SCHWARZES MOOR

Seit 50 Jahren geht es hier um die Wurst

So wie früher: Monika Wirthwein (rechts) ließ gemeinsam mit Tochter Carmen die Tradition am Holzkohlegrill fortleben, die ihr Vater Gerhard Hecht vor 50 Jahren begründete.
So wie früher: Monika Wirthwein (rechts) ließ gemeinsam mit Tochter Carmen die Tradition am Holzkohlegrill fortleben, die ihr Vater Gerhard Hecht vor 50 Jahren begründete. Foto: Ralph Rautenberg

Jetzt geht's um die Wurst. Selbige ist derzeit in aller Munde. In Russland beschwört man aufgrund von ihr gar „das Ende Europas“ (und meint damit natürlich den österreichischen Triumph beim Eurovision Song Contest durch Conchita Wurst), in hiesigen Breiten darf das ganze etwas wörtlicher verstanden werden. Am vergangenen Wochenende gab es nämlich ein außergewöhnliches Jubiläum zu feiern: Die Bratwurst am Schwarzen Moor wurde 50 Jahre alt. Und dabei durften zahlreiche Kostproben nicht fehlen.

„Mittelgrob, aus Schweine- und Rindfleisch, gluten- und laktosefrei, ohne Zusatz von Farb- und Konservierungsstoffen, im Naturdarm, circa 20 Zentimeter lang und 100 Gramm schwer, mit Salz, Pfeffer, einer Prise Majoran und Kümmel“, verriet Rhön-Grabfelds stellvertretender Landrat Peter Suckfüll am Samstag die Zutaten der wohl bekanntesten Bratwurst der Rhön, nur um hinterherzuschieben: „Das genaue Rezept ist natürlich wie bei Coca Cola ein Betriebsgeheimnis.“

Vor genau 50 Jahren, am Pfingstsamstag, den 17. Mai 1964, hatte der Ostheimer Gerhard Hecht die „geniale Idee“, sich mit einem Grill an das Dreiländereck zu stellen, und Bratwürste zu verkaufen, blickte Suckfüll zurück. Der Beginn einer „beeindruckenden Geschichte“, wie der Festredner, der ehemalige Bundesstaatssekretär Eduard Lintner, feststellte.

Grenzüberschreitende Rezeptur

Teils mit großer Mühe verbunden, wurde an dieser „symbolträchtigen Stelle in der Rhön“ - immerhin stoßen mit Thüringen, Hessen und Bayern drei Bundesländer aufeinander - stets eine „Bratwurst außerordentlicher Güte“ angeboten. „Zigtausende zufriedene Esser und Fans“ bestätigen die gelungene Kombination aus fränkischer und thüringischer Küche, die unter anderem auch die amerikanischen Grenzsoldaten zu Zeiten des Eisernen Vorhangs zu schätzen wussten.

Gleich hubschrauberweise landeten diese, um sich mit Rostbratwürsten zu versorgen, erinnerte sich Lintner. Mit Blick auf die ehemalige innerdeutsche Grenze, die nur wenige hundert Meter hinter dem Kiosk verlief, freute er sich, dass man das „bemerkenswerte Jubiläum heute unter angenehmen Umständen“ feiern konnte.

Und dazu hatte der heutige Pächter des Kiosks an der Hochrhönstraße, Roland Fuchs, ein Festwochenende mit buntem Programm zusammengestellt. Dazu gehörte auch der Holzkohlegrill, auf dem die Würste „so wie damals“ zubereitet wurden. Die Zange hielt niemand geringeres als die Tochter des Gründers, Monika Weinwirth, geborene Hecht, in der Hand.

Im Dunst des Kohlerauchs kamen nostalgische Gefühle auf, die sich noch an die bescheidenen Anfänge des Bratwurststandes mit ein paar Bierbänken und einem Grill und später mit der Blockhütte erinnerten. Heute lädt ein modernes Kioskgebäude zum Verweilen ein. Wie bestellt kam am Samstag auch die Sonne heraus. Direkt vom Rost ins „Weck“ genoss man das Jubiläumsprodukt stilecht aus der Hand, mit Senf oder Ketchup, für echte Kenner ohne alles.

Und noch einmal doppelt so gut schmeckte es, dank dem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Rahmenprogramm. Am Samstag spielte zunächst die vierköpfige Damenkapelle „Kaufmannsware“ aus der Rhön, die von Tisch zu Tisch zog und die Gäste mit ihren frechen Liedern belustigte. Anschließend folgten „The Cocks“, eine Blaskapelle der etwas anderen Art aus dem hessischen Künzell. Den unterhaltungsmäßigen Höhepunkt lieferte der aus Großeibstadt stammende fränkische Kabarettist Fredi Breunig.

Mit gewohnt schlagfertiger, spitzer Zunge breitete er am Samstagnachmittag zu jeder vollen Stunde genüsslich die Eigenheiten der Franken aus. Am Sonntag unterhielten die Fladunger Kirmesmusikanten sowie die Bergmusikanten aus Waldfenster/Schondra mit Rhöner Musik. Kostenlos wurden Führungen durch das Schwarze Moor und zur ehemaligen Grenze angeboten. Die Grenzführungen leitete Klaus Ehlert vom Franziskanischen Bildungswerk.

Manfred Greck, Betreiber des „Ostheimer Uniformhauses“, zeigte auf dem Weg zur Grenze Puppen in originalen Uniformen und authentische Grenz-Utensilien, darunter auch einen fahrtüchtigen Militär-Trabi.

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Mmh, das schmeckt: Genüsslich bissen die Ehrengäste in die berühmte Bratwurst vom Schwarzen Moor. Im Bild (von links) Wolfgang Back (Bürgermeister Bad Bocklet) mit Lebensgefährtin Brigitte Junger, Peter Suckfüll (stellvertretender Landrat Rhön-Grabfeld), Festredner Eduard Lintner (MdB a.D.), Emil Müller (stellvertretender Landrat Bad Kissingen), Roland Fuchs (Betreiber Kiosk „Treffpunkt Schwarzes Moor“), MdL Sandro Kirchner, Klaus Ehlert, der die Führungen zur Grenze durchführte, und Fridolin Link (Bürgermeister Hausen) mit Hund Oscar.
Mmh, das schmeckt: Genüsslich bissen die Ehrengäste in die berühmte Bratwurst vom Schwarzen Moor. Im Bild (von links) Wolfgang Back (Bürgermeister Bad Bocklet) mit Lebensgefährtin Brigitte Junger, Peter Suckfüll (stellvertretender Landrat Rhön-Grabfeld), Festredner Eduard Lintner (MdB a.D.), Emil Müller (stellvertretender Landrat Bad Kissingen), Roland Fuchs (Betreiber Kiosk „Treffpunkt Schwarzes Moor“), MdL Sandro Kirchner, Klaus Ehlert, der die Führungen zur Grenze durchführte, und Fridolin Link (Bürgermeister Hausen) mit Hund Oscar. Foto: Ralph Rautenberg
Vor 25 Jahren undenkbar: Eduard Lintner (rechts) und stellvertretender Landrat Peter Suckfüll (links) posieren zwischen Uniformen der Ost-Grenzsoldaten aus der Sammlung von Manfred Greck (Mitte).
Vor 25 Jahren undenkbar: Eduard Lintner (rechts) und stellvertretender Landrat Peter Suckfüll (links) posieren zwischen Uniformen der Ost-Grenzsoldaten aus der Sammlung von Manfred Greck (Mitte). Foto: R. Rautenberg

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