HERSCHFELD

Pittners Zitterpartie um den Einzug

Von wegen abgehängt: Gerald Pittner lieferte sich am Montagnachmittag noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinen unterfränkischen Mitbewerbern. Aber bis Redaktionsschluss war noch nicht klar, ob es der Freie Wähler aus Rhön-Grabfeld in den Landtag schafft.
Von wegen abgehängt: Gerald Pittner lieferte sich am Montagnachmittag noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinen unterfränkischen Mitbewerbern. Aber bis Redaktionsschluss war noch nicht klar, ob es der Freie Wähler aus Rhön-Grabfeld in den Landtag schafft. Foto: Gerhard Fischer

Am Montagvormittag wollte Gerald Pittner das machen, was das Gesetz vorschreibt: Nach der Landtagswahl müssen die Wahlplakate schnellstmöglich wieder abgehängt werden. Mit seiner Frau Gabi wollte er sich aufmachen, die Plakate mit seinem Konterfei einzusammeln. Mit denen hatte der Rhön-Grabfelder Freie-Wähler-Chef für seinen Einzug in das Maximilianeum geworben.

Ärger mit einer Maus

Allerdings konnte Pittner nicht mit diesem Gegner rechnen: „Eine Maus hat bei uns ein Stromkabel zerbissen und den Fernseher erwischt“, hatte es Pittner mit einer ganz unerwarteten Front am Montag nach der Wahl zu tun. Das Malheur machte gar einen Besuch mit dem Familienhund beim Tierarzt nötig.

Als Listenkandidat auf Platz 1 der Freien Wähler in Unterfranken waren im Vorfeld der historischen Wahlnacht in Bayern Pittners Chancen auf einen Landtagssitz eigentlich als hoch bewertet worden. Allein, am Montagvormittag war von dieser Sicherheit nichts zu spüren. „Nein, nach derzeitigem Stand sieht es nicht so aus“, antwortet Pittner auf die Reporterfrage, ob er sich bald eine Wohnung in München nehmen müsse. Zu diesem Zeitpunkt waren die Freie-Wähler-Kollegen Frank Stierhof (Direktkandidat) aus Kitzingen und Anna Stolz (Arnstein) noch vor Pittner.

Erinnerungen an 2013

Die Situation dürfte den Amtsrichter aus Herschfeld an seine letzte Kandidatur vor fünf Jahren erinnert haben. Damals stand er am Montag nach der Wahl gegen 18 Uhr auf Platz 2 der Wahlliste seiner Partei und hätte eines der zwei unterfränkischen Mandate erreicht. Aber damals waren wichtige Wahlkreise in Aschaffenburg und im Spessart nicht ausgezählt. Am Ende wurde 2013 doch nichts aus einem Sitz für Pittner im Landtag.

Mit Pittner wäre nach neun Jahren wieder ein echter Rhön-Grabfelder im bayerischen Parlament vertreten. Zuletzt machte dort Bernd Weiß, damals noch mit Wohnort Bahra, Politik als CSU-Staatssekretär, ehe er 2009 aus Ärger über Horst Seehofer erst seinen Staatssekretär-Posten aufgab und dann 2013 aus dem Maximilianeum schied.

Einziger Kandidat mit Aussichten

Immerhin stand gegen Montagmittag fest, dass für die Freien Wähler Unterfrankens zwei Sitze im Parlament sicher sind. Also bestand immer noch Hoffnung für Gerald Pittner. Der war recht schnell der einzige Rhön-Grabfelder Aspirant auf einen Sitz. Yatin Sha aus Bad Königshofen, der für die Grünen im Stimmkreis Bad Kissingen angetreten war, war ebenso chancenlos wie die CSU-Kandidatin Juliane Demar aus Großbardorf, nachdem sogar das CSU-Urgestein Barbara Stamm kein Direktmandat mehr erringen konnte für Unterfranken. Die 25-jährige Grabfelderin Demar muss also ebenso auf den Einzug ins Maximilianeum verzichten wie schon ihr Vater Josef im Jahr 2015.

50-Prozent-Chance am Nachmittag

Nachdem Pittner am Wahlsonntag schon seine Chancen für München schwinden sah, konnte er am Montagnachmittag plötzlich wieder hoffen: „Die Chancen stehen plötzlich wieder Fifty-fifty“, so Pittner, der sich auf einem Block Erst- und Zweitstimmen der Mitbewerber notiert hatte.

Wie es auch sei: Es wird wohl den Dienstag brauchen, bis Gerald Pittner Klarheit hat: über eine politische Zukunft in München für einen Rhön-Grabfelder.

Steckbrief

Name: Gerald Pittner Alter: 58

Wohnort: Herschfeld

In der Partei engagiert seit: Seit 2007 Mitglied der Freien Wähler.

Ausbildung/beruflicher Werdegang: 1979 Abitur in Bad Neustadt; Jura-Studium ab 1980; Erstes Staatsexamen 1986; Referendarzeit am Amtsgericht, Landgericht, bei der Staatsanwaltschaft Augsburg, der Stadt Augsburg, der Regierung von Oberbayern sowie beim German Trade Office in Taipeh; das Zweite Staatsexamen legte er 1989 ab, bevor er im selben Jahr Staatsanwalt in Traunstein und danach in Chemnitz war.

Richter am Amtsgericht Bad Neustadt und Bad Kissingen (1990-1993); Vormundschaftsrichter und Strafrichter am Amtsgericht Bad Neustadt (1993-1998); seit 1998 Vormundschaftsrichter, Zivilrichter, Strafrichter, Schöffenrichter und Familienrichter am Amtsgericht Bad Neustadt.

Familienstand: verheiratet, eine Tochter.

Soziale Medien: Facebook: www.facebook.com

www.geraldpittner.de

Ehrenämter: Stadtrat Bad Neustadt, Kreisrat Rhön-Grabfeld; Vorsitzender der Freien Wähler Rhön-Grabfeld seit 2011; seit 2014 stellvertretender Vorsitzender der Freien Wähler Unterfranken.

Hobbys/Interessen: Motorradfahren, Reisen, gutes Essen.

Schwerpunkte der politischen Arbeit: Sicherheitspolitik, Gesundheitspolitik, Digitalisierung, Stärkung des ländlichen Raumes.

Rückblick

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Herschfeld
  • Gerhard Fischer
  • Amtsgericht Bad Neustadt
  • Anna Stolz
  • Barbara Stamm
  • Bernd Weiß
  • Freie Wähler
  • Gerald Pittner
  • Horst Seehofer
  • Juliane Demar
  • Landtagswahl BY 2018 im Landkreis Haßberge
  • Staatsexamen
  • Strafrichterinnen und Strafrichter
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!