BISCHOFSHEIM/STEIGERWALD

Rücksicht ist das oberste Gebot im Wald

Rücksicht ist das oberste Gebot im Wald
Unberührte Natur, wildlebende Tiere und beruhigende Stille – der Wald ist eigentlich ein friedlicher Ort. Doch wenn Wanderer, Mountainbiker und Waldbesitzer aufeinander treffen, kann es schon mal Streit geben. So wie im schwäbischen Aichach. Dort wurde kürzlich der Streit zwischen einem Waldbesitzer und einem Mountainbiker vor Gericht verhandelt. Der Grund: Eine Unterlassungserklärung, durch die der Waldbesitzer dem Radler das Fahren in seinem Wald verbieten wollte. Und auch hier in der Region sind sich die Parteien im Wald nicht immer ganz grün. Nagelfallen auf Waldwegen, illegale Trails und rücksichtloses Verhalten sorgten in der Vergangenheit für Frust auf allen Seiten. Wie in Bischofsheim an der Rhön: Dort zieht der Flowtrail am Kreuzberg, eine ausgebaute Mountainbikestrecke, viele Radsportfans an. Im Sommer dieses Jahres nutzten viele Biker aber einen nichtöffentlichen Weg vom Parkplatz Irenkreuz, um nach Bischofsheim zu kommen. Und das rief den örtlichen Jagdpächter und Waldbesitzer auf den Plan. Was folgte, war ein Gespräch zwischen Vertretern der Stadt und der Mountainbiker. „Alle Parteien haben eine konstruktive Lösung gesucht“, sagt Georg Seiffert, Bürgermeister in Bischofsheim. Mit Erfolg: Gemeinsam konnte man sich auf eine Ausweichroute einigen. Aus Sicht des Bürgermeisters ist das Verhältnis zwischen Stadt und Mountainbikern gut. Am Flowtrail gebe es aktuell „keine Probleme“. Das Nebeneinander von Wanderern und Mountainbikern sei jedoch immer eine „Gratwanderung“. „Die Masse hält sich auch an die Regeln“, sagt Georg Seiffert. Dennoch gebe es immer wieder Leute, egal ob Mountainbiker oder Wanderer, die dies eben nicht täten. Konflikte zwischen beiden Lagern könne man deshalb nie völlig vermeiden. Anders ist es wohl nicht zu erklären, warum ein bisher Unbekannter ebenfalls im Sommer dieses Jahres Nägel auf dem Flowtrail verteilt hat. „Das ist für uns unverständlich und wir beobachten das“, sagt der offizielle Flowtrail-Beauftragte Andreas Rohe. Anhaltspunkte, wer dahinter stecken könnte, gibt es nicht. Deshalb betont Georg Seiffert: „Gegenseitige Rücksicht und Verständnis füreinander sind oberstes Gebot“ im Wald. Das findet auch Rohe: „Man muss miteinander reden, dann funktioniert?s.“ Zudem profitiere die Gemeinde Bischofsheim vom Radsport, denn „die Leute bringen auch Geld mit.“ Die Folge sind steigende Übernachtungszahlen bei Mountainbikern von denen auch die örtliche Gastronomie profitiere, so Andreas Rohe. Trotzdem macht auch er deutlich, dass ein friedliches Miteinander im Wald „nur mit gegenseitigem Respekt“ zu erreichen ist. „Sachen vor Gericht zu zerren, bringt nichts.“ Doch nicht nur auf dem Flowtrail, auch am Kloster Kreuzberg herrschte Anfand des Jahres Uneinigkeit. Der Grund: Stahlbügel in einer Kurve auf dem Weg zwischen der Kloster-Gaststätte und der Mariengrotte. Aufgestellt wurden sie auf Initiative von Angelika Somaruga, wirtschaftliche Leiterin der Klosterbetriebe: „Wir haben das gemacht, nachdem ich selbst fast umgefahren wurde“, erinnert sie sich. Generell sei es aus ihrer Erfahrung an besagter Stelle immer wieder zu brenzligen Situationen zwischen Mountainbikern und Fußgängern gekommen. Das Gatter sollte die Lage entschärfen. Aus Sicht von Klaus Neumann, Fachwart für Country-Tourenfahren im Radsportbezirk Ost, würden die Bügel jedoch für Rad- und Skifahrer eine Gefahr darstellen. Diese unterschiedlichen Sichtweisen haben damals für regen E-Mail-Verkehr zwischen beiden Parteien gesorgt. Mittlerweile scheint sich das Verhältnis aber entspannt zu haben. Von Unfällen an den Stahlbügeln habe Neumann bisher nichts mitbekommen. Um zur Mariengrotte zu kommen, würde er mittlerweile sowieso einen anderen Weg nutzen. Der Vorfall sei für ihn deshalb abgehakt. Und Angelika Somaruga hält fest, dass sich außer Klaus Neumann niemand bei ihr über die Bügel auf dem Weg beschwert habe. Einen Unfall hätten die Vorrichtungen auch nicht verursacht. Weitere Reglementierungen zur Wegnutzung am Kloster seien von ihrer Seite aus nicht geplant, denn „die meisten Mountainbiker halten sich an die Vorgaben“. Illegale Mountainbike-Strecken und Sprungschanzen haben im Steigerwald und im Ebracher Forst in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufregung gesorgt. „Das haben wir aber in den Griff bekommen“, sagt Volker Conrad, Revierleiter im Bürgerwald Gerolzhofen-Dingolshausen. Sorge hatte Conrad damals vor allen Dingen, dass der Steigerwald-Panoramaweg aufgrund zerfahrener Wege seine Premiumauszeichnung verlieren könnte. Doch ein klärendes Gespräch mit örtlichen Mountainbikegruppen und Forstvertretern sorgte für Entspannung. Dort wurde damals auch beschlossen, einen ausgewiesenen Trail für Mountainbiker einzurichten. Die genaue Streckenführung gestalte sich aufgrund von laufenden Verhandlungen mit Grundstückseigentümern aber noch „recht schwierig“, so Conrad. Dennoch ist das Projekt nicht aus der Welt, sagt der Förster, denn „es ist ein wichtiges Anliegen, dass Mountainbiker diese Möglichkeit bekommen“. Foto: Klaus Flechsenhar

Unberührte Natur, wildlebende Tiere und beruhigende Stille – der Wald ist eigentlich ein friedlicher Ort. Doch wenn Wanderer, Mountainbiker und Waldbesitzer aufeinander treffen, kann es schon mal Streit geben. So wie im schwäbischen Aichach. Dort wurde kürzlich der Streit zwischen einem Waldbesitzer und einem Mountainbiker vor Gericht verhandelt. Der Grund: Eine Unterlassungserklärung, durch die der Waldbesitzer dem Radler das Fahren in seinem Wald verbieten wollte. Und auch hier in der Region sind sich die Parteien im Wald nicht immer ganz grün.

Bischofsheim: Biker nutzten einen nichtöffentlichen Weg

Nagelfallen auf Waldwegen, illegale Trails und rücksichtloses Verhalten sorgten in der Vergangenheit für Frust auf allen Seiten. Wie in Bischofsheim an der Rhön: Dort zieht der Flowtrail am Kreuzberg, eine ausgebaute Mountainbikestrecke, viele Radsportfans an. Im Sommer dieses Jahres nutzten viele Biker aber einen nichtöffentlichen Weg vom Parkplatz Irenkreuz, um nach Bischofsheim zu kommen. Und das rief den örtlichen Jagdpächter und Waldbesitzer auf den Plan.

Konflikte lassen sich nie vermeiden

Was folgte, war ein Gespräch zwischen Vertretern der Stadt und der Mountainbiker. „Alle Parteien haben eine konstruktive Lösung gesucht“, sagt Georg Seiffert, Bürgermeister in Bischofsheim. Mit Erfolg: Gemeinsam konnte man sich auf eine Ausweichroute einigen.

Aus Sicht des Bürgermeisters ist das Verhältnis zwischen Stadt und Mountainbikern gut. Am Flowtrail gebe es aktuell „keine Probleme“. Das Nebeneinander von Wanderern und Mountainbikern sei jedoch immer eine „Gratwanderung“. „Die Masse hält sich auch an die Regeln“, sagt Georg Seiffert. Dennoch gebe es immer wieder Leute, egal ob Mountainbiker oder Wanderer, die dies eben nicht täten. Konflikte zwischen beiden Lagern könne man deshalb nie völlig vermeiden.

Georg Seiffert fordert Rücksicht und Verständnis

Anders ist es wohl nicht zu erklären, warum ein bisher Unbekannter ebenfalls im Sommer dieses Jahres Nägel auf dem Flowtrail verteilt hat.„Das ist für uns unverständlich und wir beobachten das“, sagt der offizielle Flowtrail-Beauftragte Andreas Rohe.

Anhaltspunkte, wer dahinter stecken könnte, gibt es nicht. Deshalb betont Georg Seiffert: „Gegenseitige Rücksicht und Verständnis füreinander sind oberstes Gebot“ im Wald.

Sind Stahlbügel am Kloster Kreuzberg eine Gefahr?

Das findet auch Rohe: „Man muss miteinander reden, dann funktioniert?s.“ Zudem profitiere die Gemeinde Bischofsheim vom Radsport, denn „die Leute bringen auch Geld mit.“ Die Folge sind steigende Übernachtungszahlen bei Mountainbikern von denen auch die örtliche Gastronomie profitiere, so Andreas Rohe. Trotzdem macht auch er deutlich, dass ein friedliches Miteinander im Wald „nur mit gegenseitigem Respekt“ zu erreichen ist. „Sachen vor Gericht zu zerren, bringt nichts.“

Doch nicht nur auf dem Flowtrail, auch am Kloster Kreuzberg herrschte Anfand des Jahres Uneinigkeit. Der Grund: Stahlbügel in einer Kurve auf dem Weg zwischen der Kloster-Gaststätte und der Mariengrotte. Aufgestellt wurden sie auf Initiative von Angelika Somaruga, wirtschaftliche Leiterin der Klosterbetriebe: „Wir haben das gemacht, nachdem ich selbst fast umgefahren wurde“, erinnert sie sich.

Die Bügel hätten noch keinen Unfall ausgelöst

Generell sei es aus ihrer Erfahrung an besagter Stelle immer wieder zu brenzligen Situationen zwischen Mountainbikern und Fußgängern gekommen. Das Gatter sollte die Lage entschärfen. Aus Sicht von Klaus Neumann, Fachwart für Country-Tourenfahren im Radsportbezirk Ost, würden die Bügel jedoch für Rad- und Skifahrer eine Gefahr darstellen.

Diese unterschiedlichen Sichtweisen haben damals für regen E-Mail-Verkehr zwischen beiden Parteien gesorgt. Mittlerweile scheint sich das Verhältnis aber entspannt zu haben. Von Unfällen an den Stahlbügeln habe Neumann bisher nichts mitbekommen. Um zur Mariengrotte zu kommen, würde er mittlerweile sowieso einen anderen Weg nutzen. Der Vorfall sei für ihn deshalb abgehakt.

Und Angelika Somaruga hält fest, dass sich außer Klaus Neumann niemand bei ihr über die Bügel auf dem Weg beschwert habe. Einen Unfall hätten die Vorrichtungen auch nicht verursacht. Weitere Reglementierungen zur Wegnutzung am Kloster seien von ihrer Seite aus nicht geplant, denn „die meisten Mountainbiker halten sich an die Vorgaben“.

Biker sollen im Steigerwald einen ausgewiesenen Trail bekommen

Illegale Mountainbike-Strecken und Sprungschanzen haben im Steigerwald und im Ebracher Forst in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufregung gesorgt.„Das haben wir aber in den Griff bekommen“, sagt Volker Conrad, Revierleiter im Bürgerwald Gerolzhofen-Dingolshausen. Sorge hatte Conrad damals vor allen Dingen, dass der Steigerwald-Panoramaweg aufgrund zerfahrener Wege seine Premiumauszeichnung verlieren könnte. Doch ein klärendes Gespräch mit örtlichen Mountainbikegruppen und Forstvertretern sorgte für Entspannung.

Dort wurde damals auch beschlossen, einen ausgewiesenen Trail für Mountainbiker einzurichten. Die genaue Streckenführung gestalte sich aufgrund von laufenden Verhandlungen mit Grundstückseigentümern aber noch „recht schwierig“, so Conrad. Dennoch ist das Projekt nicht aus der Welt, sagt der Förster, denn „es ist ein wichtiges Anliegen, dass Mountainbiker diese Möglichkeit bekommen“.

Im Wald herrschen klare Regeln

Die Frage, wer sich wo im Wald bewegen darf, sorgt immer wieder für Uneinigkeit. Laut Ulrich Mergner, Forstbetriebsleiter des Ebracher Forsts, steht die Waldnutzung „nach Artikel 14 Grundgesetz dem Eigentümer beziehungsweise dem Waldbesitzer zu“. Dabei gibt es in Deutschland und in Bayern die Besonderheit, „dass der Eigentümer oder Besitzer die Nutzung durch die Allgemeinheit in einem gewissen Maße dulden muss“. Das legt beispielsweise Artikel 141 der Bayerischen Verfassung fest, „wonach unter anderem der freie Zugang zu Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur im Zusammenhang mit dem freien Betretungsrecht für jedermann erlaubt ist“, so Mergner. Für Rad- und Mountainbikefahrer trifft das Bayerische Waldgesetz folgende Regelung: „Das Radfahren [...] ist im Wald nur auf Straßen und geeigneten Wegen zulässig“ (Art. 13, Abs. 3). Und das sind laut Mergner „in erster Linie die Forstwege“.

Nicht geeignet seien dagegen Waldflächen, Rückegassen zum Transport von gefällten Bäumen oder Querfeldein-Pfade, also von Mountainbikern „wild“ angelegte Pfade. Zudem müssen laut Forstbetriebsleiter Margner Radfahrer auf Wanderer Rücksicht nehmen. len

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