Bad Neustadt

Seminar in Rhön-Grabfeld: Mit Bodenfruchtbarkeit dem Klimawandel begegnen

In dem rund zwei Meter tiefen Bodenprofil konnten die verschiedenen Bodenschichten, deren Zustand und die Durchwurzelung studiert werden. Foto: Corinna Ullrich

Das Wissen darum, wie Bodenfruchtbarkeit erhalten und Humus (wieder-)angereichert werden kann, ist die Grundlage für landwirtschaftliche Betriebe. Der Klimawandel fordert die Beschäftigung damit ein, denn ein fruchtbarer und humusreicher Boden hat nicht nur eine gute Klimabilanz, sondern zeigt auch die größte Resilienz gegenüber Klimastress.

Die Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld hatte zu zwei Veranstaltungen zum Thema Bodenfruchtbarkeit eingeladen. Zuerst referierte Dr. Wilfried Hartl von der Bioforschung Austria, ein Bodenexperte mit jahrzehntelanger Erfahrung in diesem Bereich, zum Thema "Zwischenfruchtanbau unter Trockenstress".  Seine erste Empfehlung an die Landwirte war, auch im Winter die Niederschlagsmenge zu messen. Unter optimalen Bedingungen könne der Niederschlag vollständig im Boden gespeichert werden und ermögliche auch dann gute Erträge, wenn zur Vegetationsperiode der Regen länger als erwartet oder erwünscht ausbleibt.

Bei längerer Trockenheit keine Zwischenfrüchte säen

"Ist eine besonders ertragreiche Zwischenfrucht das Nonplusultra?", fragte Hartl in die Runde. Die Antwort sei komplexer als vermutet. Zwar wollen die Landwirte durch die Zwischenfrüchte organische Masse erzeugen, aber zum Aufbau der Bodenfruchtbarkeit und der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens brauche es vor allem ein großes Wurzelvolumen. Dieses nehme bei zu hohen Düngegaben ab, der Anreiz tiefer zu wurzeln, fehle einfach. Auch die  Pflanzen, so Hartl, seien gerne faul, genau wie die Menschen manchmal. Eine zu hohe Düngegabe sei also für die Bodenfruchtbarkeit eher kontraproduktiv.

Was man denn machen solle, wenn es im Sommer lange Zeit trocken ist und man eigentlich Zwischenfrüchte säen wolle, kam die Frage aus dem Publikum. Hartl erklärte bildhaft, warum es wichtig sei, sich in Geduld zu üben, zumindest bis die obersten acht bis zehn Zentimeter durchfeuchtet sind. Sind nur die obersten Zentimeter durch einen kurzen Regen angefeuchtet, treibt das Saatgut zwar aus, wurzelt dann aber auf der Suche nach dem Wasser nach oben – statt wie gewünscht nach unten. Die Wurzeln vertrocknen. In diesem Fall sei es besser, mit der Aussaat der Zwischenfrucht entweder bis ca. Mitte August zu warten oder später dann Arten wie Sommerraps, Tritikale und Rüpse zu verwenden, die auch noch spät ins Wachstum kommen.

Den eigenen Boden besser beurteilen können

An den Folgetagen konnte eine kleinere Gruppe von Landwirten in einem zweitägigen Seminar ihr Wissen vertiefen. Beim Betriebsentwicklungsseminar Bodenfruchtbarkeit wurde das Thema Humusaufbau vertieft und den Landwirten Methoden an die Hand gegeben, wie sie ihre eigenen Boden besser beurteilen und einschätzen können. Das Seminar fand in Sulzfeld – mit Bioverpflegung – und auf dem Unterhof der Familie Schassberger in Großbardorf statt.

Paul Schassberger hatte mit einem Kleinbagger ein gut zwei Meter tiefes Bodenprofil ausgehoben. Hier konnten die verschiedenen Bodenschichten, deren Zustand, die Durchwurzelung und Belebung, zum Beispiel mit Regenwürmern, genauestens studiert werden. Anhand der Fingerprobe wurden die verschiedenen Bodenschichten von den Landwirten analysiert und mittels eines einfachen Nitrattests der Restgehalt an Nitratstickstoff im Boden festgestellt – dieser war gering. Im Herbst sollten keine großen Mengen Nitrat mehr im Boden verfügbar sein, da diese sonst ausgewaschen werden können.

Die Auswirkungen des Klimawandels in Unterfranken

Zudem referierte Alana Steinbauer vom Biosphärenreservat Rhön zu den Auswirkungen des Klimawandels in Unterfranken: Bei insgesamt längerer Vegetationsperiode wird die Temperatur steigen, die Sommer-Niederschläge abnehmen, aber kurzzeitige Starkniederschläge nehmen zu. Doppelt wichtig also, mit einer guten Bodenstruktur vorzubeugen um stärkere Erosionsverluste von vornherein auszuschließen.

Max Kainz, Hochschullehrer an der TU München und selbst praktizierender Landwirt im Raum Ingolstadt, erläuterte in seinem Vortrag noch einmal detailliert, wie Humusaufbau und ein fruchtbarer Boden gefördert werden. Anhand von Studien stellte er vor, dass ein reduzierter Pflugeinsatz (nur alle drei bis vier Jahre) zu einer besseren Bodenstruktur, mehr Regenwürmern und auch einem höheren Ertrag führt.

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