BAD NEUSTADT

Sommernacht zum Schmunzeln

Anmutig: Shakespeare hätte seine Freude gehabt an diesen Elfen, die durch den herrlichen Sommernachts(alp)traum des Rhön-Gymnasiums huschten.
Anmutig: Shakespeare hätte seine Freude gehabt an diesen Elfen, die durch den herrlichen Sommernachts(alp)traum des Rhön-Gymnasiums huschten. Foto: Karin Nerche-Wolf

Das war mal ein ganz anderer Sommernachtstraum, den das Mittelstufen-Theater des Rhön-Gymnasiums da auf die Bühne der Aula stellte. Shakespeare, Antike Tragödie, Schulalltag und Hip-Hop-Szene bildeten einen herzerfrischenden Mix, bei dem die gleitenden Übergänge vom Original in andere Welten herbeigezaubert schienen – durch den Saft der Wunderblume, hatte man beinahe den Eindruck.

Aber es waren die Schüler selber, die die genialen Einfälle ins Stück träufelten, und ihr Lehrer Andreas Maier, der die modernen Passagen schrieb und das Ganze dann gemeinsam mit seinen Kollegen Arno Weidinger und Kathrin Werner und einer super Truppe inszenierte.

Da kommt plötzlich eine Jugend-Gang auf die Idee, sich mit der Tragödie von Pyramus und Thisbe beim Casting zu bewerben – eh, Alter, echt cool. Wie die da drangehen, total verplant, aber zum Glück haben die einen mit Durchblick dabei: Squenz (Susanne Hiby). Der macht den Typen Dampf – Text lernen bis morgen. Verschlafene Frage: „Bis morgen?“ Schlagfertige Antwort: „Das muss die Eichele-Truppe (das große Schultheater) auch“.

Köstliche Anspielungen allerorten, manchmal kamen die hervorragenden Akteure selber nur unter größten Mühen am eigenen Kichern vorbei. Absolut komisch schlüpfen die Gang-Mitglieder in ihre prachtvollen Rollen, größtes Mitgefühl gilt Flaut (Kilian Rudolf), dem Squenz die „Weiberrolle“ aufs Auge drückt. Er füllt sie aus mit solcher Hingabe, dass Lachen genauso Programm ist wie bei der Wand (Michael Jordan), der ständig die Brille von der Nase rutscht, und dem Mond (Thomas Galindo Will), der erst auf Stichwort aufhört zu scheinen.

Höchst amüsant gestaltet sind die Liebesverwirrungen der Athener Paare, wobei es Demetrius (Moritz Potoradi) besonders schwer hat: Erst muss er Helena abschütteln, dann entflammt er hinreißend tollpatschig für Lysander (Kenan Gohlke) (dreht sich Shakespeare da im Grabe um?).

Ganz zauberhaft umweben die Elfen das Geschehen und tragen so die stärksten klassischen Elemente in diese wunderbare Aufführung des Sommernachts(alp)traums. In dieser Welt spielen der clevere Puck (Rosa Köhler) und sein „Meister Obi“, wie er den durchtriebenen Oberon (Theresa Troost) nennt, ihr fesselndes Spiel mit Sinnen und Gefühlen und verdienen dafür keinen verschärften Verweis, sondern eine Eins mit Stern.

Diese Auszeichnung steht noch vielen anderen – beispielsweise den musikalischen Solisten – und an erster Stelle dem Gesamtwerk zu, das ohne die prächtigen Kostüme von Karin Nied niemals diese Wirkung hätte entfalten können.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Andreas Maier
  • Hip-Hop
  • Lysander
  • Michael Jordan
  • Sommernächte
  • William Shakespeare
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!