Bad Neustadt

Rhön-Grabfeld: Eine Bilanz der Umwelt- und Klimaprojekte

Die Wegwarte sieht man derzeit häufig an den Straßenrändern. Erste Erfolge habe das Umdenken beim Mähen von Begleitgrün schon gebracht, wurde im Umweltausschuss festgestellt. Foto: Regina Vossenkaul

Was geschieht bereits im Landkreis Rhön- Grabfeld für den Umwelt- und Klimaschutz? Diese Frage stellte sich Landrat Thomas Habermann angesichts der demonstrierenden Schüler und der Forderungen des Volksbegehrens "Rettet die Bienen – mehr Artenvielfalt". Er gab eine Bilanz in Auftrag, die nun im Kreisausschuss für Umwelt- und Naturschutzfragen vorgetragen wurde.  

"Die Gesellschaft ist in Wallung geraten"

"Die Gesellschaft ist in Wallung geraten", stellte der Landrat fest. Was ihm fehle, sei die Diskussion darüber, was jeder Einzelne tut, um seinen CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Schon im Jahr 2000 habe man gemeinsam mit Bad Kissingen ein Energienutzungskonzept aufgestellt, berichtete der Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung, Jörg Geier. Dieses gab den Anstoß für viele Entwicklungen, zum Beispiel die Biogasanlagen. Eine Energieagentur wurde gegründet, die allerdings nur spärlich genutzt und schließlich eingestellt wurde. Die Aufgabe die Bürger neutral bei energetischen Fragen zu beraten übernahm bis heute der Energiespar-Kreis, über den Ulrich Leber, Chef der Bad Neustädter Stadtwerke, berichtete. Das Beratungsangebot wird von der VR-Bank und der Sparkasse als Sponsoren unterstützt, mit dabei sind Rhön-Gas, Überlandwerk Rhön, die Stadtwerke Bad Neustadt und qualifizierte Energieberater.

Einblick in die Öko-Modellregion"

Projektmanagerin Corinna Ullrich gab einen kurzen Einblick in die Arbeit innerhalb der "Öko-Modellregion" und erinnerte an das Ziel des Landesprogramms "Bio-Regio-Bayern 2020", das eine Verdopplung der Bioproduktion in Bayern bis 2020 anstrebt. In den Ökomodellregionen wie Rhön-Grabfeld wird die Umstellung der landwirtschaftlichen Erzeugung auf "Bio" unterstützt, ebenso die Verarbeitung und Vermarktung, außerdem geht es um Informationen und Bewusstseinsbildung. Die Steuerungsgruppe besteht aus der Stabsstelle des Landratsamtes, dem AELF, dem BBV, dem Bund Naturschutz, der ARGE Biobauern und den Sprechern der Allianzen. Von 101 Betrieben im Jahr 2015 stieg die Anzahl der Ökobetriebe bis 2019 auf 156 (von insgesamt 1250), das sind 12,5 Prozent und 14 Prozent Anteil an der landwirtschaftlichen Fläche, der bayerische Durchschnitt liege bei rund 10 Prozent und 10 Prozent Ökoflächen.  

Elektromobilität und "Kinderkrankheiten"

Über Bad Neustadt als Modellstadt für Elektromobilität berichtete Jörg Geier anhand eines Kurzfilms, dabei ging es auch um das Technologietransfer Zentrum der Fachhochschule Würzburg Schweinfurt, das Forschungs- und Entwicklungsaufgaben sowie Begleitforschungen zu den Projekten der Modellstadt übernimmt. Dass der Elektrobus, der erste in einer Kleinstadt, noch nicht fehlerfrei funktioniert, sieht Geier als "Kinderkrankheiten". Das Netzwerk, in das auch die Fa. Preh mit seiner Entwicklung von Batteriemanagement-Systemen gehört, schaffe Arbeitsplätze, so Geier.

Blühpflanzen an Böschungen und auf landkreiseigenen Flächen sollten so lange stehen bleiben, bis sie ausgesamt haben, das könne nur dort geschehen, wo keine Verkehrsgefährdung bestehe, berichtete Ulrich Dolze vom Technischen Bauamt,. Sichtfenster an Kreuzungen müssen freigehalten werden, verunreinigtes Grüngut vom Straßenrand muss entsorgt werden, ansonsten werde geprüft, wann und mit welcher Technik Gräben, Böschungen, Ausgleichflächen oder Regenrückhaltebereiche gemäht werden. Ärgerlich seien Abfälle, die am Straßenrand gefunden würden und entsorgt werden müssten.

Über die Umweltbildungsstätte Oberelsbach informierte Geschäftsführer Bernd Fischer. Kreisbaumeister Herbert Bötsch wies auf die energetischen Sanierungen von landkreiseigenen Gebäuden und die Anschlüsse von Schulen an Nahwärmenetze in Bad Neustadt und Bad Königshofen hin. Gerald Roßhirt, verantwortlich für die Abfallentsorgung im Landkreis, berichtete von der geplanten PV-Anlage auf der Kreismülldeponie in Herbstadt, wo Ende nächsten Jahres 1000 kWp erzeugt werden sollen.

Ausbau der erneuerbaren Energien im Landkreis

Michael Gottwald von der Bayerischen Rhöngas schloss sich an mit einem Überblick über den Ausbau der erneuerbaren Energien im Landkreis und die Möglichkeit "Power to Gas" zu nutzen. "Eine Erfolgsgeschichte" nannte Manfred Endres, Leiter der Bau- und Umweltabteilung im Landratsamt, das Vertragsnaturschutzprogramm, durch das 2,6 Millionen Euro Fördergelder an die ausführenden Landwirte flössen. Auch der Landkreis besitze Flächen, die er mit entsprechenden Auflagen verpachte.

Dr. Susanne Wüst vom Landschaftspflegeverband zeigte auf, dass "stehen lassen" für die Artenvielfalt nicht überall die beste Option ist. Das Offenhalten von Waldrändern und Magerrasen schaffe Platz für Blühpflanzen. Der Erhalt von Streuobstbeständen und Mooren gehöre ebenfalls zu den Zielen des Verbandes, in dem alle Landkreisgemeinden Mitglied sind.

Abschließend erwähnte der Landrat wegen der fortgeschrittenen Zeit nur noch kurz das Biodiversitätszentrum Rhön und das Biosphärenreservat. Er bedankte sich bei allen Bürgern, Landwirten und Verbänden, die sich für den Umwelt- und Klimaschutz einsetzen. Die Aufzählung habe keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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