der Einfall des schwedischen Heeres während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), als die Truppen Gustav-Adolfs das Dorf am 9. Oktober 1631 niederbrannten. Die Kirche und ganze sechs Häuser blieben stehen. Die Bevölkerung war, soweit sie das Massaker überlebt hatte, in alle Winde zerstreut. Angesichts dieser Zerstörung ergab sich Königshofen, die Festung der Würzburger Fürstbischöfe. Die Übergabe wurde vom Pfarrer Hartmann ausgehandelt, denn der Festungskommandant hatte sich Richtung Hammelburg abgesetzt. Bis 1634 lagen die "Salvagarden" (Schutzmänner) im Grabfeld und bewachten sechzehn Dörfer und Adelssitze rund um Königshofen.

Die Pläne von Balthasar Neumann für die Merkershäuser Kirche sind noch erhalten, sie wurden vom Königshöfer Maurermeiste... Foto: Reinhold Albert

Der Autor geht in der Chronik auf weitere Kriege und deren Auswirkungen ein, auf Wiederaufbau, Brauchtum und Sagen und den Bau der Eisenbahnstrecke Richtung Bad Neustadt, von der auch Merkershausen profitierte. Der Bau der Mauer und die Eingemeindung nach Königshofen werden erwähnt, die Geschichte von Schule und Kindergarten, die Bildstöcke und die Flurnamen. Den Vereinen sind eigene Kapitel gewidmet, dazu gehören der Gesangverein Cäcilia, die Freiwillige Feuerwehr, der Kriegerverein, der Musikverein, der Siedlerverein, der Sportverein und der Flugsportverein mit eigenem Flugplatz.

Die Chronik soll vor Weihnachten erscheinen

Wie Reinhold Albert mitteilt, soll die Chronik heuer noch vor Weihnachten erscheinen. Sie wird mehr als 350 Seiten haben, dazu an die 400 Bilder. Herausgeber ist die Stadt Bad Königshofen. Wenn es Bürger gibt, die noch interessante Fotos oder Geschichten aus der Vergangenheit beisteuern können, sollen sie sich mit Stadtrat Anton Schneider oder Bruno Scheublein aus Merkershausen in Verbindung setzen. Gefeiert wird am 18. und 19. Juli 2020 mit einer Moonlight-Serenade am Samstag und einem Markt am Sonntag.

Postkarte aus dem Jahr 1905: Kirche, Kapelle, Gasthaus und Schulhaus waren die wichtigsten Gebäude im Ort. Foto: Reinhold Albert

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