BURGLAUER

Mit dem Lama durch Rhön-Grabfeld

Spaziergänge mit Lamas und Alpakas werden immer beliebter. Sie sollen entspannend und entschleunigend wirken.

Mokka hat braune Augen, ein freundliches Gesicht, spitze Ohren und ein flauschiges hellbraunes Fell. „Sein Vater ist ein Alpaka, seine Mutter ein Lama“, sagt Birgit Wimschneider und krault dem Tier den langen Hals. Seit über zehn Jahren bietet sie Spaziergänge und Erlebnistouren mit Lamas und Alpakas an. Ruhig guckt sich Mokka seine heutige Trekking-Gruppe an. Lamas schnüffeln nicht hektisch herum oder springen den Menschen an. „Sie sind sehr gelassene und feinfühlige Tiere“, erklärt sie.

Lamas gehören zur Familie der Kamele. Sie erreichen eine Schulterhöhe von 110 bis 130 Zentimeter und ein Gewicht von bis zu 150 Kilogramm. Im Gegensatz zu den Altweltkamelen Dromedar und Trampeltier haben Lamas keinen Höcker. „Sie stammen aus Südamerika und wurden dort als Lastentiere genutzt.“

Zum Reiten sind sie weniger geeignet, weil sie einen Passgang, das heisst es werden beide Beine einer Seite gleichzeitig angehoben. Es gibt einfarbig weiße, braune und schwarze Lamas sowie solche, die in diesen Farben gefleckt oder gemustert sind.

Auf der Orenda Ranch von Birgit Wimschneider in Burglauer (Lkr. Rhön-Grabfeld) leben drei Pferde, zwei Islandponys, fünf Lamas, drei Alpakas, Ziegen, Minischweine, Hühner und Kaninchen. Wimscheider ist Biologin, Reit- und Lamatherapeutin und Mutter zweier Kinder. Über ein ausgemustertes Lama vom Zirkus Roncalli ist sie zu den Tieren gekommen. „Das war Toni. Er lebt heute noch bei uns“, erzählt sie. Wenn sie über ihre Tiere spricht, merkt man sofort, wie sehr sie ihren Beruf liebt.

Orenda kommt aus dem Indianischen und bedeutet „magische Kraft“, und „großer Geist“. „Immer mehr Menschen spüren an diesem Ort ihre schöpferischen Kräfte und ihre Verbindung zur Natur“, sagt Wimschneider. Lamas eignen sich besonders gut für die tiergestützte Therapie.

Die meisten Klienten kommen aus der etwa 18 Kilometer entfernt liegenden Heiligenfeld Klinik in Bad Kissingen. Sie haben Essstörungen, Ängste, Depressionen oder leiden unter dem Burnout-Syndrom. „Vor allem Menschen mit Kontaktstörung profitieren von der tiergestützten Therapie“, sagt sie.

Mokka lässt sich gerne führen. „Meist spüren die Tiere schon, dass wir loslaufen wollen“, sagt Susanne Wagner, die eine Ausbildung zur Tierpflegerin macht. Neben Mokka sind auch die Lamas Feline und Yara mit von der Partie. Wir laufen einen steinigen Pfad entlang. Es ist eng. „Es kommt so gut wie nie vor, dass die Tiere den Menschen auf den Fuß treten und wenn dann tut es nicht weh.“

Als wir einen breiteren Feldweg erreicht haben, beginnt Feline leise zu summen. Bald stimmen die anderen Tiere ein. „Lamas summen, wenn sie sich wohlfühlen“, erklärt Wimschneider. Ab und zu interessieren sie sich auch für einen Strauch, ein Pferd oder knabbern an einer Pflanze.

Heute ist Schertag auf der Orenda Ranch. Dazu ist die Lamaschererin Marina Urbas aus Spremberg (Lkr. Spree-Neiße) angereist. Sie tourt mit ihren speziellen Schermaschinen durch ganz Deutschland und verpasst Lamas eine neue Frisur. „Ich habe selbst 30 Alpakas“, sagt Urbas. „Den ersten Haarschnitt hat ihnen ein Schäfer verpasst und da sahen sie aus wie gerupfte Hühner. Daher habe ich mir selbst das Lamascheren beigebracht und mich darauf spezialisiert.

“ Zuerst ist Lama Lotte an der Reihe. Sie lebt noch nicht lange auf der Ranch und ist noch etwas menschenscheu. Doch Marina Urbas arbeitet schnell: In etwa 10 Minuten ist das Fell ab.

Man schert Alpakas und Lamas regelmäßig, sonst wird es den Tieren im Sommer zu warm. Aus dem Fell gewinnt man Wolle. „Sie ist leicht, schimmert und ist wärmer als Schafwolle“, schwärmt Wimschneider. Daher werde das Fell auch „Flies der Götter“ genannt. Man stellt daraus Decken, Pullover, Socken, Mäntel oder Mützen her.

Lamas spucken im Regelfall nur auf ihre Artgenossen und nicht auf Menschen. „Wenn ein Lama auf einen Menschen spuckt, weist dies oft auf eine Fehlprägung hin“, sagt die Lamaexpertin. Diese Lamas sind dann oftmals aus Zoos oder aus einem Zirkus und hatten in ihrer Prägungsphase zuviel Kontakt mit dem Menschen. Wer einem Lama einmal in die sanftmütigen Augen geschaut hat, wird dies niemals vergessen. Denn in ihren Augen spiegelt sich die Welt – besagt die Legende der Inkas.

Die Besucher erleben das bei den Spaziergängen. Über Stock und Stein und mitten durchs Feld sind wir mit den Tieren unterwegs. Um zu bremsen, legt man die Hand wie eine Schranke vor den Hals des Lamas. „Ich finde die Tiere so gemütlich und friedlich“, sagt Wagner.

Die Lamas nehmen den Menschen so an, wie er ist. Dieses „sich angenommen fühlen“ kann eine heilsame Begegnung sein. Mit ihrer tiergestützten Therapie hat sie bereits viele Patienten erreicht. „Das Summen ist die vorherrschende Sprache der Tiere und das wirkt beruhigend auf den Menschen.“ Die Lamas sind zwar neugierige, aber zurückhaltende Tiere. „Menschen, die am Anfang sehr ängstlich waren, entwickeln schnell ein Vertrauen zu diesen gutmütigen Tieren.“

Rückblick

  1. Wanderung in die Wald-Einsamkeit zum Forsthaus Aurora
  2. Wandern zu den Mühlen: Wie Perlen auf einer Schnur
  3. Museumsbesuch: Wo Persil-Dame auf Marlboro-Man trifft
  4. Gemüse-Raritäten: Kräuter, Kraut, Rüben und Geschichten
  5. Wanderweg: Immer dem Rotweinglas folgen
  6. Die Heldburg: Das Ende des Dornröschenschlafs
  7. Ein Feuchtgebiet inmitten von Flugsand
  8. Franziskusweg: An der Thüringer Hütte zur Besinnung kommen
  9. Schönrain: Die einsame Ruine im Spessart
  10. Ausflugstipp: Mit dem Rad durch die Rhön und das Grabfeld
  11. Kronach: Die kleine Perle in Oberfranken
  12. Vom Steinbruch zum Erlebnispfad
  13. Technikmuseum: Vom Mini-Radio bis zur Dampfmaschine
  14. Wandertour zum Himmeldunkberg in der Rhön
  15. Im Paddelfieber auf der Saale
  16. Der Bamberger liebste Burg
  17. Badespaß im Main bei Schweinfurt
  18. Wasserbüffel im Naturpark Spessart
  19. Erlebnispfad Tretzendorfer Weiher
  20. Die Gamburg im Taubertal
  21. Die Gartenschau in Alzenau
  22. Gastronomische Ziele krönen die Rhönwanderung
  23. Radtouren auf dem historischen Rennweg
  24. Wild und Wald am Klaushof in Bad Kissingen
  25. Traumrunden im Landkreis Kitzingen: Castell ist dabei
  26. Mit dem Lama durch Rhön-Grabfeld
  27. Frauental: Wie eine Zeitreise ins Mittelalter
  28. Floßfahren an der Badebucht
  29. Genussroute: Das Paradies der Weinkönigin

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