Bad Neustadt

Sorgen und Nöte des Handwerks

Mit deutlichen Worten beschrieb Metall-Landesinnungsmeister Christian Metges (2. von rechts) auf dem Podium mit Moderator Christian Schwarz (von links), Landrat Thomas Habermann und Klaus Engelmann politische Fehlentwicklung bei der Ausbildung im Handwerk. Foto: Eckhard Heise

Eine Mammutaufgabe hatten Innungsobermeister Klaus Engelmann und seine Mitstreiter aus der Metallinnung Rhön-Grabfeld/Bad Kissingen zu bewältigen, als sie die Austragung des dreitägigen Treffens des bayerischen Landesverbandes übernahmen. Rund 200 Gäste mussten untergebracht, verköstigt und unterhalten werden. Da gab es nicht nur für die Mitglieder der Zunft und deren Helfer reichlich zu tun.

Das Ereignis bildete auch eine Herausforderung, weil die Innung erst relativ spät als Tagungsstätte ausgewählt worden ist, erzählt der Innungsobermeister. Normalerweise hätten die Zusammenkünfte einen Vorlauf von zwei Jahren, doch weil der eigentlich vorgesehene Austragungsort in Lindau wegen fehlender personeller Kapazitäten für die Organisation unerwartet abgesagt hatte, konnte die hiesige Innung erst vor einem Jahr mit der Vorbereitung beginnen. Weil die auch noch die kleinste der 51 bayerischen Innungen ist, sei die Aufgabe für alle Beteiligten recht sportlich gewesen.

Nichts desto trotz war alles geboten, was sich für ein Treffen diesen Ranges gehört: Eine 95-seitige Festschrift mit einem Grußwort des Ministerpräsidenten; mit der Stadthalle ein beeindruckender Rahmen, wie mehrfach zu vernehmen war; für die Partner ein Ausflugsprogramm in die Rhön, während die andere Hälfte in den Sitzungen interne Angelegenheiten behandelte.

Landesgeschäftsführer Richard Tauber berichtete, dass dabei die Ausbildungssituation und der Fachkräftemangel einen wesentlichen Bestandteil der Delegiertenversammlung ausmachten. So werde beispielsweise das Zuwanderungsgesetz unterstützt, das die Rekrutierung von Fachkräften erleichtert. Weniger hilfreich seien dagegen die geplanten Änderungen zur gesetzlichen Zeiterfassung, die ein "bürokratisches Monster" darstellen würden.

Die Geschäftsführung empfahl den Mitgliedern außerdem, im Digitalisierungsprozess Schritt zu halten, auch unter dem Gesichtspunkt, dass die ersten Anzeichen eines wirtschaftlichen Abschwungs längst am Horizont aufgetaucht seien. Auch die E-Mobilität sei als Chance zu betrachten, was Dr. Jörg Geier von der Stabsstelle des Landratsamts Rhön-Grabfeld in zwei Vorträgen nachdrücklich den Zuhörern ans Herz gelegt hatte, in dem er auf die Erfolge in der Modellstadt verwies.

Es fehlte aber auch nicht an politischer Prominenz, die sich die Sorgen und Nöte der Innung anhörte. Vor allem beim Festakt mit zwei Diskussionsrunden unter anderem mit dem Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner und dem unterfränkischen Handwerkskammerpräsidenten Walter Heußlein auf dem Podium, fand Landesinnungsmeister Christian Metges deutliche Worte. Erfreut nahm er zwar die von Landrat Thomas Habermann geschilderten Aktivitäten des Landkreises – der ein Jahr des Handwerks ausgerufen hat – zur Kenntnis, prangerte jedoch die Nachteile in der Ausbildung des Handwerks gegenüber der der Akademiker an. Im Vergleich zu einem Studium müsste eine Meisterausbildung teuer von den Teilnehmern bezahlt werden, kritisierte Metges.

Darüber hinaus werden die Vorteile des Dualen Ausbildungssystem von der Politik zwar immer wieder hervorgehoben, die Ausstattung der Berufsschulen werde jedoch sträflich vernachlässigt, beteuerte der Landesinnungsmeister, womit er allerdings den Widersprach des Kreischefs heraufbeschwor. Von allen Schulen des Landkreises habe die Berufsschule das größte Budget, hob Habermann hervor.

Den Nachteilen des Handwerks bei der Suche von Nachwuchs versuche die Kreisinnung mit einem zeitgemäßen, auf die Interessen junger Leute zugeschnittenen "Azubi-Quest" entgegenzutreten, schilderte Klaus Engelmann während der Diskussionsrunde. Diese neue Form eines Berufsinformationstags habe durchaus Echo ausgelöst.

Mit einer Delegiertenversammlung am Samstag und einer gleichzeitigen Besichtigung des Rhön-Campus durch die Partner der Innungsmitglieder endete die Zusammenkunft. Der Austragungsort im nächsten Jahr ist Füssen, teilte Engelmann noch mit.         

         

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