KLEINEIBSTADT

Standhaft im Kampf gegen die Online-Riesen

Zufrieden und erleichtert zeigt sich Elektrohändler Joachim Schmitt nach dem Umzug seines Geschäfts von Bad Königshofen in sein Haus nach Kleineibstadt. Die Kunden sind ihm treu geblieben. Foto: Michael Petzold

Das Leben im Schatten der großen Märkte und vor allem des immer stärker werdenden Internethandels ist nicht einfach. Wie so viele in seiner Branche versucht auch Elektrofachhändler Joachim Schmitt mit persönlichem Einsatz und einem möglichst umfangreichen Service dagegenzuhalten.

Nach 20 Jahren hatte der 59-Jährige seinen Laden in der Festungsstraße in Bad Königshofen geschlossen und stattdessen in seinem Wohnhaus in Kleineibstadt einen deutlich kleineren Ausstellungsraum für die Fernseher und Hausgeräte eingerichtet, die er anbietet. Ihm ging es vor allem darum, Kosten zu senken.

Die Leute kaufen nur noch nach Prospekt

Den Umzug hat Schmitt nicht bereut. „Die Entscheidung hat sich als richtig herausgestellt“, betont er. Anfängliche Befürchtungen, Kunden könnten abspringen, hätten sich nicht bewahrheitet.

Sorgen bereitet ihm aber nach wie vor das Einkaufsverhalten. „Die Leute kaufen nur noch nach Prospekt“, hat der Radio-und Fernsehtechniker längst festgestellt. Es gehe eigentlich nur darum, die Leute in die Läden zu locken. Und wenn dann der Preisknüller neben einem Fernseher mit deutlich besserer Bildqualität, aber auch deutlich höherem Preis steht, besteht die begründete Hoffnung, dass der Kunde dann doch zu dem qualitätvolleren Gerät greift. Zu einem Preis, mit dem er vielleicht auch hätte mithalten können.

Vollservice zum Nulltarif

Noch mehr zu schaffen macht ihm allerdings das Internet. Fünf bis zehn Kunden kamen in den letzten Jahren im Schnitt pro Tag in seinen Laden. Nicht selten mit einem Ausdruck in der Hand und dem Wunsch, jenen abgebildeten Fernseher auf dem Zettel zum gleichen niedrigeren Preis zu erhalten. „Bei vollem Serviceumfang natürlich“, sagt Schmitt leicht verärgert. Denn Service bedeutet unter anderem: aufstellen, Sender einstellen und das alte Gerät kostenfrei entsorgen. Alles Zusatzleistungen, die man im Internet nicht kriegt, oder wenn doch, dafür extra bezahlen muss.

Service ist im Grunde auch ein anderes Wort für Arbeitszeit. Gut zehn bis zwölf Stunden fallen da täglich an. Und die braucht es auch, um die Zahl an Stammkunden – Schmitt spricht von 1500 – an sich zu binden. An so manchem Heiligabend war Schmitt bis in die Nachmittagsstunden unterwegs, um das Weihnachtsgeschenk in Form eines neuen Fernsehers unter dem Christbaum betriebsbereit aufzustellen. Da hatten die Märkte längst zu und auch das schnellste Internet hätte nicht mehr rechtzeitig liefern können.

Mit Fernsehen, Radios und Stereoanlagen allein kann ein kleiner Händler aber schon lange nicht mehr überleben. „Ohne die 'weiße Ware', wie im Fachjargon Haushaltsgeräte genannt werden, „geht gar nichts mehr“, sagt Schmitt. Deren Vertrieb aber machte zunächst weitere Qualifikationen notwendig. Wie bei den Fernsehern, so hat Schmitt sich hier auf namhafte deutsche Hersteller spezialisiert. Für die übernimmt er als „autorisierter Fachhändler“ auch Reparaturen, die während der Garantie- oder Gewährleistungszeit anfallen. Darüber hinaus legt er aber auch an alle anderen Geräte Hand an, wenn es erforderlich ist.

Es gibt immer weniger Fachleute

In diesem Service sieht er aber nach wie vor eine Chance. Auf seiner Homepage will er verstärkt für seinen Reparaturservice werben. Es gebe schließlich immer weniger Fachleute, die defekte Waschmaschinen oder Fernseher wieder zum Laufen kriegen. Die großen Märkte hätten keine Reparaturabteilung, sondern bestenfalls Subunternehmer.

„Solange es geht“, erhält man von Schmitt als Antwort, wenn er danach gefragt wird, wie lange er noch berufstätig sein will. Neben dem Lebensunterhalt ist es auch eine „innere Verpflichtung“ den Kunden gegenüber, die ihn zu dieser Aussage veranlasst. Die meisten von denen sind aber auch schon älter als 40, wie Schmitt feststellt. Für seinen Berufsstand sieht er in der Zukunft schwarz. Geschäfte, wie er eines betreibt, werde es wohl in zehn Jahren nicht mehr geben, ist er überzeugt.

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