Waldberg

Rettung vor dem Verfall: Wie eine Schmiede umzieht

Die ehemalige Schmiede wechselt ihren Standort von Waldberg nach Fladungen. Das hätte kaum jemand für möglich gehalten.
Fest verpackt haben die Mitarbeiter des Freilandmuseums die Fachwerkwände des Gebäudes. Foto: Eckhard Heise

Das hätte sich Eugen Hofmann zu seinen Lebzeiten wahrscheinlich nicht gedacht, dass seine Werkstatt eines Tages noch einmal auf Reise geht und eine neue Heimat bekommt. Auch Sohn Benno erlebt das nicht mehr, nur Schwiegertochter Helene ist  dabei, als die kleine Schmiede auf Wanderschaft von Waldberg nach Fladungen geht.

Nicht gerade ein Schmuckstück war das kleine Gebäude, aber dafür noch komplett mit einer Esse und sämtlichen Werkzeugen ausgestattet. Das habe den Ausschlag für die Translozierung – so der Fachausdruck für das Versetzen eines Gebäudes – gegeben, erklärt Ariane Weidlich, Leiterin des Freilandmuseums Fladungen.

120 Jahre altes Gebäude

Das Gebäude dürfte etwa 120 Jahre alt sein, schätzt die Museumsleiterin. In Gemeindedokumenten taucht die Schmiede 1934 zum ersten Mal auf, als ein Bauantrag für die Einrichtung einer Werkstatt gestellt worden ist. Damals sei wohl die Esse mit Schornstein und einer steinernen Rückwand eingebaut worden. Die anderen drei Wände bestehen aus Fachwerk, die jeweils im Ganzen verladen werden. Die aus Brandschutzgründen mit Bimsstein errichtete Rückwand trugen die drei Mitarbeiter des Museums Stein für Stein ab, damit sie später wieder aufgebaut werden können.

Das Problem beim Verladen: Die Schmiede stand unmittelbar hinter dem kleinen Wohnhaus des einstigen Besitzers. Daher musste der Kran ein ganzes Stück entfernt platziert werden, als eigentlich notwendig, schildert die Museumsleiterin.

Auf einem Tieflader geht es nach Fladungen. Foto: Eckhard Heise

Bis in die 80er Jahre war die Schmiede gewerblich in Betrieb, erzählt Schwiegertochter Helene Hofmann weiter. Außer der Schmiede ihres Schwiegervaters habe es noch eine zweite im Dorf gegeben. In erster Linie wurden landwirtschaftliche Geräte repariert und gebaut, aber auch Pferde beschlagen. Nach dem Tod des Eigentümers habe ihr Ehemann die Werkstatt - eher hobbymäßig - bis zu seinem Ableben vor zwei Jahren benutzt. Daher verfolge sie die ganze Aktion auch mit ein wenig Wehmut, räumt die Seniorin mit trauriger Stimme ein. Sie beteuert, dass sie erst gar nicht habe zuschauen wollen.

Vielleicht ist es ein Trost für sie, dass später einmal die Schmiede mit neuem Leben erfüllt werden soll. Ariane Weidlich erklärt, dass die Werkstatt als Schauschmiede wieder voll funktionsfähig gemacht werden soll. Aber erst einmal muss die Einrichtung wieder aufgebaut werden. Der neue Standort befindet sich neben der Büttnerei. Die Arbeiten werden voraussichtlich noch bis 2021 dauern, weil sie komplett durch die Handwerker des Museums erledigt werden. Das braucht zwar mehr Zeit, sei aber erheblich günstiger, als eine Fremdfirma zu beauftragen. So liegen die reinen Baukosten samt Translozierung bei rund 120 000 Euro.

          

           

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