KREUZBERG

Sebastianstag ist viel mehr als eine Pflicht

Tradition pflegen: Gotthard Schwender aus Gräfendorf, der Organisator des Sebastianigottesdiensts am Kreuzberg, begrüßte die vielen Waldarbeiter. Im Vordergrund sind die Statue des Heiligen und die herausgesägte 43 zu sehen, die darauf hinweist, wie oft der Sebastianistag schon auf dem Kreuzberg gefeiert wurde.
Tradition pflegen: Gotthard Schwender aus Gräfendorf, der Organisator des Sebastianigottesdiensts am Kreuzberg, begrüßte die vielen Waldarbeiter. Im Vordergrund sind die Statue des Heiligen und die herausgesägte 43 zu sehen, die darauf hinweist, wie oft der Sebastianistag schon auf dem Kreuzberg gefeiert wurde. Foto: M. Eckert

Wenn Sebastianstag ist, dann herrscht am Kreuzberg Ausnahmezustand. Waldarbeiter aus Bayern, Hessen und Thüringen strömen auf den Heiligen Berg der Franken, da hält sie auch heftiger Schneefall nicht ab. Auch Landräte und Bürgermeister geben sich ein Stelldichein, der Sebastianstag ist Kult, da darf man nicht fehlen.

Alte Bekannte sehen sich wieder, ehemalige Arbeitskollegen und Freunde nutzen den Sebastianstag, um ins Gespräch zu kommen und ein Klosterbier zu trinken.

Sepp Rölling aus Oehrberg und sein ehemaliger Arbeitskollege Hans Kober aus Singenrain sind zwar beruflich nicht im Wald tätig gewesen, doch haben sie eine enge Verbundenheit zum Kreuzberg und zu den Holzmachern. „Ich bin Holzfäller, aber nur privat“, erklärte Sepp Rölling „Und zum Sebastianstag komme ich immer. Das ist doch selbstverständlich, das ist alte Tradition.“

„Bei uns ist das Familientradition“, erklärt Hans Kober, warum er Jahr für Jahr auf den Kreuzberg zum Sebastianstag fährt. „Früher gab es zwei Tage, an denen nicht im Wald gearbeitet wurde, am Karfreitag und am Sebastianstag.“ Dem konnte Erich Rölling nur zustimmen. Er war der letzte Haumeister im Forstamt Hammelburg und er nimmt die Traditionen ernst. Auch als er noch aktiv im Dienst stand, war der Sebastianstag eine Pflicht. „Er ist unser Schutzpatron, das müssen wir einhalten“, macht er deutlich.

Seine Lebensgefährtin Martha Grimm nickt. „25 Jahre war ich im Wald, das war schwere Arbeit und im Winter war es immer kalt. Ich komme zum heiligen Sebastian, weil ich Waldarbeiterin war. Wir bleiben bis zum Schluss, bis die Musik aufhört zu spielen.“

Auch wenn der Sebastianstag der Feiertag der Waldarbeiter ist, so müssen sie doch einen Tag Urlaub nehmen, um an der Sebastiansmesse teilnehmen zu können. Für die Forstmänner aus Bad Königshofen ist das kein Problem, sondern eine Selbstverständlichkeit. „Es ist unser Traditionstag, da müssen wir zum Kreuzberg“, erklärte Lothar Kuhn. Zudem treffe man hier immer alte Kollegen und Freunde. Zusammen mit Hubert Hertl, Egbert Fürst, Wolfgang Dippert, Harald Mauer und Stefan Schubert wurde im Wintergarten des Antoniussaales miteinander ein gemütlicher Tag verbracht.

Die Bergmusikanten aus Waldfenster spielten zünftige Lieder, Klosterbier und Essen schmeckten.

Einige Tische weiter die Familie Räder aus Unterweißenbrunn. Hugo Räder: „Ich bin froh, dass die Tradition fortgeführt wird, die mein Vater vor 43 Jahren begründete.“ Anton Räder war es, der vor 43 Jahren die Sebastiansmesse am Kreuzberg zum ersten Mal organisierte. Vor vier Jahren starb er, doch sein „Waldarbeitertag“ wird weiter gefeiert.

Gotthard Schwender aus Gräfendorf (Landkreis Main-Spessart) hat die Organisation übernommen. Er freute sich, dass sich der Sebastianstag nach wie vor so großer Beliebtheit erfreut und dass er mit Thomas Habermann, Thomas Bold (Bad Kissingen) und Thomas Schiebel (Main-Spessart) gleich drei Landräte begrüßen konnte. Mit dabei natürlich auch Bischofsheims Bürgermeister Udo Baumann und der Bürgermeister der Gemeinde Gräfendorf Alfred Frank. Doch der Sebastianstag wurde nicht nur im Antoniussaal gefeiert. Mittelpunkt war der Gottesdienst, in der Klosterkirche, die an Sebastiani Jahr für Jahr überfüllt ist, selbst Stehplätze sind dann kaum noch zu bekommen. Dass auch der Jugend der Sebastianstag schon am Herzen liegt, zeigten die fünf Auszubildenden der Bayerischen Staatsforsten, die wie schon im vorigen Jahr als Messdiener fungierten. Natürlich in ihren Schutzanzügen, damit auch jeder sieht, dass sie schon waschechte Waldarbeiter sind. Florian Welzenbach, Alexander Rüppel, Julian Schwender, Philip Müller und Andreas Väthjunker waren sich einig: „Der Sebastianstag, das ist schon wichtig.“ Die Tradition wollen sie gerne fortführen.

Den Gottesdienst zelebrierte Pater Martin, der den Heiligen Sebastian jedem Vorbild ans Herz legte, nicht nur den Forstleuten. Der Heilige habe Mut und Glaubensstärke bewiesen: von Pfeilen getroffen irrtümlich für tot gehalten, wird er von den Christen, die ihn begraben wollen aber wieder gesund gepflegt und tritt in der Öffentlichkeit auf, um den Glauben zu verkünden und wird schließlich umgebracht.

Pater Martin fragte in die voll besetzte Kirche: „Wenn bei uns ein Arbeitskollege, ein Kegelbruder, ein Klassenkamerad abfällige Bemerkungen über den Glauben macht, haben wir dann den Mut, dagegen Stellung zu beziehen? Viel kann uns dabei nicht passieren, höchstens dass wir lächerlich gemacht oder als altmodisch hingestellt werden. Gleicht unsere Haltung nicht oft der Feigheit vor dem Freund? Was sind das für Freunde, vor deren Spott wir uns fürchten?“ Die Textzeilen eines modernen Liedes: Aufstehn, aufeinander zugehn, voneinander lernen, miteinander umzugehn, nahm Pater Martin auf um zu motivieren, zum Glauben zu stehen. „Gegen Unmenschlichkeit aufstehen, aus jeder Verzweiflung, Niederlage wieder aufstehn. So gesehen seien Christen Aufständische für die Menschlichkeit.“

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