Reyersbach

Reyersbach: Bäckerei Euring nach drei Monaten wieder geöffnet

Krankheitsbedingt war die Bäckerei Michael Euring in Reyersbach ein Vierteljahr geschlossen. Über die Arbeit in einem Familienbetrieb, in dem es nur einen Bäcker gibt.
Haben wieder geöffnet: Anne und Michael Euring im Verkaufsraum der Bäckerei in Reyersbach.
Haben wieder geöffnet: Anne und Michael Euring im Verkaufsraum der Bäckerei in Reyersbach. Foto: Anja Behringer

Seit dem 1. April ist die Bäckerei Euring in Reyersbach wieder geöffnet. Der letzte Arbeitstag davor war Heiligabend 2019. Für ein Vierteljahr ruhte die Arbeit in der Bäckerei. Grund dafür war die Hüft-OP des Bäckers. Wenn Michael Euring nicht in der Backstube stehen kann, muss der ganze Betrieb still stehen.

Keine Brötchen ohne Bäcker

Eigentlich habe er die Operation noch eine Weile hinausschieben wollen, erzählt Michael Euring, aber dann sei er im November 2019 wegen Schmerzen beim Arzt gewesen. Der Arzt hätte ihn am liebsten noch im Dezember operiert. Doch er habe etwas Vorbereitungszeit gebraucht, um alles im Betrieb zu regeln. Da stehe man schon vor der Frage: "Was machst du nun?", so Euring.

Seine Gesellin musste bereits vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit in der Backstube aufgeben. Ohne Michael Euring selbst konnte die Bäckerei nicht weiterlaufen. Nun fehlen ihm die Einnahmen von drei Monaten

Früher wieder mit der Arbeit zu beginnen, wäre mit gesundheitlichen Risiken verbunden gewesen, erklärt Euring. Die Entscheidung sei deshalb auf die dreimonatige Schließung gefallen: "Wenn, dann machen wir's richtig", so Euring. Die Operation und der Heilungsprozess seien gut verlaufen. Allerdings stehe das Ganze wahrscheinlich im nächsten Jahr nochmal an – dann an der anderen Hüfte.

Kollegen übernehmen Lieferungen

Seine Backwaren verkauft Michael Euring direkt in der Bäckerei in Reyersbach. Zusätzlich betreibt er ein Verkaufs-Auto, das an bestimmten Tagen in verschiedenen Ortschaften in der Umgebung Station macht. 

Die Bäckerei Michael Euring in Reyersbach.
Die Bäckerei Michael Euring in Reyersbach. Foto: Anja Behringer

Außerdem beliefert der Bäcker unter anderem die Dorfläden in Bastheim und Unsleben sowie Edeka Vöth in Wollbach. Diese Lieferungen haben während der Schließung seiner Bäckerei Kollegen für ihn übernommen. Dabei sei klar gewesen, dass er die Lieferungen nach dieser Zeit wieder selbst machen wird und nicht etwa dauerhaft an die Kollegen abgeben muss. Das sei eine ganz tolle Sache, sagt Euring: "Bei uns herrscht noch Kollegialität in der Innung".

Betrieb vom Vater übernommen

Die Bäckerei in Reyersbach habe schon sein Vater geführt – ab 1974, erzählt Michael Euring. "Ich bin dann 1983 miteingestiegen", sagt er. 1985 habe er seine Gesellenprüfung gemacht und den Betrieb 1998 schließlich übernommen. Er führt ihn nun seit 22 Jahren. 

Es gebe immer weniger kleine Bäckereien, sagt Euring. Ihm selbst gefällt sein Beruf."Die Arbeit in der Backstube macht mir schon Spaß", sagt er. Allerdings werde es immer schlimmer mit der Bürokratie. "Das nimmt immer mehr Zeit in Anspruch." Immer wieder ändere sich etwas bei den Computer-Programmen, auf Listen müsse dokumentiert werden, was wann geputzt wird und die Kühlschränke müssen täglich kontrolliert werden, gibt er einen Einblick. "Das gab's früher nicht und die Leute haben auch gelebt", sagt er dazu.

In der Backstube steht er allerdings gerne. "Ich kann immer was Neues machen. Das mach ich gerne", sagt er. Das sei auch eine Stärke von einem Kleinbetrieb. Wenn er ein neues Produkt einführen möchte, kann er das machen, wann er will und muss die Herstellung nicht erst anderen beibringen. "Wenn mir was einfällt, dann probier ich das und wenn's klappt, dann mach ich das", sagt er. So könne es schon mal passieren, dass seine Frau morgens zur Arbeit kommt und er ihr mitteilt, dass sie jetzt wieder einen neuen Backartikel im Sortiment haben.

500 Brötchen in der Stunde

Der Arbeitstag beginnt für Michael Euring normalerweise nachts um 1.30 Uhr. Freitags fängt er schon abends gegen 22.30 Uhr an. "Ich schlafe eigentlich immer in Etappen", sagt er: Abends rund zwei Stunden und nachmittags nochmal zwei bis drei Stunden. 

"Ich suche ja die ganze Zeit einen Bäckergesellen", sagt Euring. Es sei aber schwierig, jemanden zu finden. Allein sei die Arbeit mit anderen Arbeitszeiten nicht zu bewältigen. Das meiste werde noch in Handarbeit erledigt. Eine Person könnte so 500 bis 600 Brötchen pro Stunde herstellen, aber "da musst du schon ranklotzen". 

"Wir machen das alles selbst. Das ist Handwerker-Ehre."
Bäcker Michael Euring

Zudem habe er ein relativ großes Sortiment: "Ich muss ein großes Sortiment bieten, damit die Leute zu mir kommen", sagt Euring. Das sei der Anreiz für seine Kunden, nicht einfach woanders einzukaufen, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit. Es müsse Sachen geben, die es nur bei ihm gibt. "Ein bisschen was Besonderes – das klappt bis jetzt ganz gut".

Bevor er am 1. April wieder geöffnet hat, hatte er ein wenig Sorge, dass sich die Kundschaft möglicherweise etwas verlaufen hat. Das sei aber nicht der Fall gewesen: "Vom ersten Tag an war das echt top", sagt er.

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