BAD NEUSTADT

Nationalpark: Bayern sucht den Superwald

Wasserkuppe/Rhön       -  Wasserkuppe/Rhön
Die Rhön geht mit den Donauauen ins Duell um einen dritten Nationalpark im Freistaat. Nur: Wo soll er hin? Foto: Sonja Demmler

Die Entscheidung, dass die Rhön weiter im Rennen um einen dritten Nationalpark in Bayern bleibt, kam nicht völlig überraschend. Da waren sich die verantwortlichen Politiker, die Gegner und Befürworter des Naturschutz-Großprojektes in der Rhön in ihren Stellungnahmen zum Kabinettsbeschluss vom Dienstag einig.

Länderübergreifendes Projekt mit Hessen

Claus Schenk, von „Pro Nationalpark Rhön“ freut sich, dass es nun auch offiziell um einen länderübergreifenden Nationalpark geht. Das sei der richtige Schritt für einen solchen Park in der Mitte Deutschlands. Für Daniel Wehner vom Verein „Unsere Rhön“, der einen Nationalpark verhindern will, hat es sich angebahnt, „dass die Donauauen und wir im Rennen bleiben“. Wehner fragt, ob das Ex-Landtagsmitglied Robert Kiesel mit seiner Vermutung vor Wochen Recht hatte, dass die Entscheidung schon lange feststand? „Unser Verein hat Horst Seehofer nun ein Alternativ-Konzept vorgelegt, wir nennen es ,Zukunftswald 2100' – mal sehen, ob ihm das gefällt.“

Rhön-Grabfeld-Landrat sieht Entscheidung positiv

Auch Rhön-Grabfeld-Landrat Thomas Habermann (CSU) begrüßt die Kabinettsentscheidung. „Wenn in der Rhön neben der Land- und der Forstwirtschaft ein kleiner Teil der Natur sich selbst überlassen werden kann, dann ist das für uns ein Gewinn“, betont er. Er ist sich sicher, dass dies auch die überwiegende Meinung der hiesigen Bevölkerung sei. Die neue Gebietskulisse hält Habermann für sehr geeignet. Auch deshalb, weil sich die Mehrheit der möglichen angrenzenden Gemeinden positiv für den weiteren Dialog ausgesprochen habe. Zudem sei es sinnvoll, länderübergreifend zu denken. Ganz wesentlich sei, dass nach wie vor Staatswald für einen Nationalpark herangezogen werde. Wie die neue Gebietskulisse konkret aussehen wird, dazu könne man derzeit noch nichts sagen, so Thomas Habermann.

Hier könnte der Nationalpark Rhön entstehen.
Hier könnte der Nationalpark Rhön entstehen.

Zeitdruck ist jetzt weg

Der Bad Kissinger Landrat Thomas Bold (CSU) zeigt sich erleichtert, dass der Zeitdruck weg ist. „Denn nicht alle Kommunen konnten sich bis Mitte Juli festlegen.“ Eine neue Gebietskulisse mit Hessen sieht Bold positiv. Für ihn ist dann aber auch klar, dass an anderer Stelle Flächen aus dem bisherigen Schutzgebietsentwurf wegfallen. Dass Teile des Truppenübungsplatzes Wildflecken jetzt für den Nationalpark im Gespräch sind, hält der Landrat im Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit Hessen für sinnvoll. Er betont aber, dass dabei nur von der Kernzone des Biosphärenreservats die Rede sei und nicht von militärischen Übungsflächen. Gut 700 Hektar Kernzone liegen nach Bolds Angaben auf der hessischen, etwa 400 Hektar auf der bayerischen Seite des Truppenübungsplatzes. Bold geht davon aus, dass in Bezug auf den Nationalpark aber vor allem die hessische Kernzone einbezogen werden soll.

Was den CSU-Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner (Premich) freut, ist die Tatsache, dass man sich im Kabinett offensichtlich Gedanken machte, wie die jeweilige Situation vor Ort ist und dass es stets differenzierte Wahrnehmungen zu diesem Thema gibt. Wichtig ist für ihn auch, dass nun erst mal „der Druck aus dem Kessel genommen“ ist. Er begrüßt es, dass in die Entscheidung über die künftige Gebietskulisse künftig das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit eingebunden wird. Auch mit der hessischen Seite wird man sich abstimmen müssen. „Auf jeden Fall sollte es kein Ad-Hoc-Schuss werden.“

Neue Fragen tauchen auf

Mit der Entscheidung des Ministerrats sind neue Fragen aufgetaucht, die hinter den Kulissen für einige Spannung sorgen. Klar ist, dass die zuständigen Ministerien in Hessen und Bayern nun einen länderübergreifenden Vorschlag erarbeiten werden. Allerdings fragten sich hessische Experten auf Nachfrage, dieser Redaktion, wo die Flächen in ihrem Bundesland gefunden werden sollen. Zum einen gibt es da den Haderwald.

Der liegt aber größtenteils im Truppenübungsplatz Wildflecken, eine weitere Waldfläche zieht sich zum andern von der Wasserkuppe in Richtung Heidelstein, träfe auf bayerischer Seite auf Kommunalwälder der Gemeinde Oberelsbach sowie der Stadt Bischofsheim und auf das naturschutzfachlich hoch eingestufte Naturwaldreserverat Stengers bei Bischofsheim. Für einen Nationalpark sind aber eigentlich nur Staatswaldflächen vorgesehen.

Fuldas Landrat schweigt

Keine Einschätzung zum Thema länderübergreifender Nationalpark wollte Fuldas Landrat Bernd Woide abgeben. Der Landrat des hessischen Rhön-Landkreises sei zu keiner Stellungnahme bereit, erklärte ein Sprecher und verwies auf das hessische Umweltministerium. Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) erklärte dieser Tage auf Nachfrage, dass bei einem Treffen der beiden Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Volker Bouffier vereinbart wurde, auf Arbeitsebene Gespräche über eine mögliche Gebietskulisse zu führen. Eine weitere Einschätzung wollte aber auch sie jetzt nicht abgegeben.

Eine andere Frage ist die nach dem weiteren Ablauf. Mit einem neuen Gebietsvorschlag benötige man mehr Zeit, um wichtige Fragen zu klären. Das hat Birgit Erb, Kreisvorsitzende des Bayerischen Gemeindetags in Rhön-Grabfeld und Bürgermeisterin der Gemeinde Oberelsbach schon vor Wochen bei einem Treffen Rhöner Mandatsträger im Umweltministerium gefordert. Nach ihrer Kenntnis soll der Dialog jetzt möglicherweise bis in den September fortgeführt werden, um dann in die Konzeptphase zu münden, in der Detailfragen eines möglichen Nationalparks erarbeitet werden. Wegweisende Inhalte erhofft sie sich von einer Sitzung des Rhön-Grabfelder Kreistags an diesem Donnerstag.

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