Bad Neustadt

Pflegereport Rhön-Grabfeld: Warum Kurzzeitpflege Sorgen bereitet

Einen Angehörigen kurzfristig in Kurzzeitpflege unterzubringen, ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Der Pflegereport für Rhön-Grabfeld zeigt, warum das so ist.
Im Landkreis Rhön-Grabfeld gibt es nicht ausreichend Plätze für Kurzzeitpflege. Unser Symbolbild entstand in einem Seniorenheim außerhalb des Landkreises.  Foto: Angelika Warmuth/dpa

Wie ist die Situation der Pflege in Rhön-Grabfeld? Dieser Frage ging das Institut Modus im Auftrag des Landkreises nach. Modus-Vertreter Manfred Zehe präsentierte die Ergebnisse am Dienstag in der Sitzung des Kreisausschusses.

Um es gleich vorwegzunehmen: Im Augenblick steht der Landkreis in den Bereichen ambulante Pflege, Tagespflege und stationäre Pflege gut da. Das Bild ändert sich, sobald die geburtenstarken Jahrgänge um 2030 in das Alter kommen, in dem sie auf Pflege angewiesen sein könnten.

Wie sieht es bei der ambulanten Pflege aus?

Im Bereich der ambulanten Pflege ist der Landkreis zurzeit laut Zehe überdurchschnittlich versorgt. "Im Augenblick sieht es gut aus, aber es wird nicht so bleiben", kündigte der Fachmann an. Um dem künftigen Bedarf gerecht zu werden, müssten bis dahin jährlich drei bis vier Vollzeitpflegekräfte zusätzlich eingestellt werden. Angesichts des Fachkräftemangels ein Unterfangen, das schwer zu realisieren sein wird. 

Derzeit gibt es im Landkreis 15 ambulante Pflegedienste. Sieben haben gemeinnützige Träger, acht sind in privater Trägerschaft. 513 Mitarbeiter, davon 258 ausgebildete Pflegekräfte, kümmern sich um 2046 Betreute. 

Dass ambulante Pflege durchaus geeignet ist, eine Heimunterbringung hinauszuzögern, zeigen folgende Zahlen: In den vergangenen 15 Jahren stieg die Zahl der Pflegekräfte von 127 auf 258. Die Zahl der Betreuten wuchs im gleichen Zeitraum von 818 auf 2046.

Reichen die Plätze für stationäre Pflege im Kreis? 

Ebenfalls leicht überdurchschnittlich ist die Versorgung mit Pflegeplätzen in Heimen. "Will man dieses gute Niveau aufrechterhalten, ist in Anbetracht des steigenden Bedarfs allerdings mittel-bis langfristig im Landkreis Rhön-Grabfeld ein Ausbau des Pflegeplatzbestandes notwendig", rechnet der Fachmann vor. 

Das sagen die Zahlen: Lebten vor 15 Jahren nur 699 Frauen und Männer in einem Altenheim, so waren es 2018 bereits 1041. Die Zahl der Plätze wird in den kommenden Jahren aufgrund von Umbauten auf 1022 sinken. Zuwächse werden derzeit nicht erwartet. Eine ungute Entwicklung, denn die Statistiker haben errechnet, dass es in 20 Jahren einen Maximalbedarf von 1611 Plätzen geben wird.

Warum ist die Tagespflege ein Erfolgsmodell?

Ein Erfolgsmodell ist die Tagespflege. Viele Menschen wollen in ihrem gewohnten Umfeld alt werden und finden in der Tagespflege ein Betreuungsmodell, das ihren Wünschen und Bedürfnissen entgegenkommt. Zum Stichtag am 31. Dezember 2018 gab es 72 Plätze in Rhön-Grabfeld. Durch die Erhöhung auf 135 Tagespflegeplätze wurde mittlerweile eine durchschnittliche Versorgung erreicht. Bis 2021 sind noch weitere Plätze geplant, daher rechnen die Fachleute mit einer überdurchschnittlichen Versorgung in den kommenden Jahren.    

Wie viele Kurzzeitpflege-Plätze gibt es?

Ein Sorgenkind ist die Kurzzeitpflege: Oft werden alte Menschen in einem Zustand aus dem Krankenhaus entlassen, in dem sie noch nicht in der Lage sind, sich um sich selbst zu kümmern. Darüber hinaus werden Kurzzeit-Pflegeplätze gebraucht, wenn pflegende Angehörige in Urlaub gehen wollen. Tatsächlich gibt es in Rhön-Grabfelds Altenheimen 54 Kurzzeitpflegeplätze. Aber diese existieren oft nur auf dem Papier. Diese Plätze werden nicht das ganze Jahr über vorgehalten und sind, sagte die Leiterin eines Altersheims, extrem arbeitsaufwändig. "Kurzzeitpflege ist für das Personal eine riesige Anforderung, besonders wenn die Gäste nur für eine kurze Zeit kommen", erläuterte Caritas-Kreisgeschäftsführerin Angelika Ochs. 

Dieses Problem hat auch der Gesetzgeber erkannt und will Altenheim-Betreiber mit besonderen Programmen Anreize bieten, mehr Kurzzeitpflegeplätze vorzuhalten. Landrat Thomas Habermann begrüßte diese Initiative. "Wenn wir weiter häusliche Pflege wollen, muss man den Pflegenden auch Kurzzeitpflege für ihre Angehörigen anbieten", sagte er.   

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