Sandberg

Sandberg: Film zeigt, wie die Menschen in der Rhön früher lebten

Blick vom Kirchturm aus über das Dorf Sandberg im Jahr 1950. Das Bild stammt dem Buch "300 Jahre Sandberg". Foto: Marion Eckert

Wie so viele Rhöndörfer waren auch die Walddörfer in früherer Zeit durch ein bäuerliches Umfeld geprägt. Karge Böden und kinderreiche Familien, die sich oft kaum ernähren konnten. So wanderten junge Menschen immer wieder nach Amerika aus. Auswanderungswellen gab es schon Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.  Einer der Auswanderer war Josef Holzheimer. Er entstammte einer kinderreichen Familie, wuchs mit sieben Geschwistern in Sandberg auf. Als junger Mann wanderte er nach Amerika aus und brachte es in Cleveland (Ohio) in einer klassischen Karriere vom Tellerwäscher zum Hotelier.

1949 kehrte Josef Holzheimer zum letzten Mal in seine alte Heimat zurück. Im Gepäck hatte er eine Filmkamera. Dabei entstand sein beeindruckender Farbfilm über das dörfliche Leben in Sandberg. Die Filmaufnahmen geben einen einmaligen und einzigartigen Einblick in eine untergegangene bäuerliche Welt. Sie waren auch Grundlage für den Film des Bayerischen Rundfunks mit dem Titel "Die Walddörfer der Rhön".

Bayerischer Rundfunk wird durch Zufall auf den Film aufmerksam

Groß war das Interesse am Filmnachmittag in der Pfarrscheune in Sandberg. Der Rhönklub-Zweigverein Walddörfer zeigte den alten Film von Josef Holzheimer aus dem Jahr 1949. Foto: Marion Eckert

Beide Filme zeigte der Rhönklub-Zweigverein Walddörfer auch schon in der Vergangenheit. Doch das Interesse an einer erneuten Vorführung war ungebrochen. Die Pfarrscheune war voll besetzt. Herbert Holzheimer freute sich über das Interesse an der Geschichte der Walddörfer, die noch in der Nachkriegszeit von Landwirtschaft und Traditionen geprägt waren.

Da Josef Holzheimer keine Nachkommen hatte, überließ seine Witwe den 16-Millimeter-Film seinen Rhöner Verwandten, der Familie von Theresia Stindl in Sandberg. Mittlerweile ist der Film digitalisiert. Theresia Stindl erzählte, wie es dazu gekommen ist, dass die historischen Filmaufnahmen ihres Großonkels die Grundlage für den Film des Bayerischen Rundfunks wurden.

Eindrucksvolle Erinnerungen bleiben der Nachwelt erhalten

Die BR-Regisseurin Susanne Rosner drehte eigentlich einen Film über Bad Kissingen in der Serie "Berühmte Bäder in Bayern". Ihre Recherchen führten sie 2004 auch nach Sandberg, sie suchte nach Zimmermädchen, die einst zur Saisonarbeit in den Hotels der Kurstadt Bad Kissingen beschäftigt waren.

Zufällig kam sie auf dem Friedhof  mit Theresia Stindl ins Gespräch. Und wie es der Zufall so will, deren Großmutter  hatte als Zimmermädchen in Bad Kissingen gearbeitet. Auf der Suche nach alten Fotos wurde nebenbei auch der Film von Josef Holzheimer erwähnt. Theresia Stindl kann sich noch gut erinnern, wie begeistert die BR-Mitarbeiter von der Qualität des Films und den Bildern über das dörfliche Leben waren. "Ein Farbfilm war für diese damalige Zeit etwas ganz Außergewöhnliches", berichtete sie. Die faszinierenden Bilder über das dörfliche Leben wurden eingebettet in einen Film "Die Walddörfer der Rhön", so wurden die eindrucksvollen Erinnerungen an die damalige Zeit erhalten.

Alltag in der Nachkriegszeit in der Rhön

Der diesjährige Film-Nachmittag des Rhönklubs begann allerdings mit dem Original von Josef Holzheimer. Doch nicht die ganzen anderthalb Stunden wurden gezeigt, die mit seinem Abflug in Cleveland beginnen. "Wir haben lediglich die Szenen aus Sandberg und der Rhön ausgewählt", erklärte Holzheimer. Der Film trägt den Titel "I flew to germany Juli 1949".

Das alte Sandberger Pfarrhaus wurde 1863 erbaut. Mit mit Geistlicher Rat Christian Straub. Das Bild stammt aus dem Buch "300 Jahre Sandberg". Foto: Marion Eckert

Viele einzelne Szenen aus dem Leben und Arbeiten in seinem Heimatdorf hat Josef Holzheimer festgehalten: Kühe auf dem Weg durchs Dorf zur Gemeindewiese, die Heuernte mit der Sense, die ehemalige Polizeistation, das alte Pfarrhaus, die Ordensschwester mit ihren Schützlingen in der Kinderbewahranstalt, Schulbuben beim Holzhacken für den Schulofen. Die Aufnahmen geben eine Ahnung vom Alltag in der Nachkriegszeit in dem von Landwirtschaft und Traditionen geprägten Dorf.

Ein Stück Sandberger Geschichte wird lebendig

Die Ortsdurchfahrt war noch nicht geteert, dafür gab es vor den Häusern üppig blühende Vorgärten und einen Dorfanger mit großen Bäumen, Schafen und Kühen, die am Dorfbrunnen getränkt wurden und Gänse marschierten mitten auf der Straße. Zu sehen sind Frauen in Kittelschürzen, die mit Holzbutten am Brunnen Wasser holen und Hütebuben mit den Kühen auf der Gemeindewiese und eine Bäuerin, die einen großen Holztrog mit Brotteig auf einem Schubkarren zum Backofen bringt.

Prozession durch Sandberg. Das Bild stammt aus dem Buch "300 Jahr Sandberg". Foto: Marion Eckert

Auch das religiöse Leben hat Holzheimer festgehalten, der Pfarrer mit Ministranten beim Versehgang, die Prozession nach Maria Ehrenberg beim Auszug und wie die Pilger bei der Rückkehr im Dorf wieder empfangen werden.

Ein Stück Sandberger Geschichte wird in diesem Film lebendig. Erinnerungen wurden bei den Älteren Besuchern wach. Das Leben heute hat sich verändert, die Vergangenheit ist im Film konserviert für die nachfolgenden Generationen.

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