GROßEIBSTADT

Schmiedstor soll Besuchermagnet werden

Freigelegt: Ein Deckenfresko im Wohnzimmer der Schmiede-Familie von Großeibstadt.
Freigelegt: Ein Deckenfresko im Wohnzimmer der Schmiede-Familie von Großeibstadt. Foto: Hanns Friedrich

Auf offene Ohren stieß Bürgermeister Emil Sebald bei einer Anfrage an Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Klaus Reder (Würzburg) mit der Bitte, die Gemeinde bei der Aufarbeitung der historischen Schmiede fachlich zu unterstützen.

„Das mache ich gerne,“ sagte der Kulturdirektor des Bezirks Unterfranken und zeigte sich bei einer Besichtigung der historischen Schmiede in Großeibstadt begeistert. „Da lässt sich etwas daraus machen, da helfe ich doch gerne und werde konkrete Überlegungen anstellen.“ Professor Reder denkt zum Beispiel daran, die Aufarbeitung der historischen Schmiede, die noch in ihrem Ursprung vorhanden ist, an Studenten zu vergeben und dann konkret zu überlegen, wie man diese Einrichtung in den Tourismus, zum Beispiel als „Grabfeld-Treffpunkt“, wieder aktivieren könnte.

Bürgermeister Emil Sebald wusste, dass das Torhaus von Großeibstadt zu den ältesten Gebäuden der Gemeinde gehört. Erbaut wurde es im Jahre 1631. Die Besonderheit: Schmiede und Tor bilden eine bauliche Einheit. Das ist etwas, was in Unterfranken Seltenheitswert hat.

Schon lange werden dort keine Kühe und Pferde mehr beschlagen, und schon lange gibt es dort auch keinen Schmied mehr. Seit einigen Jahren ist die einstige Werkstatt, ja das ganze Haus, ein Museum, das der verstorbene Altbürgermeister Karl Lurz eingerichtet hat. „Immer wieder kommen Interessierte,“ wusste Gemeinderatsmitglied Bruno Gessner. Er hat direkt am Schmiedshaus seine Werkstatt für Landmaschinen und Metallbau. Er kann bei Führungen aus seinen Erinnerungen schöpfen.

Schon das Knarren der alten Holztüre zur Schmiede weckte Kindheitserinnerungen. Dann der Blick in eine Schmiedewerkstatt aus der Zeit um 1900, die aussieht, als ob der Schmied gerade mal kurz weg gegangen ist. „Wir haben alles so belassen, sogar die Spinnweben sind noch da,“ lacht Bürgermeister Emil Sebald. Er verweist auf die vielen Gegenstände, die man hier noch findet: die Hufeisen an den Wänden, die Schmiedewerkzeuge und vor allem die Esse mit dem Blasebalg. Vor Jahren, als Schulklassen einmal da waren, wurde Feuer gemacht und auf dem Amboss gezeigt, wie man ein heißes Eisen formen kann. „Das ist immer sehr gut angekommen, und die Kinder haben gestaunt,“ erinnert sich Bruno Gessner. Schließlich ist ja alles Notwendige vorhanden. So auch eine große Bohrmaschine, die nicht mit Strom, sondern per Hand betrieben wurde.

Die ganzen Gerätschaften hatte man aufgehoben, als der letzte Schmied seine Werkstatt verließ. Führungen sind deshalb heute immer noch möglich.

Dann erfährt der Bezirksheimatpfleger beim Rundgang auch, dass der Schmied mit seiner Familie im Haus gewohnt hat. Ausgetretene Steinstufen zeigen die Jahrhunderte, die hier über die Schmiede hinweggegangen sind. Das Wohnzimmer war einst ausgemalt, ein kleines Fresko erkennt man noch an der Decke. Allerdings sei es zu kostenaufwendig, alle Wandmalereien wieder unter dem Putz hervor zu holen, sagt Bruno Gessner. Rauchgeschwärzt ist die Küche im Erdgeschoß, wohl auch deshalb, weil der Rauch aus der Schmiede hier hinein zog. Im ersten Stock ist ein kleines Zimmer, in dem früher der Lehrling wohnte, im Stock darüber ist das Schlafzimmer des Schmiedes.

Das Torhaus war zu allen Zeiten Eigentum der Gemeinde, erfuhr Professor Klaus Reder und auch, dass die Schmiede alle drei Jahre neu verpachtet wurde.

Wenn ältere Großeibstädter von der Schmiede erzählen, sagen sie, dass der Schmied im Dorf ein angesehener und geachteter Mann war. Denn jedes Dorf war hocherfreut, wenn es einen Schmied im Ort hatte. Dieser hatte viele Aufgaben zu erledigen. Er hatte nicht nur die Pferde zu beschlagen, sondern auch Wagenräder zu reparieren und vieles mehr. An der Schmiede in Großeibstadt findet man heute noch die Vorrichtung für das Biegen von Flacheisen. Der Schmied stellte auch landwirtschaftliche Geräte, wie Eggen und Schareggen, sowie viele Kleingeräte her. Sensen gab es zu dengeln und Messer galt es für die Futterschneidmaschine und Mähmaschine zu schleifen.

Im Dachboden werden Erinnerungen an Großelterns Zeiten wach. Hauptsächlich landwirtschaftliche Gerätschaften sind zu sehen, die in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt wurden. Da gibt es eine Flachsbreche ebenso wie eine Sense und Sichel oder ein Gerät, mit dem man früher schnitzen konnte. Damit wurden in Großeibstadt zum Beispiel die Holzstiele für Schaufel und Besen hergestellt. Natürlich sind auch die entsprechenden Schnitzmesser noch vorhanden.

Beim Rundgang im Dachgeschoß fiel der Blick auf eine Vielzahl von alten Dachziegeln. Die älteste stammt aus der Zeit um 1700 und wurde von dem verstorbenen Erwin Hermann aus Kleinbardorf gesammelt. Er war dabei, als die Schmiede einmal gedeckt wurde und hat dabei so manche Besonderheit auch auf anderen Hausdächern gefunden. Dazu gehören Ziegel, auf denen Symbole, wie zum Beispiel ein Storch, eingekratzt sind, Jahreszahlen oder auch kleinere Informationen.

Es gibt viel zu entdecken in der Großeibstädter Schmiede. Dazu gehört im unteren Bereich auch eine kleine Ausstellung über die Geschichte von Großeibstadt.

Es gibt Urkunden und Bilder, die über den Kirchenbau berichten, und darüber, dass die erste urkundliche Erwähnung mehr als 1200 Jahre zurückliegt. Das all sei Grund genug, diese Erinnerungen wach zu halten und vor allem die Schmiede in ihrer Gesamtheit für die Besucher zu öffnen. Klaus Reder: „Der Treffpunkt Grabfeld, der im sanierten Museum entsteht, ist dazu ideal.“ Man müsse nach draußen in die Ortschaften gehen und genau solche Informationen den Besuchern liefern. Ein ideales Beispiel sei die Schmiede von Großeibstadt.

Ausführliche Informationen über die Geschichte von Großeibstadt geben zahlreiche Dokumente im ehemaligen Wohnzimmer der Schmiede-Familie.
Ausführliche Informationen über die Geschichte von Großeibstadt geben zahlreiche Dokumente im ehemaligen Wohnzimmer der Schmiede-Familie. Foto: Hanns Friedrich
Im Dachgeschoß der alten Schmiede von Großeibstadt sind vor allem landwirtschaftliche Gerätschaften ausgestellt.
Im Dachgeschoß der alten Schmiede von Großeibstadt sind vor allem landwirtschaftliche Gerätschaften ausgestellt. Foto: Hanns Friedrich
Diese Dachziegel erzählen Geschichte. Die Älteste stammt aus dem 17. Jahrhundert. Zu sehen sind Jahreszahlen, aber auch Eingravierungen.
Diese Dachziegel erzählen Geschichte. Die Älteste stammt aus dem 17. Jahrhundert. Zu sehen sind Jahreszahlen, aber auch Eingravierungen. Foto: Hanns Friedrich
Die Schmiede von Großeibstadt macht heute noch den Eindruck, als ob der Schmied gerade einmal zur Brotzeit gegangen wäre. Alle Gerätschaften sind vorhanden. Man könnte sogar die Esse wieder anschüren und auf dem Amboss das heiße Eisen formen. Davon überzeugte sich auch Bezirksheimatpfleger Professor Klaus Reder bei einer Besichtigung mit Bürgermeister Emil Sebald und Gemeinderat Bruno Gessner.
Die Schmiede von Großeibstadt macht heute noch den Eindruck, als ob der Schmied gerade einmal zur Brotzeit gegangen wäre. Alle Gerätschaften sind vorhanden. Man könnte sogar die Esse wieder anschüren und auf dem Amboss das heiße Eisen formen. Davon überzeugte sich auch Bezirksheimatpfleger Professor Klaus Reder bei einer Besichtigung mit Bürgermeister Emil Sebald und Gemeinderat Bruno Gessner. Foto: Hanns Friedrich

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