HERSCHFELD

Pittner: Raus aus der Wohlfühlzone – Rein in den Landtag

Mit dem Freien Wähler Gerald Pittner aus Herschfeld gibt es wieder einen Landtagsabgeordneten aus Rhön-Grabfeld.
Mit dem Freien Wähler Gerald Pittner aus Herschfeld gibt es wieder einen Landtagsabgeordneten aus Rhön-Grabfeld. Foto: Gerhard Fischer

Am Dienstagnachmittag gegen 16.30 Uhr sitzt Gerald Pittner im Auto auf dem Weg nach München. Am Morgen war klar, dass das Leben des Bad Neustädter Amtsrichters mit Wohnsitz in Herschfeld noch einmal ordentlich durcheinandergeraten wird. Dienstagfrüh hatte Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler in Bayern, persönlich in Bad Neustadt angerufen und zum Listenplatz für den 58-Jährigen im Maximilianeum gratuliert. Am späteren Nachmittag war dann auch auf der offiziellen Landtagswahl-Seite zu lesen, dass Pittner mit 23 508 Gesamtstimmen ordentlich in Unterfranken punktete.

Im zweiten Anlauf erfolgreich

„Natürlich bin ich ganz begeistert“, spricht Pittner in die Auto-Telefonanlage über seine Gefühlslage. Im zweiten Anlauf nach 2013 hat es also geklappt: Zusammen mit der Arnsteiner Bürgermeisterin Anna Stolz vertritt er Unterfranken im Bayerischen Landtag für die Freien Wähler, dem erklärten Lieblings-Koalitionspartner von Markus Söder.

Dafür ist Pittner unterwegs in die Landeshauptstadt, denn schon am Dienstagabend um 19 Uhr ist die erste Fraktionssitzung der Freien Wähler im Maximilianeum anberaumt. „Ich soll mich an der Pforte melden, denn ich habe ja noch gar keinen Ausweis für das Maximilianeum“, schmunzelt der Herschfelder ins Telefon. „Ich bin wohl so etwas wie ein Kaiser ohne Kleider“, witzelt der Rhöner.

Zeiten des Übergangs

So sind sie, die Zeiten des Übergangs. „Ja, alles fließt“, muss sich Gerald Pittner nun völlig neu orientieren. Das betrifft auch seine kommunalpolitische Arbeit, die ihm nach elf Jahren Parteieinsatz nun den Platz im Maximilianeum beschert. „Ich muss schauen, ob ich die Stadtratsarbeit weiterführen kann. Das möchte ich auch, aber es hängt auch von den Sitzungszeiten in München ab. Nur den Titel Stadtrat zu tragen, das will ich nicht“, sagt Pittner.

Sein Kreistagsmandat werde sich wohl leichter mit den Münchner Aufgaben vereinbaren lassen. Seinen Kreisvorsitz bei den Freien Wählern und ähnliche Posten werde er aber wohl aufgeben müssen.

Turbulenter Anfang

Am Dienstag hat Pittner nach sechs Wochen Urlaub für die Wahlkampfarbeit wieder im Amtsgericht gearbeitet. Das wird er auch am Mittwoch tun, allerdings etwas später. „Ich weiß nicht, ob ich in München übernachte oder nachts noch zurückfahre“, beschreibt der Neu-Landtagsabgeordnete am Dienstagnachmittag die herausfordernde Situation für den Landtags-Neuling. „Aber ich habe das ja gewollt, ich bin angetreten, Verantwortung zu übernehmen“, ergänzt Pittner.

Ein ganz besonderes Gefühl sei es, dass mit ihm wieder ein echter Rhön-Grabfelder im Landesparlament sitzt. Mit dem CSU-Staatssekretär Bernd Weiß hatte 2013 der letzte Kreis-Politiker dem Maximilianeum den Rücken gekehrt.

Kein Wort zu Ministerposten

Ganz frisch in den Landtag gewählt, hält sich Gerald Pittner aber am Dienstag noch mit starken Forderungen zurück. Zwar hat Fraktionschef Hubert Aiwanger schon vor Beginn der Koalitionsgespräche drei bis fünf Ministerposten für die Freien Wähler gefordert. Welche das sein könnten, darüber will Pittner nicht spekulieren:„Da halte ich mich jetzt dezent zurück. Denn wer viel fordert, kriegt wenig“, bemüht er ein weises Sprichwort.

Ländlicher Raum und Justiz

Für ihn persönlich sind die Schwerpunkte seiner Münchner Arbeit gesetzt: „Ich will mich um die Stärkung des ländlichen Raumes kümmern. Und durch meinen beruflichen Hintergrund ist klar, dass die Themen Sicherheit und Justiz Schwerpunkte sein werden.“

Sagt's und fährt weiter in Richtung Landeshauptstadt. Zuhause hängen Frau und Tochter derweil die Wahlplakate ab. Sie haben ihren Dienst getan. Es ist Arbeit, die am Montag liegen geblieben war. Den idyllischen Garten mit den Apfelbäumen wird Gerald Pittner schon bald nicht mehr so häufig sehen und genießen. Aber Gerald Pittner wollte es nicht anders: „Ich will etwas erreichen für diese Region. Darum habe ich meine Wohlfühlzone verlassen.“

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