BISCHOFSHEIM

Nationalpark: Bischofsheimer Stadtrat klar für Konzeptphase

Nationalpark: Bischofsheimer Stadtrat klar für Konzeptphase       -  Es war eine lange, sachliche, teils auch kontroverse Diskussion mit einem klaren Ergebnis. Der Stadtrat von Bischofsheimer votierte mit 19 zu zwei Stimmen dafür, dass die Rhön in die Konzeptphase für den möglichen Nationalpark eintreten soll. Mehr folgt in Kürze.
Es war eine lange, sachliche, teils auch kontroverse Diskussion mit einem klaren Ergebnis. Der Stadtrat von Bischofsheimer votierte mit 19 zu zwei Stimmen dafür, dass die Rhön in die Konzeptphase für den möglichen Nationalpark eintreten soll. Mehr folgt in Kürze. Foto: Uwe Zucci/dpa

Es war eine lange, sachliche, teils auch kontroverse Diskussion mit einem klaren Ergebnis. Der Stadtrat von Bischofsheimer votierte mit 19 zu zwei Stimmen dafür, dass die Rhön in die Konzeptphase für den möglichen Nationalpark eintreten soll.

Respektvoller Umgang

Damit folgte das Gremium Bürgermeister Georg Seiffert, der in einer langen Einleitung in das Thema dazu aufgefordert hatte, in der Nationalpark-Diskussion, kritisch und respektvoll zu bleiben. Das Thema sei sensibel, denn es gehe um Heimat. Zudem wolle man unabhängig vom Ausgang danach weiter gut miteinander auskommen.

Der Bürgermeister sprach sich aber auch klar dafür aus, in die Konzeptphase zu gehen. Man habe aus München ein Päckchen mit der Aufschrift Nationalpark erhalten. Nun stehe man vor der Frage, ob man es öffnen und sich den Inhalt anschauen oder es ungeöffnet zurücksenden solle. „Packen wir es aus, schauen wir es uns andern, versuchen wir, es in unserem Sinn zu verändern, und entscheiden dann, ob wir es zurücksenden“, forderte Seiffert das Gremium auf.

Befürchtungen nicht bestätigt

Der Bürgermeister berichtete dann von einem Besuch Rhöner Bürgermeister in den Bayerischer Wald, bei dem er und eine Handvoll Bischofsheimer Stadträte viele Eindrücke und Informationen über den dortigen Nationalpark gewonnen hätten. Bei verschiedenen Treffen sei ihnen bestätigt worden, dass viele der Befürchtungen, die dort vor der Einrichtung des Nationalparks bestanden hätten, sich nicht bestätigt hätten(siehe nebenstehenden Artikel). Auch auf die soziökonomische Studie von Professor Job ging Seiffert ein. Danach werde der Rhön eine positive Entwicklung durch einen Nationalpark prognostiziert, ohne Nationalpark bestenfalls Stagnation.

Am Ende immer noch ablehnen

Seiffert forderte die Stadtratskollegen auf, sich Zeit zu nehmen, in der Konzeptphase alle Themen genau zu durchleuchten und so Antworten auf die vielen vorhandenen Fragen zu erreichen. So gesehen sei Konzeptphase eine Chance. Am Ende könne man immer noch ablehnen und das „Päckchen“ wieder nach München zurückschicken.

„Wir vertun uns nichts, wenn wir in die Konzeptphase gehen“, so das Fazit von Seiffert. Das war dann auch der Satz, der in der folgenden Diskussion immer wieder zu hören war. So Patrick Bauer, der in Bischofsheim bislang kaum eine ablehnende Haltung zu diesem Thema festgestellt hat. Für ihn sind die Chancen eines Nationalparks deutlich höher, als die Nachteile, die es abzumildern gelte.

Große Entwicklungchance

Für Egon Sturm wäre ein Nationalpark in der Rhön mit ihrer negativen Bevölkerungsentwicklung eine Chance, die Attraktivität der Region zu deutlich zu erhöhen und junge Leute zum Hierbleiben oder zum Hierherziehen ermutigen. „Wer jetzt schon sagt, dass er das Angebot ablehnt, hat zu kurz gedacht“, sprach sich auch Sturm für den Eintritt in die Konzeptphase aus. Dem stimmte Jörg Rössler zu. Seiner Ansicht nach müsse keiner direkte Nachteile durch einen Nationalpark erfahren, wenn gut verhandelt würde.

Klare Botschaft nach München

Alfred Thalheimer drückte das noch deutlicher aus. Er forderte ein ganz klares, deutliches Zeichen nach München zu senden. „Ja, wir Rhöner wollen mitmachen!“, müsse die Botschaft heißen. Schließlich stehe man in Konkurrenz zu drei anderen Regionen. Ansonsten vertue man eine wichtige Chance. Ein Nationalpark sei ein Alleinstellungsmerkmal und habe einen ganz anderen Stellenwert wie ein Biosphärenreservat. Gleichzeitig müsse man mehr Informationen nach Außen geben, falsche Bedenken und Panikmache ausräumen.

Kein Konjunkturprogramm

Auch Joachim Schmitt führte seine Erfahrungen aus dem Bayerischen Wald an. Die Arbeitslosigkeit dort betrage 2,2 Prozent, in den Dörfern gebe es Metzgereien, Bäckereien und Gastronomie, die unter anderem vom Tourismus leben.

Zustimmung erntete auch Benjamin Lenhard, der erklärte, ein Nationalpark sei doch an sich kein Konjunkturprogramm. Er stehe für sich selbst für Naturschutz und Biodiversität. Wer das Thema abwürge, den könne er nicht verstehen. Naturschutz sollte etwas wert sein, auch für die Nachkommen, wurde ergänzt.

Fordern statt bitten

Wolfgang Markert brachte den Aspekt in die Diskussion, dass ein Nationalpark auch ein wichtiges touristisches Angebot für Einheimische bedeuten könne. Auch er forderte, in der Konzeptphase intensiv zu verhandeln. Jetzt habe man einmal gute Möglichkeiten, in München Forderungen zu stellen. Ansonsten sei man dort oft nur Bittsteller.

Auch wenn er sich für den Eintritt in die Konzeptphase aussprach, sah Mani Reder das Thema wesentlich kritischer. Es gehe alles viel zu schnell, das Gutachten sei „Kaffeesatzleserei“ und ein Nationalpark werde Einschränkungen bringen, die vorher nicht angekündigt würden, zeigte er sich überzeugt. „Da heißt es aufgepasst!“, forderte er in Bezug auf die möglichen Verhandlungen.

Nationalpark bringt nichts

Rudi Büttner und Christian Enders machten deutlich, dass sie keinen Nationalpark wollen. Für Büttner ist das wenige Wochen dauernde Verfahren überstürzt. Die Leute fühlten sich überrumpelt. Studien, wie die über die Auswirkungen eines Nationalparks seien oft vom Auftraggeber gesteuert. Zudem äußerte er Zweifel an der Verlässlichkeit von Zusagen der Politik, wie sich das bei Wahlversprechen zum Beispiel beim Thema Mehrwertsteuer bewiesen habe. Die Leute blieben nicht wegen eines Nationalparks, sondern wegen der Arbeitsplätze in der Region. Mit Brennholzkonzept und Wildtiermanagement könne er nichts anfangen, das seien nur Schlagworte. „Wir haben eine super Kulturlandschaft“, so Büttner fest. Durch einen Nationalpark würde man nichts gewinnen.

Das unterstützte Christian Enders. „Die werden einfach zehn Millionen in den Raum geworfen und wenn wir eine Umgehungsstraße wollen, dauert es Jahrzehnte.“ Ein Nationalpark bringe nichts, „ich will das Päckchen nicht haben“, so sein Fazit.

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