Bad Königshofen

Mit dem E-Bike auf eine Reise in die eigene Vergangenheit

1393 Kilometer lang ist das Grüne Band entlang der einstigen innerdeutschen Grenze. Heinrich Pingel ist sie mit dem E-Bike abgefahren und hat ein Buch darüber geschrieben.
Verdiente Rast: Heinrich Pingel am Infopunkt in Breitensee.
Verdiente Rast: Heinrich Pingel am Infopunkt in Breitensee. Foto: Heinrich Pingel

E-Bikes werden in Deutschland immer beliebter, schließlich liegen die Vorteile auf der Hand: Im Vergleich zu einem „normalen Rad“ sind deutlich längere Tagesetappen möglich, außerdem kommt man bei Anstiegen nicht so schnell ins Schwitzen. Diese Erfahrung hat auch Heinrich Pingel gemacht, der 1948 im thüringischen Eichsfeld geboren wurde. Der Pädagoge im Ruhestand ist schon seit geraumer Zeit gerne mit dem E-Bike unterwegs. Doch seine jüngste Tour stellte alle bislang unternommen Exkursionen in den Schatten: Im Jahr 2018 fuhr er mit dem Elektrofahrrad das Grüne Band ab, das sich vom Dreiländereck Bayern-Sachsen-Thüringen entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze bis hin zur Ostsee erstreckt.

Seine Eindrücke und Erlebnisse hat der 71-Jährige in einem 250-seitigen Buch mit 128 Farbfotos und fünf Skizzen zusammengefasst, das zeitlich passend zum Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“ erschien. Im dem Werk mit dem Titel „Grenzgänger“ nennt er die Beweggründe für die 43-tägige Radtour:  Heinrich Pingel ist ein ehemaliges Flüchtlingskind. Er wurde im Jahr 1955 zwar noch in der damaligen DDR eingeschult, kam aber schon ein Jahr später mit seinem Vater in die Bundesrepublik, während die Mutter und seine Brüder in der DDR blieben. „Für mich war die Fahrt entlang der früheren Grenze eine lebensgeschichtliche Reise in meine eigenen Vergangenheit“, erzählt Heinrich Pingel bei einem Besuch in Bad Königshofen.

Gute und schlechte Erinnerungen

Auf seiner Mammut-Tour entlang des Grünen Bandes gelangte Pingel wieder in das thüringische Eichsfeld - und wurde dort mit guten und mit schlechten Kindheitserinnerungen konfrontiert. So suchte er dort nach dem Gedenkstein für seinen zu DDR-Zeiten von einem Mitglied der SED-Kreisleitung auf der Jagd erschossenen Großvater und will nun den genauen Umständen seines Todes nachgehen. Was den Buchautor während seiner über 40-tägigen Fahrt beinahe täglich bewegte: Bei seiner Radwanderung zwischen Ost und west wurden nahezu sieben Jahrzehnte persönlicher und deutsch-deutscher Geschichte gegenwärtig. Weitere Aspekt: Mit seinem Grenzgänger-Buch möchte Heinrich Pingel auch Interesse wecken für möglichst umweltfreundliches Reisen: „Angesichts des immer deutlicher werdenden Klimawandels sollte der Blick verstärkt auf das Reisen mit dem Fahrrad gelegt werden“, meint er.

Lebensgeschichtliche Reise von Ost nach West und zurück: Heinrich Pingel mit seinem Buch „Grenzgänger“ bei einem Besuch in Bad Königshofen.
Lebensgeschichtliche Reise von Ost nach West und zurück: Heinrich Pingel mit seinem Buch „Grenzgänger“ bei einem Besuch in Bad Königshofen. Foto: Alfred Kordwig

Weg auf den Turm versperrt

Mehrere Seiten widmet der Autor dem achten Teilabschnitt des Grünen Bandes zwischen Rieth/Zimmerau und Rothausen/Mendhausen. Auf dem Weg zum geschleiften Dorf Leitenhausen begegnete er einer holländischen Radfahrerin, die mit vollem Gepäck und ohne elektrische Unterstützung die ehemalige Grenze abfuhr.  „Da kam ich mir ganz schön alt vor“, erinnert sich Pingel, der auch auf den Bayernturm bei Zimmerau steigen wollte, es aber nicht schaffte, weil er mit den Tücken des Drehkreuzes nicht zurecht kam. „Mann und Technik …“  kommentiert er das kleine Missgeschick in seinem Buch augenzwinkernd.

Charme der 70er Jahre

Weiter ging die Grabfeld-Etappe entlang des Grünen Bands bis Trappstadt. „Die Kneipe hat nicht mehr geöffnet, kein Einkaufsladen, nur die Filiale einer Bäckerei mit Nebenraum hat geöffnet“, erzählt er in seinem Buch. „Ich bin exotischer Gast bei dem Kaffeekränzchen der älteren Damen, das sich hier jeden Mittwochnachmittag trifft.“ Schließlich kommt Pingel an diesem Tag am Abend in Irmelshausen an, wo er im Gasthaus „Zur Linde“ übernachtet. Angesichts des Gasthof-Ambientes wurden bei ihm Erinnerungen an die gute alte Zeit der 60er und 70er Jahre wach, bevor am nächsten Morgen die neunte Etappe seiner Tour entlang des Grünen Bandes in Angriff nahm: Von Irmelshausen an der Milz ging es weiter nach Weimarschmieden in der Rhön.

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