Nordheim

Nordheim: Auch Kinder können trauern, benötigen dabei aber Unterstützung

Zu einem Gesprächsabend zum Thema "Wenn Kinder mit Sterben und Tod in Berührung kommen" hatte man in Nordheim eingeladen. Dazu referierte Graziella Augelli-Pöppel, Krankenhausseelsorgerin im Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt. Unser Symbolbild zeigt Kerzen an einer Unfallstelle. Foto: Matthias Balk (dpa)

Zu einem oftmals tabuisierten Thema begrüßte Gemeindereferentin Michaela Köller am Gesprächsabend im Pfarrheim Nordheim als Referentin Graziella Augelli-Pöppel, die seit 14 Jahren als Krankenhausseelsorgerin im Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt tätig ist. Es ging um das Thema "Wenn Kinder mit Sterben und Tod in Berührung kommen".

Zu Beginn betonte Augelli-Pöppel, dass es sich um ein natürliches Thema handele, denn Tod und Trauer gehören zum Leben dazu. Als Ziel des Abends nannte sie, Unsicherheiten zu überwinden und die Kompetenz in der Begleitung zu stärken. Hierbei war es ihr ein Anliegen, dafür zu sensibilisieren, welche Bedürfnisse auch bei Kindern im Blick auf den Abschied durch den Tod und die Trauernachsorge vorhanden sind und wie der Umgang damit gelingen kann.

Auch Kinder können trauern, benötigen dabei aber Unterstützung

Die Referentin wies darauf hin, dass es wichtig und richtig ist, auch Kinder Sterben, Tod und Trauer miterleben zu lassen. Dieses Miterleben gehöre zum Lernprozess des Lebens mit Abschieds- und Umbruchsphasen umzugehen und könne auch junge Menschen in der Kindheit stärken, sich an neue Lebensphasen zu gewöhnen. Im Gespräch mit den Teilnehmern entwickelte sich auch ein Austausch über die persönlichen Erfahrung mit dem Thema in der eigenen Kindheit. Wichtig sei vor allem, mit Kindern im Gespräch zu bleiben. Die erste Reaktion von Erwachsenen sei oftmals, Kinder vor dieser Erlebenswelt zu schützen und sie dadurch auszugrenzen. Doch auch Kinder können trauern und gerade hier gelte es, sie zu unterstützen.

Hierauf stellte die Referentin altersgemäße Besonderheiten und Unterstützungsmöglichkeiten vor. Im Kindergartenalter sei die Endgültigkeit des Todes nicht Teil der altersgemäßen Vorstellungswelt. Hier könne es eine Hilfe sein, auf kindliche Fragen durch weiterführende Fragen oder über Bilderbücher ins Gespräch zu kommen. Auch hier gelte es, Kindern die Realität des Todes schrittweise immer wieder geduldig zu vermitteln und über Symbole oder Andenken eine Brücke zu bauen. Je angemessener Kindern der Umgang mit Tod und Sterben auch vorbereitend vermittelt werde, desto besser ließen sich Schockerlebnisse vermeiden.

Schon Grundschulkinder begreifen den Tod als Gegensatz zum Leben

Bei Grundschulkindern beginnen sich neue Verstehensräume zu öffnen. Sie nehmen Krankheit und Unfall als tödliche Gefahren in ihrer kindlichen Phantasie auch für sich und ihre Lebensumfeld als bedrohlich wahr.

Schulkinder im Alter von neun bis zwölf Jahren hätten ein größeres Bedürfnis auf einer sachlichen Ebene informiert zu werden, zum Beispiel über die körperlichen Veränderungen eines Sterbenden. In diesem Alter werde der Tod auch in seiner Endgültigkeit als Gegensatz zum Leben erfahren und reflektiert. Körperliche Nähe, Ermutigung Trauer zuzulassen, Besuch von Trauerorten wie dem Friedhof und Gespräche über den Verstorbenen könnten hier bei der Verarbeitung helfen.

Jugendliche nähern sich in ihren Vorstellungen hinsichtlich Sterben und Tod den Erwachsenen an. Unsicherheit und die Schwierigkeit eigene Gefühle auszudrücken, brächten sie zudem nicht selten in Konflikt mit der pubertären Loslösung vom Elternhaus. Den Jugendlichen sollte die Möglichkeit offen stehen, an den Ereignissen im Zusammenhang mit Sterben und Tod teilzunehmen. Auch sei Geduld im Umgang mit Aggressionen und eine besondere Aufmerksamkeit für destruktive Verhaltensweisen, wie Selbstverletzungen, wichtig.

Klare Rede über das Sterben und den Tod als wichtiges Element

In der Zusammenfassung stellte die Referentin die Wichtigkeit einer klaren Rede über das Sterben und den Tod dar (zum Beispiel "die Oma ist schon so schwach, dass sie nicht mehr essen und trinken kann", "die Oma liegt im Sterben"). Durch diese unmittelbare Information würde auch vermieden, Kinder sprachunfähig zu machen. Nähe herzustellen sein ein wichtiges Element, um das Gefühl von Ausgrenzung zu überwinden und zu vermitteln, dass man gemeinsam den schwierigen Weg schaffen werde. Hierbei sei es bedeutsam, Kindern klarzumachen, dass Trauern Zeit braucht und auch zuzulassen, dass Kinder auf ihre eigene Weise trauern. Gefühle sollten in jedem Fall geäußert werden dürfen und könnten auch gemeinsam durchlebt werden. Gerade im kindlichen Alter sei es dabei wichtig, den Umgang mit Sterben und Trauer im Spiel zu bearbeiten und kindgerechte Rituale einzuüben.

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