FLADUNGEN

Soll das Schwarze Moor zum Wald werden ?

Für Professor Michal Succow zählt das Schwarze Moor zu einem der wertvollsten Mittelgebirgsmoore in Mitteleuropa, das in jedem Fall erhalten blieben sollte. Foto: Sonja Demmler

Professor Michael Succow hat sich enorme Verdienste um die Rhön erworben. Der aus der DDR stammende Umweltforscher und Träger des alternativen Nobelpreises gilt als maßgeblicher Motor für ihre Ausweisung zum Biosphärenreservat. Auf seine Initiative war der letzte Beschluss der DDR-Volkskammer. Nun kam der längst emeritierte Professor und international profilierte Moor-Ökologe der Universität Greifswald wieder einmal in die Rhön. Ein Ziel war das Schwarze Moor.

Eingreifen oder heraushalten

Succow kam nicht alleine. Mit einer Auswahl von Studenten aus ganz Deutschland wollte er das „Juwel der Rhön“ besuchen und den Teilnehmern Aufbau und Funktion des Moores erklären, aber auch die Veränderungen durch Klimawandel und Stickstoffeinträge aus der Luft. Und der trotz seiner 77 Jahre immer noch leidenschaftliche Wissenschaftler warf dabei eine spannende Diskussion über die Zukunft dieses Moores auf: Soll der Mensch eingreifen und das Moor in seinem bisherigen Zustand erhalten, oder soll er sich heraushalten und er zusehen, wie es sich möglicherweise zu einer Waldlandschaft entwickelt?

Gespannt verfolgten auch Torsten Kirchner, Landrat Thomas Habermann und Dr. Thomas Keller die Diskussion. Der Gebietsbetreuer der Wildland-Stiftung Bayern in der Langen Rhön hatte den Exkursionspunkt Schwarzes Moor angeregt. Habermann interessiert die Frage um die Zukunft des Moores nicht nur als Landrat, er ist seit einigen Monaten auch als kommunaler Vertreter Mitglied im für die Deutschen Biosphärenreservate zuständigen MaB Nationalkomitee der UNESCO. Thomas Keller wiederum ist als Vertreter der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Unterfranken fachlich mit zuständig für die Entwicklung des Moores.

Spiegel der Gesellschaft

Succow gab den Teilnehmern Anlass zum Nachdenken, indem er einen spannenden Bogen von dem kleinen Rhönmoor zu Fragen des globalen Umgangs mit Energie und Ressourcen spannte. „Moore sind wie ein Spiegel der Gesellschaft“, so der renommierte Wissenschaftler. „Wie wir mit unserer Umwelt umgehen, wird im Aufbau des Moores dokumentiert.“ Samen und Pollen der vergangenen Jahrtausende bis zum Ende der letzten Eiszeit, selbst Radioaktivität des Supergaus von Tschernobyl seien in den Torfschichten archiviert. Das Schwarze Moor allerdings blieb von radioaktiven Niederschlägen glücklicherweise verschont.

Nur wenn Moore ausreichend mit Wasser gesättigt sind, können die Torfmoose wachsen und damit pro Jahr etwa einen Millimeter neuen Torf bilden. Diese Torfschichten in den Mooren der Erde zählen zu unseren wichtigsten Lagerstätten für Kohlenstoff, der bei Austrocknung als klimaschädliches Kohlendioxid entweiche, so Succow.

Der Wissenschaftler geriet ins Schwärmen und betonte mehrfach, dass das Rhöner Moor eines der wertvollsten Mittelgebirgsmoore in Mitteleuropa sei. Allerdings wies er auch darauf hin, dass die Entwicklung der Gehölze auf der Hochmoorfläche eine Gefahr darstelle. So habe die Zahl der Kiefern stark zugenommen, seit kurzem seien auch noch die Moorbirken eingewandert. „Zuviel Baumbewuchs auf der Hochmoorfläche wirkt wie eine Wasserpumpe und trocknet das Moor aus“, sodass schleunigst eingegriffen werden müsse, bezog Succow eine klare Position in der Frage des künftigen Umgangs mit dem Moor.

Thema der Zukunft

Die Ursachen für die aktuelle Entwicklung des Moores seien menschengemacht – vor allem durch Stickstoffeinträge aus der Luft sowie klimatische Veränderungen. Der Status als Kernzone des Biosphärenreservats und Naturwaldreservat, der das eigentlich ausdrücklich verbietet, solle die Entnahme von Bäumen nicht verhindern, so der Professor. Dies könne er als ehemaliges Mitglied des MaB-Komitees guten Gewissens vertreten. Schließlich könnten den Besuchern auf dem Bohlensteg im Schwarzen Moor das einmalige Erleben eines unzerstörten Moores geboten und ihnen wichtige ökologische Zusammenhänge gezeigt werden.

Die spannende Frage, ob man als Gesellschaft der Veränderung des Hochmoors zuschaut oder ob man eingreifen soll, regte dann auch die Studierenden zu regen Diskussionen an und wird wohl auch die Entscheidungsträger nicht nur in den Fachbehörden in naher Zukunft beschäftigen.

Über die Zukunft des Schwarzen Moores diskutierte Professor Michael Succow (Mitte) mit Studenten, Landrat Thomas Haberma... Foto: Thomas Keller

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