Gollmuthhausen

Reinhold Fiderer malt Melanchthon nach Lucas Cranach

In der evangelischen Kirche von Gollmuthhausen findet man das Gemälde von Philipp Melanchthon, das der Irmelshäuser Künstler Reinhold Fiderer gemalt hat. Als Vorlage diente ihm die bekannteste Darstellung von Lucas Cranach. Foto: Hanns Friedrich

Es war ein besonderes Geschenk, das sich die evangelische Kirchengemeinde Gollmuthhausen zum 200. Geburtstag gemacht hat: Ein Gemälde, das Philipp Melanchthon darstellt. Gemalt wurde es von dem freischaffenden Künstler Reinhold Fiderer aus Irmelshausen. Rund 100 Stunden hat er dafür aufgewendet und das Bild nach einer Vorlage von Lucas Cranach gemalt. Und zwar in einer Öl-Mischtechnik auf Leinwand, wie der Künstler im Gespräch mit dieser Redaktion verrät.

Kurz beschreibt er sein Vorgehen. Zunächst entsteht eine Zeichnung, danach folgt die sogenannte Untermalung, das heißt, das Bild entsteht in einem Grauton, schließlich kommt die farbige Lasur dazu. "Es ist eine recht aufwändige Technik," erklärt Fiderer. Das Gemälde von Philipp Melanchthon ist  in der Kirche von Gollmuthhausen das "Gegenstück" zu einem Bild, das den Reformator Martin Luther zeigt, das im 19. Jahrhundert entstanden sein dürfte.

Reinhold Fiderer kommt aus München und ist gelernter Kirchenmaler. Im Grabfeld hat er vor einigen Jahren eine neue Heimat gefunden und bereits Spuren hinterlassen. Etwa an der Fassade der Aubstädter Grundschule und des Bienenzentrums oder in der Kapelle in Kleineibstadt, für die er die Kirchenfenster restaurierte. Ein weiteres Werk von ihm ist das Wasserbecken vor dem Irmelshäuser Kriegerdenkmal. Dort spiegelten sich dann die Besucher und das Denkmal, womit der Künstler eine Verbindung zwischen Denkmal und Gästen herstellen will. Er fertigte auch ein Gemälde von Martin Luther, das er der Kirchengemeinde zum 500-jährigen Jubiläum der Kirche von Irmelshausen schenkte.

Pfarrer spricht bei Gemälde von Melanchthon von einem neuen Gemeindemitglied 

Zu Lucas Cranach ist bekannt, dass dieser 1472 geboren wurde und als einer der bedeutendsten Maler, Grafiker und Buchdrucker der Renaissance gilt. Er war ab 1505 Hofmaler am kursächsischem Hof. Neben zahlreichen Altarwerken fertigte er vor allem eine große Anzahl an Portraits seiner Dienstherren, sowie der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Mit der Darstellung Philipp Melanchthons auf dem Gemälde in der Gollmuthhäuser Kirche habe man ein neues Gemeindemitglied bekommen, sagte der evangelische Pfarrer Florian Mucha bei der Enthüllung im Rahmen des Jubiläumsgottesdienstes. Rund 2000 Euro kostete das Gemälde, wovon bereits knapp die Hälfte als Spenden bei der Kirchengemeinde eingegangen sind, sagt Kirchenvorsteher Detlef Deutsch.

"Wer Christus hat, der hat alles und kann alles." So steht es auf dem neuen Bild von Philipp Melanchthon, sagt Pfarrer Florian Mucha. Kürzlich hat er in einer Predigt mehr zu Melanchthon erzählt. Philipp Schwartzerdt, so sein Familienname, war hochbegabt und wurde schon früh von seinem Großvater durch einen Lateinlehrer gefördert. Mit neun Jahren besuchte er die Lateinschule in Pforzheim und widmete sich auch der griechischen Sprache. Dabei kam er zu einem der berühmtesten Gelehrten der neuen Bewegung namens Humanismus, Johannes Reuchlin. Der war von dem Jungen so angetan, dass er ihm einen neuen Namen verlieh: Melanchthon. "Es ist dies der Familienname, nur in wohlklingendem Griechisch," sagte Pfarrer Mucha. 1518 wurde ein neuer Lehrstuhl an der Universität Wittenberg für Griechisch und Hebräisch installiert. Johannes Reuchlin schlug dem Kurfürsten dafür Philipp Melanchthon vor.

Martin Luther hielt immer zu Melanchthon

Hier lernten sich Martin Luther und Melanchthon kennen,  wurden später enge Weggefährten. Melanchthon als Quellenforscher und Sprachenprofi, Luther als Profi der Auslegung der erschlossenen Quellen. Trotz vieler Querelen hielt Luther immer zu Melanchthon, und Melanchthon immer zu Luther. Beide hatten dieselbe Vision vor Augen: Den Menschen zu sagen: Vertrau auf Gott, vertrau auf Jesus Christus, dann kann dir nichts passieren. Auch heute könne man viel von Philipp Melanchthon lernen, sagte Pfarrer Mucha der Gemeinde: Gemeinsam, als Freunde, trotz mancher Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten, kann man Berge versetzen. "Melanchthon hatte damals Recht, und er hat auch heute noch Recht: Wer Christus hat, hat alles und kann alles."

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