BAD NEUSTADT

Skepsis gegenüber Kaufland

Umstritten: Nicht sehr beliebt bei den Geschäftsinhabern in der Bad Neustädter Innenstadt: das Lebensmittelunternehmen Kaufland.
Umstritten: Nicht sehr beliebt bei den Geschäftsinhabern in der Bad Neustädter Innenstadt: das Lebensmittelunternehmen Kaufland. Foto: Planskizze: Kaufland

3200 Quadratmeter Verkaufsfläche im Bereich Meininger Straße/Rederstraße, das macht manchem Geschäftsinhaber in der Innenstadt Angst. Angst nicht nur um das eigene Geschäft, Angst auch vor einer Verödung der Innenstadt. Das zeigte sich bei einer Veranstaltung des Stadtmarketingvereins, zu der Vorsitzende Christel Lux begrüßte.

Eingeladen war auch André Geinitz, Regionalleiter Deutschland Süd von Kaufland. Der bemühte sich die Bedenken zu zerstreuen, hob ab auf ein Miteinander von Kaufland und Innenstadtgeschäften. Schließlich seien es gerade mal 650 Meter oder neun Gehminuten vom Marktplatz bis zur Meininger Straße, wo Kaufland entstehen soll. Geinitz sieht deswegen und wegen der geplanten Fußgängerbrücke über die Brend seinen Supermarkt als verlängerten Arm der Innenstadt.

Da Kaufland nur auf knapp 180 Quadratmetern Fläche sogenannte innenstadtrelevante Ware anbiete, sieht Geinitz keine große Konkurrenz zur Innenstadt. Vielmehr werde es so sein, dass Kaufland mehr Kunden nach Bad Neustadt bringe, die dann auch in anderen Geschäften einkaufen, zeigte er sich überzeugt.

Das jedenfalls belege das Beispiel anderer Städte, wo die befürchteten negativen Auswirkungen auf die Innenstadt ausgeblieben seien. Im Gegenteil sei in diesen Städten ein Rückgang des Leerstands in der Stadt zu verzeichnen gewesen und ein geringer Abfluss von Kaufkraft. Kaufland biete außerdem in seinem Supermarkt Flächen für Konzessionäre an. Die sollen möglichst aus der Region kommen. Kaufland und „Leben findet Innenstadt“ passen aus der Sicht von Geinitz gut zusammen. Kaufland wolle außerdem Mitglied im Stadtmarketingverein werden, um mit den anderen Geschäftsinhabern in Kontakt zu stehen.

Existenzgefährdend

Zerstreut hat das aber die Bedenken eines großen Teils der Bad Neustädter Geschäftswelt nicht. Christel Lux fasste sie zusammen. Sie sprach von existenzgefährdenden Auswirkungen auf ansässige Lebensmittelmärkte, besonders auf den in der Innenstadt. Sie gab weiter zu bedenken, dass der Landesverband des bayerischen Einzelhandels empfiehlt, Verkaufsflächen in Nebenzentren sollten nicht mehr als 40 Prozent der Fläche im Zentrum haben. Eine kommunale Ansiedlungspolitik, die eine nachhaltige Schwächung der Innenstadt hervorruft, sei kurzsichtig. Statt einem großen Supermarkt sähe sie in dem Gebiet lieber mehrere kleinere Geschäfte mit einem Angebot, das nicht mit der Innenstadt konkurriere.

Verbindung zur Innenstadt

Stellvertretender Stadtmarketing-Vorsitzender Wolfgang Markert stellte zunächst mit Bildern den neuen Kaufland in Meiningen vor. Er sprach von einer angespannten Situation für den Einzelhandel. Für den Fall, dass Kaufland kommt, forderte er die schon lange diskutierte Verbindung zwischen Kaufland/Pecht und der Innenstadt ein. Für die Innenstadt selbst regte er ein Leerstandsmanagement an.

Seit zehn Jahren, so Bürgermeister Bruno Altrichter, betreibt die Stadt die Planung für den Bereich Meininger Straße/Rederstraße unter anderem als Modellstadt für „Leben findet Innenstadt“. Mehrere Konzepte seien verfolgt worden, bis jetzt die Planungen von Kaufland konkret wurden. Dabei würden alle Vorgaben eingehalten, die der Stadtrat im Rahmen von ISEK aufgestellt hat, um die Innenstadt zu schützen. „Das wird nicht billig für den Investor, an dieser Stelle zu bauen“. Größere Geschäfte hätten in der Innenstadt keinen Platz. Da wo Kaufland jetzt hin will, sei das optimal und eben nicht auf der grünen Wiese, sondern in Stadtnähe. Natürlich sei auch ein anderer Investor willkommen, aber „Investorensuche ist ein hartes Geschäft“, so Altrichter.

In der Diskussion gab es einige wenige Stimmen, die sich für Kaufland aussprachen, wie etwa Horst Dömling von Pecht. Doch auch er war der Meinung, dass das nur funktioniert, wenn das Nebenzentrum gut mit der Innenstadt verbunden wird. Er war sich mit vielen anderen einig, dass etwas getan werden muss für die Innenstadt – von der Stadt aber auch von den Geschäftsinhabern. Bei den Mitgliedern überwog insgesamt aber die Skepsis gegenüber der Ansiedlung von Kaufland – aus Furcht vor negativen Entwicklungen für die Innenstadt. Auch stellvertretende Bürgermeisterin Anne Zeisner war dieser Meinung.

Am Ende dürfte die Lösung irgendwo dazwischen liegen. Stellvertretender Stadtmarketingvorsitzender Manfred Griebel formulierte es am Ende so: „Es geht darum die Innenstadt zu fördern. Dabei ist es nicht so wichtig, ob Kaufland kommt oder nicht.“

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